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Full text: 67, 1939

554 © Annalen der Hydrographie und Maritinen Meteorologie, Dezember 1939 
einem Maximum mittags zu liefern (12), Denn es liegt wahrscheinlich ein Tages- 
gang des UÜzongehaltes parallel mit dem der kurzwelligen Sonnenstrablung vor. 
Die entsprechende tägliche Schwankung des Kerngehaltes hält sich jedoch inner- 
halb mößiger Grenzen (zwischen 200 und 300 n/cm*). Entscheidend für die 
Frage nach der Kernerzeugung von der Meeresoberfläche aus ist jedoch, daß es 
m. W, noch keinmal gelang, bei Luftströmungen über das Meer hinaus eine Zu- 
nahme des Kerngehaltes festzustellen, Nach neueren Untersuchungen von Neu- 
mann (ı7) ist die Kernproduktion an der Nordseeküste nur für ursprünglich 
reine, auflandig strömende Luftmassen nicht zu vernachlässigen. Zusammen- 
[assend kann gesagt werden, daß die Kernerzeugung vom Meere aus gering 
sein muß, jedenfalls gegenüber derjenigen vom Lande aus nicht ins Gewicht 
fällt. Bezeichnen wir den entsprechenden Posten in unserer Bilanz mit 5, so gilt: 
8, = 0.0 njem®sec, 
Bei Luftströmungen vom Meer zum Land konnte dagegen an verschiedenen 
Küsten eine Zunahme der Kernzahl gefunden werden, Schließlich ist dies die- 
selbe Tatsache, die sich in den größeren Kernzahlen über dem Lande äußert. 
Am eindrucksvollsten ergibt sich eine solche Zunahme bei auflandiger Luftströ- 
mung an der Küste von Mogadischu nach den Beobachtungen von Bossolaseco (2), 
Bei Landwind betrug der Mittelwert der Kernzahl 8000 n/cm*®, bei Seewind 
nur einige 100, Wehte der Seewind über eine gewisse Strecke unbewachsenen 
Bodens, so trat eine erhebliche Erhöhung der Kernzahl ein. Neuberger {16} 
sprach sich dagegen aus, daß Überströmung von 1 km Landstrecke eine so große 
Kernzunahme bringen könne; er stützte sich dabei auf Beobachtungen an der 
Nordseeküste. Bossolaseo wandte mit Recht dagegen ein, daß er an eine Ver- 
Aallgemeinerung seines Ergebnisses nicht gedacht habe, und daß für die Küste 
von Mogadischu zweifelsfrei die Tatsache der Kernzunahme bei auflandigem 
Wind feststehe. 
Um quantitativ aus Beobachtungen der Kernzunahme bei Überströmung 
einer kernerzeugenden Unterlage zahlenmäßig die Kernproduktion der Flächen- 
einheit zu berechnen, steht grundsätzlich eine von W. Schmidt für die atmo- 
sphärisehen Bedingungen umgestaltete Formel aus der Wärmeleitungstheorie zur 
Verfügung, vgl. z. B. (21), (18). Diese Formel lautet: 
yes ds 5102 njomt sc. 
Hierbei bedeuten Sy, = Kernstrom in n/cm*sec, 4s= Zunahme des Kerngehaltes 
in n/em* von Beginn der Einwirkung ab bis zur geradlinig gemessenen Entfer- 
nung x in em, o= Luftdichte in g/cm*®, u = Windgeschwindigkeit in cm/see, 
A = Austauschkoeffizient in g/cm sec und % = 3.14, 
Man wird in der Regel sehr stark im Zweifel sein, welche Zahlenwerte für 
nu und A einzusetzen sind, Die Unsicherheit geht auf die Höhenabhängigkeit 
beider Elemente zurück. Das Produkt A-u ist verstärkt höhenabhängig, Da 
es sich um Bodenmessungen handelt, wollen wir einen Mittelwert der Wind- 
geschwindigkeit von 2 m/sec in 2 m Höhe und demzufolge einen A-Wert von 
2 g/em sec [gültig für mittlere Bodenrauhigkeit bei fehlender stärkerer Tempe- 
raturschichtung, vgl. (14), z.B. Fig, 13] einsetzen. Diese Annahme verleiht der 
Rechnung einen überschlägigen Charakter. Eine wesentliche Verbesserung der 
Grundlagen wäre gegeben, wenn die Kernerzeugung durch aerologische Schnitte 
in verschiedenen Stadien der Überströmung erfaßt werden könnte, vgl. z. B. (1). 
—— Mit p== 1.2 10-3 und den oben erwähnten Annahmen wird aus der Formel: 
Sy 487 [x in m} 
Bossolasco fand bei Überströmung von einer etwa 1000 m langen Landstrecke 
eine Zunahme der Kernzahl am Boden um rund 1500 n/cm®, Damit ergibt sich: 
So% 3 n/cm?see, Es muß hervorgehoben werden, daß sich ähnliche Ergebnisse 
für andere Küsten nicht bestätigen ließen (16). Es fehlt noch sehr an systema- 
tischen Untersuchungen hierzu. Zweifellos spielt die Bedeckung des Bodens mit 
Vegetation eine Rolle, Wir können den errechneten Betrag vielleicht als gültig
	        
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