198 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1939,
Diese Behauptung liest man sofort auch aus dieser Gleichung (4) ab, über-
dies tritt hier wieder der große Vorteil der äquivalentpotentiellen Temperatur
gegenüber der potentiellen Aquivalenttemperatur deutlich zutage. In einer
echten konservativen Luftmasse mit einheitlichem Gradienten der Lufttemperatur
und mit konstanter maximaler spezifischer Feuchte darf sich der Gradient der
äquivalentpotentiellen Temperatur 2 nicht ändern, während sich aber der
Gradient der potentiellen Äquivalenttemperatur SS ändert.
Daß die Krümmung der Homologen in Island größer ist als in Mitteleuropa,
liegt an der stärkeren Wasserdampfabnahme mit der Höhe, was schon aus den
Werten der relativen Feuchte hervorgeht; über 80% relative Feuchte wurde
in Höhen über 3000 m recht selten angetroffen,
6. Das Moskauer Material,
Die Arbeit von Poliakova (s) ergibt erwartungsgemäß andere Homologe
für Mittelrußland als für Mitteleuropa: Bearbeitet wurde das Moskauer Aufstiegs-
material] der Jahre 1932 bis 1935, vorwiegend Flugzeugaufstiege mit Winter-
meteorographen und einige Ballonsondeaufstiege mit Boschmeteorographen. Sie
wählte aus einem Material von 339 Aufstiegen 156 aus. Da sie nur Morgen-
aufstiege benutzte, spielt der tägliche Temperaturgang keine Rolle, außerdem
entspricht dadurch das Material dem mitteleuropäischen. Die Einteilung der
Luftmassen geschah in enger Anlehnung an Schinzes (und Chromows) Klassi-
fikation, sie wurde jedoch von uns in der Buchstabenbezeichnung der heute
üblichen angeglichen. Selbstverständlich spielen in Rußland andere Quellgebiete
eine Rolle, wodurch zwangläufig eine andere Einteilung entstehen muß. Luft-
massen, die in Mitteleuropa häufig sind, kommen über Moskau gar nicht vor;
als ganz wesentliches Merkmal erweist sich gerade hier der Weg der Luftmassen
hinsichtlich ihrer Einteilung nach dem maritimen oder kontinentalen Charakter.
Das Quellgebiet der echten kontinentalen Luft (cETL) liegt im Südural und in
Mittelasien, sie ähnelt der bei uns einbrechenden Schirokkoluft (z. B. Mai 1937).
Strömt in Moskau Luft aus Norden zu, so ist sie immer über Meeresgebiete
gewandert und hat noch ihren m-Charakter (mG und mA). Gelegentlich kommt
auf der Vorderseite einer Zyklone eine Verfrachtung tropischer Luft nach Norden
vor, diese kommt nun in unmittelbare Nähe arktischer Luft und es tritt teilweise
Vermischung ein. Auf der Rückseite der Zyklone strömt diese neuentstandene
Mischluft nach Süden, die Poliakova aG nennt. Die verhältnismäßig geringe
Zahl der verwendeten Aufstiege gestattet ihr nicht, für alle charakteristischen
Luftmassen und Monate Homologe zu berechnen, auch hat sie Inversionen nicht
ausgeschlossen, wodurch sich bei ihren Homologen eine Zunahme unterhalb 1000 m
erklärt, die aber bei reinen Luftmassen nicht vorkommen kann und deshalb von
uns sinngemäß geändert wurde, bzw. die Homologen beginnen erst bei 500 m
oder 1000 m, ebenso zeigen die manchmal auftretenden Knickstellen, daß hier
eine Häufung von Inversionen liegt. Bearbeitet man dagegen nur frisch ein-
brechende Luftmassen, so müssen diese Knickstellen verschwinden.
Die in der Arbeit von Poliakova angegebenen &@-Werte sind in der Tabelle 2
wiedergegeben, fernerhin wurden sie in die Abb, 2 eingezeichnet. Ein Vergleich
mit der Abb. 7 in (8) zeigt, daß dort von der Verfasserin weitgehende Aus-
gleichungen durchgeführt worden sind, so daß auch dort die Homologen stetig
Linien sind; wir haben uns aber hier an die mitgeteilten &-Werte gehalten, da
eine weitere Ausgleichung nur durch ein größeres Material belegt werden kann.
Ein Vergleich mit den mitteleuropäischen Homologen lehrt, daß die tropische
Luft besonders in den Monaten April und Mai wärmer als in Mitteleuropa ist,
in den Monaten Juni bis Oktober liegt die Mitteltemperatur dagegen nur wenig
höher. Die cG-Luftmasse entspricht vorwiegend unserer Ge, mit Ausnahme der
bodennahen Schichten im August und September, wo diese sehr kalt sind
{zwischen AK und Ga). Das liegt an der Berücksichtigung der Bodeninversionen
und ist sicherlich nicht reell. Die mG ist nur für den Oktober angegeben worden
und entspricht etwa einer G.., Schließlich war die im Oktober einbrechende