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Full text: 67, 1939

546 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1939. 
und — in einigen seltenen Fällen — auch im Südosten (in Süd-Rußland) liegt. 
Die seltene Südost-Lage des Hochdrucks werursacht die größten Hochwasser- 
stände im Finnischen Meerbusen, jedoch nicht an allen Stationen, Wenn die im 
Tiefdruck sich befindenden Luftmassen in ihrer Bewegung von südöstlicher Seite 
her durch Hochdruck gebremst sind und dadurch das Tiefdruckgebiet von dieser 
Seite verengt wird, dann wächst der Gradient des Luftdrucks und somit auch 
die Windgeschwindigkeit. Die Lultmassen bahnen sich den Weg durch den Fin- 
nischen Meerbusen nach dem Ladogasee und nach dem Weißen Meer, denn an 
der Wasserfläche ist ja der Reibungswiderstand kleiner als am Erdboden. 
So entstehen die Stürme in der Richtung der Achse des Finnischen Meerbusens 
und in weiterer Folge starke Wasserbewegungen, Da der östliche Teil des Finni- 
sehen Meerbusens sich beträchtlich verengt, steigt das Wasserniveau höher und 
höher, wie bei einer Bewegung der Gezeitenwelle in Trichtermündungen; in 
Kronstadt und in Leningrad kommt es dann zu Überschwemmungen, So 
war die Lage am 23, September 1924, wo der Wasserstand in Leningrad 383 cm 
über Normal betrug; an demselben Tage trat, wie schon oben bemerkt, auch 
der höchste Wasserstand in Stenskär und in Worms auf, Beide Orte zeigen 
also ähnliche Wasserstandsänderungen wie Kronstadt und Leningrad, Da das 
Steigen des Wassers im Osten später als im Westen einsetzt, so können Hoch- 
wasserstände in Worms und in Stenskär als Warnungszeichen der 
drohenden Überschwemmung in Leningrad benutzt werden*) 
Daß für diese maximalen Hochwasserstände das genannte Konvergenzgebiet 
der Frontalzone des russischen Hochs und des daran nordwärts gleitenden Tiefs 
verantwortlich ist, zeigt der Vergleich folgender Tab, 12 mit Tab. 11. Die Wind- 
stärken sind im westlichen Teil der Östsee bedeutend geringer (Tab, 12) als im 
östlichen Teile (Tab, 11), 
Am 13. November 1980 war die Lage der Tieldruckgebiete ungefähr dieselbe 
wie am 23, September 1924, aber es fehlte ein Hoch in Rußland; jedoch war 
ein Hochdiuckgebiet in Mitteleuropa mit dem Zentrum über Elsaß. Die Winde 
hatten auch ungefähr dieselbe Geschwindigkeit, aber mit der Richtung zwischen 
West und Nordwest, wie aus Tab, 11 ersichtlich, Der Wasserstand war aber in 
Stenskär und Worms wie auch in Kronstadt und Leningrad nicht so hoch wie 
bei dem erstbeschriebenen Fall (23. Sept. 1924); die höchsten Wasserstände 
waren in Reval und Loxa. Auch am 20, Oktober 1935 waren die Tiefdruck- 
zebiete ähnlich, jedcch etwas südlicher gelegen als im ersterwähnten Fall; das 
Hochdruckgebiet lag westlicher mit dem Zentrum über Rumänien, Diese Lage der 
Tief- und Hochdruckgebiete verursachte besonders starke südwestliche Winde im 
östlichen Teil der Ostsee, so auch in Filsand, wo das Wasser besonders hoch anstieg. 
6. Besondere Hochwasserfälle, 
Weiter ist es wichtig, solche Hochwasserfälle zu betrachten, in denen sehr 
rasche Schwankungen des Wasserstandes eingetreten sind; es seien die folgen- 
den vier Fälle mit den schnellsten vorgekommenen Schwankungen ausgewählt, 
nämlich: Oktober 1926, März 1936, Oktober 1933 und Februar 1934, wo das 
Wasserniveau morgens unter Normal stand, aber am Nachmittag schon Hoch- 
wasser herrschte, Tab, 13 zeigt diese vier Fälle, Wir entnehmen ihr, daß 
eine besonders rasche Wassersteigung im zweiten und im dritten Fall stattfand, 
wo am Haupttage um 2b morgens das Wasserniveau in Reval 39 und 40 cm unter 
und um 6% nachmittags 57 und 56 om über Normal-Null war, d, h. im Laufe von 
16 Stunden änderte sich in beiden Fällen der Wasserstand um $6 cm, d.h. un- 
gyefähr einen Meter, Auch im vierten Fall zeigte das Wasser in Reval ganz 
rasche Steigung, und es änderte sich der Wasserstand im Laufe von 16 Stunden 
am 90 em, d. bh. um nur 6 cm weniger als im zweiten und dritten Fall, Im 
ersten Fall betrug die Wassersteigung im Laufe von 20 Stunden 63 cm, Bei 
den anderen Stationen kann man die Wasserstandsschwankung nicht so deutlich 
bemerken, weil bei ihnen der Wasserstand nur einmal täglich gegeben ist. Die 
Windrichtung war im ersten Fall am Vor- und Haupttage zwischen SE bis SW, 
»\ Zur Zeit werden Warnungszeichen für Leningrad aus Reval gegeben.
	        
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