Lettau, H.: Versuch einer Bilanz im Kondensationskern-Haushalt der Troposphäre usw, 555
für die Trocken- und Wüstengebiete der Erde annehmen, Bereits Peppler (zo)
hatte auf die subtropischen Trockengebiete als Salzkernquelle hingewiesen. Da
diese Gegenden höchstens 10% der gesamten Erdoberfläche einnehmen, wollen
wir den Posten S, = Kernerzeugung von freier Landfläche aus im Mittel für die
gesamte Erde ansetzen zu
BB. == 0,3 n/emntsee,
Dieser Betrag wird eher zu hoch als zu niedrig anzusehen sein.
Über die Kernerzeugung durch „natürliche“ Vegetationsbrände läßt sich
leider nichts auf Grund wohldefinierter direkter Kernmessungen aussagen. Einer
Untersuchung von Knoche (s) entnehmen wir die Abschätzung, daß durchschnitt-
lich auf der ganzen Erde einige zehn Millionen Tonnen {fester Bestandteile all-
jährlich bei Vegetationsbränden in Form von Ruß und Asche in die Atmosphäre
gelangen, Von dieser Gesamtmenge, 10% g, werden vielleicht nur Bruchteile von
Promille als Kondensationskernsubstanz in Frage kommen. Nähere Unterlagen
hierzu waren mir nicht zugänglich, Setzen wir als mittleres Gewicht eines
Kernes nach (19) 10 g an, so führt das auf eine Erzeugung von 10% bis 10%
Kernen je Jahr, Da die gesamte Erdoberfläche 5-10%® em® umfaßt und die
Zahl der Sekunden eines Jahres 3 + 107 beträgt, gilt für die mittlere Kernproduk-
tion 0.07 bis 0.7 n/em?see, Als Durechschnittswert wollen wir für die Kern-
erzeugung durch Vegetationsbrände ansetzen:
Sp = 0,4 n/cm® sec.
Die Unsicherheit dieses Wertes drückt sich in den obigen Zeilen wohl deutlich
genug aus,
Im Anschluß an die Frage der Kernerzeugung durch gewissermaßen „natür-
liche“ Brandherde soll diejenige durch anthropogene Verbrennungsvorgänge er-
örtert werden. Hierzu lassen sich zahlreiche direkte Kernmessungen verwenden,
Eine wichtige Grundlage bilden Kernzählungen in Großstädten im Vergleich zu
benachbarten Freilandstationen oder auch Kernzählungen am Stadtrande bei
verschiedenen Windrichtungen, Ohne auf Einzelveröffentlichungen einzugehen,
verweisen wir auf die zusammenfassende Darstellung von Landsberg (1) und
führen an, daß im Mittel für eine ganze Anzahl verschiedener Großstädte die
Kernzahlen im Stadtinneren um rund 10° n/cm* höher liegen als die über dem
freien Lande, Wenden wir wieder die Schmidtsehe Formel unter denselben
Voraussetzungen wie oben an, so gilt zahlenmäßig S = 48 Bei 4s = 10% und
= 10000 m erhalten wir S= 10® n/cm*sec. Diese Größenordnung wurde für
die Kernerzeugung einer einzelnen Stadt auch auf eingehendere Weise ge-
Iunden (12).
Die Verstädterung und Industrialisierung zeigt in den verschiedenen Erd-
teilen sehr stark wechselnde Verhältnisse, In hochentwickelten Gebieten kommen
{ür die Bedeckung durch Industrie- und Siedlungsgebiete einige Prozent der
Gesamtfläche in Frage, Für die ganze Erde möge ein Betrag von 1%o an-
genommen werden, Leider gibt es in der geographischen Literatur keine aus-
gearbeiteten Zahlengrundlagen, so daß die obige Schätzung angenommen werden
muß“), Wir würden somit für die anthropogene Kernerzeugung einen Betrag
von. 0.1 n/cem*sec erhalten, Wahrscheinlich ist dieser Wert zu gering, weil sich
auch über das sogenannte freie Land und auch über die Meere Feuerstellen,
Herde und Motoren verteilen. Wir wollen demzufolge als endgültigen Wert der
anthropogenen Kernerzeugung ansetzen:
81 wo 0.2 fen? sen.
Als weitere natürliche Quelle von Kernen ist die Yulkantätigkeit anzuführen.
Systematische Beobachtungen hierzu liegen leider nur sehr wenige vor, Ich
hatte Gelegenheit, bei Besteigung zweier Yulkane des Virunga-Gebietes in Zentral-
afrika einen Einblick in ihre Kernproduktion zu gewinnen (12).
*) Ich stütze mich auf eine diesbezügliche Diskussion mit Herrn Doz. Dr, Giere vom Geo-
graphischen Institut der Alberius- Universität.