5384 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1939,
atlantische Wasser rückt vor, Im großen und
ganzen zeigt das nördliche Küstenwasser immer eine
größere Ansdehnung als das südliche. Da sich
diese nördliche Küstenregion durch starke Schwanzungen
hydrographischer Faktoren auszeichnet,
spielen sich hier eigenartige hydrographische Verzältnisse
ab. Es kann vorkommen, daß, wie am
Siglufjördar-Schnitt (Fig, 19} gezeigt wird, sich der
atlantische Wasserkörper (> 35% 9) in das arktische
Wasser zwischen den Tiefen 75 bis 300 m Eeinschiebt
oder dieses Wasser und das mit negativen
Temperaturen behaftete arktische Bodenwasser über-'agert
oder auch überhaupt nicht angetroffen wird,
Ein weiterer wichtiger Abschnitt ist der achte,
welcher die ersten Ergebnisse hydrographischer
Untersuchungen in den isländischen Fjorden bringt,
(wmer liegen zwei Wasserkörper stabil übereinander.
Neben den zur Küstenwasserregion offenen
Fjorden, gibt es solche, die durch submarine Barren
von der Außenseite abgeriegelt sind, Diese Fjorde,
als Beispiel wird der Amnarfjördur (Tab, 5) im
Nordwesten Islauds angeführt, zeichnen sich in der
Tiefe durch sehr kaltes und stagnierendes Wasser
mit hohen Salzgehalten (345% 9) u. m.) aus, In
den Figuren 21 bis 22 und der Tabelle 6 werden
die hydrographischen Verhältnisse der offenen
Fjorde Jsafjardardjup, Eyjafjördur und Servdie-Hördur
näher beleuchtet,
Der neunte Abschnitt gibt einen Einblick in
die dort herrschenden Sauerstoffverhältnisse. Im
Winter wird nahezu Sauerstoffsättigung erreicht,
während im Sommer beim Eintreten der stabilen
Lagerung der Sauerstoffgehalt des Bodenwassers
bis auf rund 80% Sättigung (Minimalwert == 72%)
zinken kann (Tab. 7), Im Norden von Island
wird im Sommer durch erhöhte Zunahme der
Assimilation sogar Sauerstoffübersättigung (bis zu
136% 02 in 10 m Tiefe) beobachtet.
im zehnten und letzten Abschnitt dieses hydrozraphischen
Werkes werden ganz kurz die Nährstoffverhältnisse
angezeigt. Regionen mit hohem
Nährstoffgehalt im Oberflächenwasser findet man
Jas ganze Jahr über oberhalb des Faröer-Island-Srönland-Rückens,
im Gebiet der Westmannaeyjar
and bei Latrabjarg und Langanes,
Fin Literaturverzeichnis mit hydrographischen
Arbeiten vorwiegend dänischer Autoren und eine
Anbangtafel mit einer Stationsübersichtkarte von
[Island beschließt die Hydrographie der Island
umgebenden Gewässer, Diese mit vorzüglichen
Figuren ausgestattete Arbeit stellt eine vortreffliche
Ergänzung zu der im deutschen Sechandbuch
(Marineleitung, Berlin 1934) erstmalig gegebenen
bydrographischen Übersicht der isländischen
Gewässer dar. Erich Goedecke.
Günter Dietrich, Das Amerikanische Mittelmeer,
Ein meereskundlicher Überblick, Zeitschr. d, Ges.
f, Erdkde, z. Berlin, Nr. 3/4, 8. 108 bis 130. Berlin
1939, Mit 9 Fig, u. 2 Tab, im Text (5. A).
Mit dieser geopkysikalisch-ozeanographischen
Übersicht gibt der Verfasser in daukenswerter
Weise einen kurzen und doch umfassenden Einblick
in die auf Grund eines modernen Tatsachenmaterials
bestehenden verwickelten hydrographischen
Erscheinungen der Oberfläche und der Tiefe
des Amerikanischen Mittelmeeres, Für die reine
Geophysik sind die in den Jahren 1926 bis 1936
von holländischer und vereinsstaatlicher Seite ausyeführten
Schweremessungen in den weslindischen
Gewässern von besonderer Bedeutung gewesen. In
azeanoetayhischer Hinsicht ist dieseg Mittelmeer
ın. den letzten Jahren {seit 1932/33) durch die
Untersuchungen der amerikanischen Forschungsschiffe
„Mabel Taylor“ (Bingham ÖOceanographie
Foundation der Yale Universität} und „Atlantis“
‚Woods Hole Oceanographie Institution, Mass,}
dekannter geworden. Einleitend weist der Verfasser
auf den gegenwärtigen Siand unserer Kenntnisse
on der topographischen Gliederung des Amerikasischen
Mittelmeerea {nach Th, Stocks} hin
Fig. 30). Die Großformen des ozeanischen Reliefs
ind das Mexikanische Becken, das Yukatan-Becken
nit dem Cayman-Qraben und das Karibische Becken,
Letzteres ist wiederum Orographisch dreiteilig aufzebaut:
Magdalenen-, Venezolanisches und Aves-Becken.
Auf vorhandene und noch umstrittene
Xleinformen des Bodenreliefs im Gebiet des Koninentalabfalls
wird besonders hingewiesen, Entricklungsgeschichtlich
nehmen alle drei Oroß-'ormen
eine Sonderstellung ein. Das Karibische
Meer soll bereits seit frühpaläozoischer Zeit unanterbrochene
Tiefsee gewesen sein, während sich
las Becken des Yukantan-Meeres im Miozän herausgebildet
hat, Eine Verbindung zwischen dem
seit der mittleren Kreide absinkenden Golf von
Mexiko und dem Karibischen Meere wurde erst. inı
Pliozän hergestellt, Es besteht eine auffallende
Analogie der ostiudischen Erscheinungen mit denen
7zom westindiechen Archipel in bezug auf ihre
norphologischen, gravimetrischen, geologischen, rulsanologischen
und seismologischen Verhältnisse.
Von der von Vening-Meiness entwickelten Einseulungstheorie
der Gebirgsorogenese, die wie für
len ostindischen Arcbhipel auch für die tektonische
Untersuchung der westindischen Antillenregion
zrfolgreich angewandt wurde, soll der in diesem
Zebiet befindliche, charakteristisch ausgeprägte
schmale Streifen mit negativen Schwereanomalien
‚maximal bis über — 150 mgal}, also die Zone des
waximalen Massendefizits (Fig. 31} die Synklinalzone
sein, Zu dieser sind gewisse Beziehungen
mit der Bodentopographie vorhanden, ‚Die Achse
der negativen Sehwereanomalien Läreft sowohlt
über Tiefseegräben wie über unterseeische
Rücken, doch stets unter Einhaltung der
Parallelität von Anomalienachse und Reltefformen,
gleich ob es sich um Unter- oder Überwasserformen.
handelt (vgl. Fig. 30).*
In 150 km Entfernung von der Anomalienachse
läuft die Vulkankette der Kleinen Antillen,
and zwar auf der konkaven Seite des Anomalienstreifens.
Weiterhin deckt sich die Region der
Epizentren der Erdbeben (zwischen Barbados und
Trinidad) und die Zone der eozänen und miozänen
Auffaltungen mit der Anomalienachse, Ferner besteht
eine innige Beziehung zwischen der regionalen
Verteilung von Intrusionen serpentinisierten Periodotits
und dem Anomalienstreifen,
In einem Neuentwurf gibt der Verfasser eine
Darstellung der Oberflächenströmungen im März
für das ganze Gebiet des Mittelmeeres anf Grund
aines bis heute vorhandenen uneinheitlichen Be->bachtungsmaterials
wieder (Fig. 32). Die Gesehwin«
Jigkeit und Richtung dieser Öberflächenströmungen
als ein System der Druckströme (Abflußströmung
der atlantischen Aquatorealströme), das von Windströmen
(durch den Nordostpassat im Mittelmeer
entstandene Windtrift} überlagert ist, werden durch
die mannigfaltigen orographisehen Verhältnisse des
Mittelmeeres stark beeinflußt, Es wird dabei auf
lie wichtige küstennahe Gegenströmung, die den
zanzen Golf linksdrehend umkreist und sich im
Yukatan- und Karibischen Meer bis zur Halbinsel}