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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 67 (1939)

Schmidt, Gerb.: Zyklonen auf ungewöhnlichen Zugbahnen. 
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Zyklonenbahnen sind bis auf den grönländischen Kontinent hin abgedrängt, 
Beständig werden kühle Meeresluftmassen von Nordwesten her nach Mitteleuropa 
geführt. Es ist die Zeit der bekannten Kälterückfälle um die Mitte dieses Monats. 
Wie bei der zuerst beschriebenen Wetterlage treten auch hier vielfach Neu- 
bildungen in der nördlichen Nordsee auf, die dann mehr oder minder der Steue- 
rung unterliegen. Als zweiter maßgeblicher Faktor ist eine sehr lebhafte Zyklonen- 
tätigkeit vom Mittelmeer her auf Straße Vb zu verzeichnen, Perlschnurartig 
aneinandergereiht ziehen die Depressionen nordwärts und bestimmen in der ersten 
Maihälfte unsere Witterung wesentlich. 
Von dem Zusammenwirken zweier derartiger Zyklonen verschiedener Ent- 
stehung, einer at- 
lantischen und einer 
aus dem Mittelmeer, 
soll im folgenden die 
Rede sein: 
Die westliche der 
beiden Störungen ist 
als Neubildung in 
der Nordsee entstan- 
den, und zwar unter 
den gleichen Be- 
dingungen, wie sie 
unter I. bereits ge- 
schildert wurden. 
Auf der 19r»-Karte 
des 13. V. ist sie 
mit einem Kern von 
1020 mbar vor der 
schottischen Ostküste 
zu erkennen. Sie 
unterliegt nun der 
steuernden Wirkung 
des Atlantikhochs 
und gelangt bis zum 
15. V. 8b, dem eigent- 
lichen Beginn der 
Wechselwirkung zum 
Kanalausgang etwa 
an die holländische 
Küste, wobei mittler- 
weile eine Vertiefung bis zu 1005 mbar eingetreten ist, Die Östliche Zyklone 
erscheint erstmalig als Wellenstörung in der kontinuierlichen Folge der Vbp- 
Depressionen am 13. V. Auf der Morgenkarte liegt ihr Zentrum etwa über dem 
Golf von Genua, Sie überquert die Poebene und umgeht östlich die Alpen. Am 
besagten 15. V. morgens ist sie mit einem Kern von 1000 mbar über Oberschlesien 
und Polen anzutreffen. Ihr Warmsektor ist schon weit aufgerollt und nach 
Osten zu geöffnet. 
Ein Tief am Kanal und eins über Polen: das ist die Ausgangssituation 
(Abb, 6). Die Prognose auf Grund dieser Lage war nicht gerade einfach. Be- 
sonders für uns in Leipzig sah die Sache recht verwickelt aus. Man befand sich 
gerade mitten zwischen den beiden Depressionen, von denen eine jede aus- 
gedehnte, kräftige Regengebiete um sich hatte. Von welcher Seite hatte man nun 
zuerst Niederschlag zu gewärtigen, d.h. welches Tief würde sich wohl als das 
Kräftigere erweisen? — Auf jeden Fall mußte Regen in Aussicht gestellt werden. 
Eine leichte Eintrübung war auch bereits in den Vormittagsstunden dieses Tages 
zu erkennen. Was aber trat wirklich ein? Am Nachmittag des 15, V. klarte es 
auf. Der 15, und 16. V. brachte für Mitteldeutschland strahlendes Wetter. Der 
Wind flaute ziemlich ab und durch die Einstrahlung stiegen die Temperaturen.
	        
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