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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 67 (1939)

550 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1939, 
Achse die Windrichtung, auf der anderen Achse der Wasserstand abgetragen; 
dann zeigt die Lage der eingetragenen Punkte, welche Windrichtung Wasser- 
steigung, und welche Richtung Wassererniedrigung hervorruft (Taf. 52, Abb, b). 
Die Mittelwerte der eingetragenen Wasserstände zeigen, daß die Windrichtung 
von Süd über West bis Nord hohe, die entgegengesetzte niedrige Wasserstände 
hervorrufen, was schon oben festgestellt wurde. 
So kann man die Wasserstände in zwei Gruppen teilen, eine für westliche, 
die andere für östliche Richtungen; das ergibt zwei Korrelationsfelder für den 
Wasserstand und die Windgeschwindigkeit. Bei westlichen Windrichtungen 
(Taf, 52, Abb. c) ist der Korrelationskoeffizient zwischen Wasserstand und Wind. 
reschwindigkeit -+ 0.40; bei östlichen — 0.45 (Taf. 52, Abb. d). Das zeigt, daß im 
arsten Fall (d. h. bei westlichen Richtungen) die Vergrößerung der Windgeschwin- 
ligkeiten eine Wasserstandsvergrößerung, im zweiten Fall (bei östlichen Rich- 
tungen) aber Wasserstandsverminderung hervorruft, was den früheren Dar- 
(egungen entspricht. Daß ein Korrelationskoeffizient ein wenig größer ist als der 
andere, bedeutet, daß der Niedrigwasserstand mehr als der Hochwasserstand von 
lokalen Winden abhängig ist, wie ebenfalls schon früher gesagt ist. So ergeben 
die Korrelationskoeffizienten dasselbe Bild, das vorher auf eine andere Weise 
zefunden worden ist. 
V, Zusammenfassung, 
Wie aus diesen Untersuchungen folgt, sind die kurzfristigen, nur wenige 
Tage anhaltenden Wasserstandsschwankungen allein durch Luftdruck und Wind 
pedingt. Obgleich der lokale Luftdruck, wie der Korrelationsfaktor zeigte, nicht 
zroßen Einfluß auf den Wasserstand hat, muß doch der Luftdruck, oder viel. 
nehr der Luftdruckunterschied für den Wasserstand maßgebend sein. Die Druck- 
anterschiede bedingen ihrerseits gewisse Windrichtungen und Windstärken, Mit 
dieser Frage haben sich viele Autoren befaßt; ich nenne vor allein die Arbeit 
von Rolf Witting“*), der die Wirkung von Luftdruck und Wind im „Anemo- 
barischen Wasserstandsgesetz“ zusammengefaßt hat. Wittings Gedankengang 
ist folgender: Wenn auf einer betrachteten Fläche keine Druckunterschiede auf- 
treten, so muß der Gesamtdruck von Wassersäule und Atmosphäre immer konstant 
sein, Verursacht ein Tiefdruckgebiet ein .Luftdruckdefizit, so muß dieses durch 
2ine Erhöhung der Wassersäule ersetzt werden. Eine Luftdruckänderung von 
1 mm entspricht einer Wasserhöhenänderung von 13.6 mm und dies gibt in 
Wittingschen Einheiten re] den theoretischen Faktor 0.27, während der 
beobachtete Faktor 0.55 beträgt. Dieser Unterschied entsteht dadurch, daß der 
Wasser—Luft-Vorgang statisch untersucht ist, obgleich es in Wirklichkeit ein 
Aynamisches‘ Problem darstellt. Mit der Zyklone ist Wind verbunden; dieser 
treibt das Wasser unter Ablenkung vor sich her mit der Wirkung, daß der 
Gradient des Wasserberges vom Gradienten des Luftdruckes abweicht. So hat 
auch der Verfasser gefunden, daß die Windrichtung den größten Einfluß auf den 
Wasserstand hat; erst in zweiter Linie kommen die Windgeschwindigkeit und Be- 
ständigkeit, An der estländischen Küste heben westliche Winde den Wasserstand, 
während die östlichen ihn vermindern. Für die an offener See liegenden Stationen 
Filsand, Tahkona, Stenskär nnd teilweise auch Worms sind südwestliche und 
westliche Winde die Ursache des Hochwassers, Es kommen jedoch auch die in 
der Ostsee wehender südlichen und südwestlichen Winde in Betracht, die das 
Wasser in den Finnischen Meerbusen treiben. Für Reval wird die Wasserstands- 
hebung meistens durch nordwestliche und auch westliche Winde hervorgerufen. — 
Bei den erstgenannten Stationen kommt Niedrigwasser bei südöstlichen und öst- 
lichen Winden vor, während in Reval nordöstliche Winde niedrigen Wasserstand 
verursachen, Westliche Winde haben meistens größere Geschwindigkeiten als 
Östliche; so ist in der Regel bei Hochwasser die Windgeschwindigkeit größer als 
bei Niedrigwasser, Ferner herrscht an Hochwassertagen eine mehr oder weniger 
bestimmte Tief- und Hochdrucklage und eine andere an Niedrigwassertagen. So 
*) Rolf Witting, Hafsytan, Geoidytan och Landhöjningen utmed Baltiska hafvet och vid 
Nordsiön, Feunnia 39, 1918.
	        
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