544 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1939.
in Filsand. An den Vortagen fällt die größte Zahl auf die Richtung SW.
Auch hier kann man bemerken, daß an Hochwassertagen die Windrichtung
rechts dreht.
Vergleichen wir in den Tab. 8 und 9 die Windrichtungen der Hochwasser-
tage in Reval und Filsand, so bemerken wir bei Filsand die Verschiebung der
Zahlen nach Westen, wie es auch nach der Lage beider Stationen zueinander
zu erwarten ist,
Über die Windrichtungen der weiteren vier Stationen nähere Angaben zu
machen, erübrigt sich, da die Verhältnisse von Filsand auch für Tahkona und
Worms und die von Reval, auch für Loxa und Stenskär gelten, Zudem be-
'iaden sich in den Meteorologischen Jahrbüchern Windangaben nur für Filsand
und Reval,
4. Die Windgeschwindigkeiten an den Hochwassertagen,
Zur Untersuchung der Abhängigkeit des Wasserstandes von der Wind-
geschwindigkeit sind nur die zwei Windrichtungen berücksichtigt, die an Hoch-
wassertagen vorherrechen, Da die Windgeschwindigkeiten und die Wasserstände
an Hochwassertagen nicht konstant sind, sind die jeweils maximalen Werte der
Windgeschwindigkeit und des Wasserstandes ausgewählt und in der Tab. 10 zu-
sammengestellt.
Wie zu erwarten, herrschen an Hochwassertagen mäßige und starke Winde,
während Windstille und schwache Winde fehlen. Andererseits kann man aus
Tab. 10 ersehen, daß größere Windgeschwindigkeiten nicht immer höhere Wasser-
stände verursachen, Besonders bemerkenswert ist im ersten Teil der Tabelle
(bei der Windrichtung S—WSW), daß der größte Mittelwert des Wasserstandes
nicht bei 20 m/sec liegt, sondern bei der Geschwindigkeit 14 m/sec, Bei dem
zweiten Teil der Tabelle (Windrichtung W—NW) kann man eine annähernde
Proportionalität zwischen Windgeschwindigkeit und Wasserstand feststellen, Das
‚äßt sich dadurch erklären, daB die Bucht von Reval, wie bereits bemerkt, eine
nach NW offene Seite hat, Daher haben nordwestliche Winde einen direkten
Einfluß auf den Wasserstand, indem sie unbehindert einen Stau des Wassers in
der SO-Bucht bewirken. Die SW- Winde dagegen sind mehr behindert, und zudem
haben die unter dem Einfluß der SW-Winde sich stauenden Wasser Abfluß nach
Norden. In der Nautik wird oft gesagt, wenn der Wind von der Seeseite bläst,
30 steigt am Strande das Niveau des Wassers, und umgekehrt. Bei dieser Regel
wären indes folgende Fragen zu berücksichtigen: 1, Auf einer wie langen Strecke
hatte der Wind die genannte Richtung? 2, Wie lange dauerte diese Windrich-
tung und wie groß war die Windstärke? Dieselben Fragen habe ich mir auch
bei diesen Untersuchungen gestellt, weil der Wasserstand an der estländischen
Küste nicht nur von lokalen Windrichtungen und von der zur Zeit herrschenden
Windstärke abhängig sein kann, sondern auch die weiteren in der Ostsee von
südlicher und von gsüdwestlicher Richtung wehenden Winde große Bedeutung
haben müssen; sogar von den in der Nordsee herrschenden Winden ist noch
eine geringe Wirkung zu erwarten. Welchen Einfluß die Windgeschwindigkeit
auf den Wasserstand der anderen estländischen Stationen hat, kann leider nicht
antersucht werden, weil die Beobachtungen ungenügend sind oder überhaupt
fehlen, So ist in Filsand der Wasserstand nur einmal und die Richtung und
Geschwindigkeit des Windes dreimal täglich gegeben; in Tahkona, Worms, Loxa
and Stenskär sind die Wasserstände auch einmal täglich gegeben, doch fehlen
die Windbeobachtungen, Auch für Reval sind die Beobachtungen nicht konform:
30 sind die Wasserstände sechsmal, die Windbeobachtungen aber dreimal und für
ganz andere Tagesstunden angegeben, was unsere Untersuchung erschwert.
5, Maximale Wasserstände,
Zunächst seien die Fälle maximalen Hochwassers betrachtet, die während
der 15jährigen Beobachtungszeit vorgekommen sind. Dafür kommen drei Hoch-
wasserstände in Betracht, nämlich im September 1924 für die Stationen Worms
and Stenskär, im November 1930 für die Stationen Tahkona, Reval und Loxa
und im Oktober 19835 für die Station Filsand. Da die Windbeobachtungen, wie