accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 67, 1939

Neuere Veröffentlichungen, 
535 
(Juajira fortsetzt, weiterhin auf den stark aus- 
yeprägten Gegenstrom des Floridastromes hin- 
yewiesen. 
Der Vertikalaufbau und die Tiefenzirkulation 
des Amerikanischen Mittelmeeres werden im fol 
genden an Hand von anschaulichen nach eigenen 
Entwürfen wiedergegebenen Figuren dargestellt, 
Die vertikale Verteilung von t° CC, 8% 1, 0, em&/1 
(Fig. 33) im Golf von Mexiko und Östlich der 
Kleinen Antillen weist eing deutliche Zweiteilung 
zuf: ein geschichteter überer Teil bis zur größten 
Schwellentiefe und darunter ein fast homogener 
Teil in den Becken, Der Obere Teil mit einer 
schwach geschichteten Deckschicht und einem 
krüfıLigen Temperatur- und Salzgehaltssprung 
darunter zeigt hiermit charakteristische Merkmale 
für etwaige Ausbreitungs-, Vermischungs- und 
Austauschvorgänge in den Tiefen von 100 bis 200 m, 
Die Verteilung des Salzgehaltsmaximums (Fig. 34), 
das durch den aus der stark salzigen Deckschicht 
der nordhemisphärischen Subtropen stammenden 
Unterstrom in das Mittelmeer verfrachtet wird, 
gibt eine flächenhafte Darstellung soleher ein- 
deutigen Merkmale wieder, Dagegen ist die 
regionale Verteilung des Sauerstoffs im Kern des 
Hauptsauerstoffminimums (Fig, 35) zwischen den 
Tiefen 300 m und 700m schon schwieriger zu 
deuten, Das in dieser Tiefenlage durch die süd. 
lichen Kleinen Antillen eingeströmte sauerstoff- 
arme Wasser wird durch seitlich dureh die Wind- 
ward-Passape einkommendes Wasser mit etwas 
höherem Sauerstoffgehalt vermischt, Für Be- 
vegungs- und Transportvorgänge in gewissen Tiefen 
gibt der Verfasser eine Karte mit der Tiefenlage 
der 10° C. Isotherme (Fig, 36}, die ungefähr mit 
derjenigen des Sauerstoffminimums zusammen fällt, 
wieder und benutzt sie als Aushilfe für eine dyna- 
nische Darstellung der Druckflächen, Aus dieser 
Isobathendarstellung kann man unter bestimmten 
Voraussetzungen auf Eigenschaften der Bewegung 
in den oberen Schichten schließen, In dieser Figur 
spiegelt sich das Bild der Oberflächenströmungen 
wider, Allerdings ist vor der südamerikanischen 
Küste cin Gegenstrom ausgebildet und im Golf 
ron Mexiko sind 4 statt 3 Wirbelgebiete wvor- 
handen, 
Nach neueren Anschauungen ist der ganze 
Golf von Mexiko nicht als Sammelbecken der 
Passatströmung, aus welcher der Golfstrom bervor- 
geht, anzusehen, wie Untersuchungen des geodä- 
tischen Feinnivellements vor der atlantischen Küste 
der U, 5. A, gezeigt haben Ca 1} 
Nach eigenen Untersuchungen des Verfassers 
geht die Erneuerung des Tiefenwassers des Amerika- 
nischen Mittelmecers mehr von der Windward:. 
Anegada-Passage als von der Jungfern-Passage 
aus, Ihe Satteltiefen dieser Schwellen werden durch 
einen Vertikalschnitt der potentiellen Temperatur 
juer zum Antillenbogen im Gebiet dieser Passagen 
ermittelt (Fig. 37). 
Ausbreitungsvörgänge in der Tiefe vom nord. 
atlantischen Ozean her werden an Hand einer 
Karte der potentiellen Temperatur des Becken- 
wassers erörtert (Tabelle auf S. 125 u, Fig, 38), Die 
einzelnen Becken des Mittelmeercs werden von einer 
zyklonischen Zirkulation erfaßt, 
Von vereinsstaatlicher Seite werden jetzt wich- 
tige Untersuchungen über die jahreszeitlichen und 
Ährlichen Auderungen des hydrographischen Zu- 
standes des Amerikanischen Mitielmeeres ange- 
stellt. Da Schwankungen der Passatströmung große 
Änderungen in den dyrgamischen Verhältnissen des 
Mittelmecres nach sich ziehen, verursachen die 
ährlichen Schwankungen des Nordostpassates 
siche Tabelle zuf S, 126) die stärkste Entwicklung 
der nördlichen Karibenströämung im August bis 
September, die schwächste im März. . 
Die Tem peraturjahresschwankung des Öber- 
Jächenwassers (bach Böhnecke) beträgt im Kart- 
jisehen und Yukatan- Meer 3°C und nimmt im 
3olf von Mexiko zu (an der Nordküste des Golfes 
is zu 12°C). Die Exiremtemperaturen werden im 
März (Minimum) und Auygust/September (Maxi- 
num} erreicht, Die Jahresschwankung des ÖOber- 
Jächensalzgehaltes im Karibischen Meer beträgt 
3,7%. Das Salzgehaltsmaximum erscheint im Mai 
nd das -minimum zwischen Juli und Oktober, 
Tiefreichende Abweichungen von den statio- 
aären Verhältnissen konnten z, B. auf Anker- 
;tationen der „Atlantis“ im Floridastrom (Enge 
ron Bimini) nachgewiesen werden, Die t°C- und 
3% 0 Beobachtungen einer einzigen Ankerstation 
'ror Miami} zeigten eine klare 12stündige Welle, 
Im Amerikanischen Mittelmeer treten beson- 
Jere Gezeitenerscheinungen auf in bezug auf die 
zeichen Verhältnisse im Atlantischen Ozean, Vie 
dalbtagstiden (M,, &,) weisen relativ schwache und 
lie Kintagstiden (K,, 0,} dagegen relativ starke 
Amplituden auf (Tab. 2), Durch die Ausbildun 
ner Knotenlinie bei den Kleinen Antillen wird 
m Mittelmeer ein kräftiges Mitschwingen mit den 
Halbtagstiden des Atlantischen Ozeans nicht an- 
geregt, 
Außer diesen periodischen Schwankungen in 
lem Aufbau und der Bewegung des Amerikn- 
rischen Mittelmeeres treten mächtige tiefgreifende 
Veränderungen auf, deren Natur nach Beutigem 
Wissen wahrscheinlich nur durch eine synoptische 
hydrographische Aufnahme des Mittelmeeres oder 
seiner Teilgebiete geklärt werden kann, Als Bei- 
spiel für derartige bis in große Tiefen reichenden 
Verlasgerungen und Transportschwankungen besan- 
jers in Gebieten mit starken Gradientströmungen 
wird die horizontale Verschiebung des kräftig aus- 
zebildeten Sücdostwirbels im Golf von Mexiko (Be- 
abachtungen von 1932 und 1935) herangezogen, 
Da Aufbau- und Stromschwankungen im Wurzel- 
gebiet des Golfstroms zugleich Niveauschwankungen 
bedeuten, werden die letzteren durch Pegelaufzeich- 
„ungen von Key West und neuerdings von Cat 
Cay (Bimini-Inseln} unter der Obhut des Ozeano- 
graphischen Instituts in Woods Hole in Zusammen- 
arbeit mit dem U, 8, Coast and Geodetie Survey 
laufend verfolgt, Mit dieser ozeanographisch- 
dynamischen Arbeitsmethode glaubt man die Pul- 
sationen des Golfstrams in ihrem zeitlichen Ab- 
lanf und in ibrer Stärke besser erfassen zu können 
als mit der in technischer Hinsicht in vielen Fällen 
uamständlicheren Methode einer international durch- 
zuführenden synoptischen Aufnahme bestimmter 
abgegrenzter Golistromgebiete und der vou ihnen 
beeinflußten Meeresregionen, 
Zum Schluß dieser Besprechung soll noch 
änmal hervorgehoben werden, daß sich der Ver- 
Iasser mit diesem knapp umrissenen OzennOgraphi- 
schen Überblick ein großes Verdienst erworben 
hat, Welch eine Fülle von Tatsachenmaterial ist 
hier mit Fleiß zusammengetTAgen worden! Es 
wäre nur zu wünschen, daß in Zukunft auch von 
anderer Seite und für andere Meeresräume der- 
artige das Studium bestimmter ozcanischer Teil- 
gebiete erleichternde ozeanographische Zusammen- 
fassungen der Öffentlichkeit vorgelegt werden. 
Erich Goedecke,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.