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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 67 (1939)

Kägi, E.: Einfluß d, Luftdruckes u. d. Windes auf d, Wasserstand an d. estländischen Küste. 548 
So gab es im Jahre 1923 sieben Hochwasser, 1924 nur zwei; dann kommen im 
Jahre 1925 wieder sieben Hochwasser, 1926 vier, 1927 sechs, in den Jahren 1928, 
1929, 1930 und 1931 nur je zwei, 1932 sechs, 1933 drei, 1934 und 1935 je vier, 
‚936 drei und endlich im Jahre 1937 wieder nur zwei, In dieser Verteilung läßt 
sich keine Periode erkennen, Selbst wenn man überhaupt glaubt, eine solche 
Periode vermuten zu können, dürfte ihre Feststellung vorläufig ausgeschlossen 
sein, da eine 15jährige Beobachtungszeit für eine derartige Untersuchung nicht 
ausreicht. Nur eins kann man bemerken, nämlich daß in den Jahren, in denen 
wenige Fälle von Hochwasser vorkommen, diese im allgemeinen höher sind als 
in den Jahren stärkerer Häufung von Hochwasserfällen. So findet man die 
höchsten Wasserstände in den Jahren 1924 und 1930, die nur je zwei Fälle von 
Hochwasser aufwiesen. 
2, Lage der meteorologischen Tief- und Hochdruckgebiete. 
Das Auftreten von Hochwassır läßt sich mit drei verschiedenen Lagen von 
Tiefdruckgebieten in Verbindung bringen, nämlich erstens mit einer De- 
pression im Raume Nordskandinavien— Nordfinnland — Weißes Meer, zweitens 
mit einer Zyklone zwischen Island und Norwegen und drittens mit einem Tief 
über dem Gebiet Bottnischer Meerbusen—Mittelschweden— Finnland, Die beiden 
erstgenannten Depressionen pflegen auf der Köppen-Bebberschen Zugstraße I 
zu wandern, die der dritten Lage bewegen sich indes auf der Zugstraße II, Im 
allgemeinen kann man sagen, daß etwa zwei Drittel der in Betracht kommenden 
Depressionen sich auf der ersten und ein Drittel auf der zweiten Zugstraße 
bewegen. 
Auch bei den maßgeblichen Hochdruckgebieten kann man drei Lagen 
anterscheiden: Erstens ein solches im Raunme Frankreich—Biskaya-—-BSpanien, 
zweitens ein Druckmaximum über dem mittleren Südeuropa und dem Mittelmeer 
und drittens eine Antizyklone über Südrußland. Meistens liegt zu den Hoch: 
wasserzeiten ein Tiefdruckgebiet im Norden und ein Hochdruckgebiet im Süden, 
Diese stationären Hochs steuern nämlich die Zyklonen aus westlicher Richtung 
in unser betrachtetes Gebiet und bewirken dort eine länger anhaltende West- 
wetterlage. In einigen Fällen sind auch zwei Tiefdruckgebiete im Norden: eines 
im Weißen Meer und ein anderes über Norwegen; ebenso kommen in seltenen 
Fällen auch zwei Hochdruckgebiete im Süden vor, eines an der Biskaya und ein 
zweites in Süd- oder in Südost-Rußland. 
3. Die Windrichtungen an den Hochwassertagen. 
Für alle Hochwasserfälle sind die Windrichtungen der Vor- und Haupttage 
um 13% von mir berechnet und in den Tab. 8 und 9 zusammengestellt worden. 
Nach Tab. 8 hat dıe Windrichtung große Bedeutung für den Wasserstand. 
So weist SW mit den benachbarıen Richtungen S, SSW, WSW und W an den 
Haupttagen 39 Fälle von Hochwasser auf, das sind 70% aller Hochwasser- 
fälle. Die Richtungen WNW und NW haben zusammen 13 Hochwasserfälle 
oder 23%. Übrig bleiben nur noch drei Hochwasserfälle, und zwar zwei bei 
der Windrichtung SE und einer bei N. Bei alien anderen Windrichtungen ist 
kein Fall von Hochwasser eingetreten. So können wir mit großer Wahrschein- 
lichkeit sagen, daß Hochwasser in Reval nur zu erwarten sind, wenn der Wind 
aus den Richtungen von S bıs NW weht. 
Ein Vergleich der Windrichtungen der Hochwasser-Vortage mit denen der 
Haupttage ergibt, daß am Vortage die größte Zahl der Fälle von Hochwasser 
auf die Richtung SSW fällt, während WNW mitsamt den benachbarten Rich- 
tungen an den Vortagen eine bedeutend geringere Zahl der Fälle von Hoch- 
wasser aufweist als an Haupttagen, Dagegen zeigen die Vortage der Hochwasser 
ein verhältnismäbig häufiges Auftreten der östlichen Winde: 12 mal aus E bis 
SSE gegenübır 2 Fällen an den Haupitagen. Dies ist ein Ausdruck der Tat- 
sache, daß der Wind vom Vortage bis zum Haupttage im allgemeinen rechts dreht. 
Der Tab. 9 ist zu entnebmen, daß die größte Zahl der Fälle von Hochwasser 
an Haupttagen auf die Richtung NW enıutällı; fünf Richtungen [SW, WSW, W, 
WNW und NW] haben zusammen 37 Hochwasser, d, s. 76% aller 49 Hochwasser
	        
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