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Full text: 67, 1939

548 Annalen der Hydrographie und Maritinsen Meteorologie, Dezember 1959. 
in Filsand liegen, von zwei Fällen abgesehen, alle Windrichtungen an den Niedrig- 
wasser-Haupttagen zwischen NNE und SSE, d.h, der Wind hat östliche, nur im 
einem Fall westliche und in einem zweiten Fall nördliche Richtung. Auch an 
Niedrigwasser -Vortagen kommen in Reval die Winde vorwiegend aus östlichen. 
Richtungen, und nur in sieben Fällen aus westlichen, In Filsand ist an Niedrig- 
wasser -Vortagen das Bild ungefähr dasselbe, doch sind die Windrichtungen ein 
wenig nach Norden verschoben, Öbgleich die Zahl der Niedrigwasserfälle nicht 
groß ist, zeigt sich doch klar die Abhängigkeit von der Windrichtung, sogar 
bedeutend besser als beim Hochwasser, obgleich bei diesen die Zahl der Fälle 
sogar größer ist. 
Im allgemeinen kann man sagen, daß an der estländischen Küste die Niedrig- 
wasserstände bei östlichen Winden mit südlicher oder nördlicher Komponente 
vorkommen, und zwar treten die Niedrigwasser an den im Finnischen Meerbusen 
sich befindenden Stationen bei östlichen Winden mit südlicher Komponente und bei 
den an der Ostsee liegenden Stationen bei solchen mit nördlicher Komponente auf, 
b) Die Windgeschwindigkeiten an den Niedrigwasser-Vortagen und -Haupt- 
tagen um 138 sind in Tab, 16 zusammengestellt, 
An Niedrigwassertagen herrschen meistens mäßige Winde, an Vortagen ein 
wenig schwächere als an Haupttagen; an einem Vortage ist auch bei beiden 
Stationen Windstile, An den Haupttagen der Niedrigwasser beträgt die Wind- 
geschwindigkeit in Reval in der Mehrzahl der Fälle (61%) 10 bis 14 m/sec, in 
Filsand in 52% der Fälle 8 bis 14 m/seo, In vier Fällen steigt in Filsand die 
Windgeschwindigkeit am Haupttage sogar auf 16 m/sec an, andererseits wird in 
Arei Fällen nur die Geschwindigkeit von 2 m/se@ erreicht, 
Zur Ermittlung der Beziehungen zwischen Wasserstand und Windgeschwindig- 
keit sind die maximalen Windgeschwindigkeiten und die minimalen Wasserstände 
für jeden Fall von Niedrigwasser in Tab. 17 zusammengestellt. 
Es zeigt sich, daß die größte Häufung der Niedrigwassertage bei den Winden 
von 12 bis 14 m/sec auftritt, bei 17 und 20 m/see kommen noch drei bzw, zwei 
Fälle vor. Eine Beziehung zwischen Windgeschwindigkeit und Wasserstand in 
dem Sinne, daß die Zunahme der Windgeschwindigkeit eine vermehrte Wasser- 
standserniedrigung hervorruft, wie man es erwarten könnte, läßt sich in Tab. 17 
jedoch nicht feststellen. Vergleichen wir nunmehr diese mit der entsprechenden 
bei Hochwasser (Tab. 10), so sehen wir, daß an Hochwassertagen viel größere 
Windgeschwindigkeiten herrschen als an Niedrigwassertagen. Aber die Wind- 
geschwindigkeiten sind mit gewissen Luftdruck- bzw, Weiterlagen verbunden; man 
kann daher den Wasserstand auch für Wettervorhersagen benutzen: An der 
astländischen Küste folgt auf Niedrigwasser meist gutes und auf 
Hochwasser meist schlechtes Weiter. Diese Tatsache ist schon seit alter 
Zeit der estländischen Küstenbevrölkerung bekannt, und ich, der ich selbst dort 
an der Küste aufgewachsen bin, habe sie auch durch meine eigenen Wahr- 
nehmungen bestätigt gefunden. 
8. Minimale Wasserstände. 
In der von mir untersuchten 15jährigen Beobachtungszeit hatten Filsand, 
Reval und Loxa den niedrigsten Wasserstand am 30. Januar 1937. Tahkona hatte 
an diesem Tage 56 cm unter dem mittleren Niveau, Am 14, April 1934 hatte indes 
Tahkona 58 em unter dem mittleren Niveau, mithin noch 2 cm weniger; dieser 
Wert muß daher für Tahkona als niedrigster bisher gemessener Wasserstand 
gelten, — Bei den Stationen Worms und Stenskär fehlen Beobachtungen für den 
30. Januar 1937, doch kann man annehmen, daß auch dort an diesem Tage der 
niedrigste Wasserstand aufgetreten ist, Gemessen wurde der niedrigste Wasser- 
stand in Stenskär am 10, April 1934; die anderen Stationen hatten am gleichen 
Tage um einige wenige Zentimeter höhere Wasserstände, — Worms hatte den 
niedrigsten Wasserstand (61 cm unter dem mittleren Niveau) am 18. Februar 1929, 
andere Stationen am gleichen Tage jedoch nicht besonders niedrigen Wasserstand, 
Es sind deshalb nur die ersten zwei Fälle genauer untersucht worden (10. April 
{934 und 30. Januar 1937) und für diese die Windrichtungen, Windgyeschwindigkeiten
	        
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