Lettau, H,: Versuch einer Bilanz im Kondensationskern-Haushalt der Troposphäre usw. 558
Landbedeckung */,, die Meeresbedeckung %, der Erdoberfläche ausmacht, so
kommen wir zu einem Mittelwert des troposphärischen Kerngehaltes von
31004 8-05:10 a af
Da die Oberfläche der Erde rund 5-10 em* beträgt, erhält man unter den an-
geführten einschränkenden Voraussetzungen als Gesamtzahl aller Kondensations-
kerne in der Troposphäre einen Wert von 10% Kernen, Wir gehen in den fol-
genden Kapiteln von der Zahl je Einheitssäule aus und unternehmen den Ver-
such, eine Bilanz zwischen kernerzeugenden und kernvernichtenden Vorgängen
im Mittel für die gesamte Erdoberfläche zu ziehen.
1IL Die kernerzeugenden Vorgänge. Diese Seite unserer Bilanz läßt sich auf-
teilen nach terrestrischen und kosmischen Vorgängen, Unter den terrestrischen
nennen wir folgende:
1. Ablösung vom Untergrund, und zwar sowohl von der Meeresoberfläche
als auch vom TFestlandsboden,
Natürliche Brandherde, wie Vegetations- oder Moorbrände,
Künstliche Brandherde, wie Haus- und Industriebrand, Motorenabgase usw,
Vulkantätigkeit, ,
Wirkung von Strahlen verschiedener Wellenlängen oder Ionisierung durch
Blitze, sowie weitere, nicht näher bekannte Vorgänge.
Zum Teil gehören die unter 5. genannten Vorgänge wohl bereits zu den kos-
mischen; in erster Linie ist bei „kosmischer“ Kernerzeugung jedoch an die Durch-
setzung der Atmosphäre mit feinster Materie aus dem Weltenraum zu denken
(Meteorstaub, Kometenschweife), Die kosmischen Vorgänge treten vermutlich
hinter den terrestrischen an Wirkung weit zurück, jedenfalls in der Troposphäre.
Dieses äußert sich augenfällig bereits in der Tatsache, daß der Kerngehalt vom
Boden nach der Höhe sehr stark abnimmt, vgl. Tafel 1. Wir wenden uns daher
in den folgenden Kapiteln ausschließlich der zahlenmäßigen Behandlung der
terrestrischen Vorgänge zu, da wir mangels Daten aus der Stratosphäre unsere
Bilanz auf die untere Atmosphäre beschränken müssen,
Es gilt als feststehend, daß die verschiedenen kernerzeugenden Vorgänge
auch unterschiedliche Arten von Kernen hervorbringen. Auf Fragen nach Zu-
zammensetzung und Größe gehen wir nicht ein. Wir verweisen z. B. auf die
Untersuchungen von Junge (7), in denen die Kernwirksamkeit verschiedener
Stoffe eingehend geprüft wurde, Für uns soll es nur auf die Kernzahl an-
kommen, wie sie durch gewöhnliche Messung mit dem Kernzähler gewonnen wird,
Eine Eilanzbetrachtung, wie wir sie hier versuchen, wurde früher von
H. Köhler insofern angebahnt, als Köhler aus seinen Meßergebnissen über die
Größe der Kerne in Verbindung mit Analysen des Rückstandes von Niederschlags-
wasser den Schluß zog, daß weitaus der größte Teil (80%) aller Kerne aus
dem Meere stammt {s), (11), S. 238, Diese Anschauung kann heute als wider-
liegt gelten, Das hauptsächlichste Gegenargument liefert die immer wieder be-
stätigte Beobachtung geringer Kernzahlen über den Meeresflächen, Findeisen
(>), (5a) wies darauf hin, daß das in der Luft und im Regenwasserrückstand
vorhandene Salz sich nicht in (der Kernzahl entsprechender} feiner Aufteilung
befindet, sondern in etwa 1000fach gröberer, so daß tatsächlich nur mit durch-
schnittlich wenigen, aber kompakten Salzteilen zu rechnen ist, Diese sind nicht
identisch mit den Kernen, Findeisen zieht die Schlußfoilgerung, daß wohl
über ganz Kuropa die Kerne zum weitaus größten Teil aus künstlichen Ver-
brennungsprozessen hervorgehen, Hierauf kommen wir noch eingehend zurück,
Der Vorgang der Kernbildung vom Meerwasser aus, der gemeinhin als Spritz-
wassereffekt gedeutet wurde, fand neuerdings durch Cauer (zitiert nach {s),
Besprechung Linke) eine neue Darstellung. Unter dem Einfluß von Ozon wird
das Chlorid des Meerwassers oxydiert, wobei Chlorgas frei wird, ebenso Brom
und Jod. Bei Anwesenheit von Ozon in der Luft werden hygroskopische Kerne
aus dem Meerwasser erzeugt, Diese Theorie ist imstande, eine Erklärung für
den von mir auf hoher See gefundenen täglichen Gang der Kernzahlen mit