Schmidt, Gerb.: Zyklonen auf ungewöhnlichen Zugbahnen.
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Zyklonenbahnen sind bis auf den grönländischen Kontinent hin abgedrängt,
Beständig werden kühle Meeresluftmassen von Nordwesten her nach Mitteleuropa
geführt. Es ist die Zeit der bekannten Kälterückfälle um die Mitte dieses Monats.
Wie bei der zuerst beschriebenen Wetterlage treten auch hier vielfach Neu-
bildungen in der nördlichen Nordsee auf, die dann mehr oder minder der Steue-
rung unterliegen. Als zweiter maßgeblicher Faktor ist eine sehr lebhafte Zyklonen-
tätigkeit vom Mittelmeer her auf Straße Vb zu verzeichnen, Perlschnurartig
aneinandergereiht ziehen die Depressionen nordwärts und bestimmen in der ersten
Maihälfte unsere Witterung wesentlich.
Von dem Zusammenwirken zweier derartiger Zyklonen verschiedener Ent-
stehung, einer at-
lantischen und einer
aus dem Mittelmeer,
soll im folgenden die
Rede sein:
Die westliche der
beiden Störungen ist
als Neubildung in
der Nordsee entstan-
den, und zwar unter
den gleichen Be-
dingungen, wie sie
unter I. bereits ge-
schildert wurden.
Auf der 19r»-Karte
des 13. V. ist sie
mit einem Kern von
1020 mbar vor der
schottischen Ostküste
zu erkennen. Sie
unterliegt nun der
steuernden Wirkung
des Atlantikhochs
und gelangt bis zum
15. V. 8b, dem eigent-
lichen Beginn der
Wechselwirkung zum
Kanalausgang etwa
an die holländische
Küste, wobei mittler-
weile eine Vertiefung bis zu 1005 mbar eingetreten ist, Die Östliche Zyklone
erscheint erstmalig als Wellenstörung in der kontinuierlichen Folge der Vbp-
Depressionen am 13. V. Auf der Morgenkarte liegt ihr Zentrum etwa über dem
Golf von Genua, Sie überquert die Poebene und umgeht östlich die Alpen. Am
besagten 15. V. morgens ist sie mit einem Kern von 1000 mbar über Oberschlesien
und Polen anzutreffen. Ihr Warmsektor ist schon weit aufgerollt und nach
Osten zu geöffnet.
Ein Tief am Kanal und eins über Polen: das ist die Ausgangssituation
(Abb, 6). Die Prognose auf Grund dieser Lage war nicht gerade einfach. Be-
sonders für uns in Leipzig sah die Sache recht verwickelt aus. Man befand sich
gerade mitten zwischen den beiden Depressionen, von denen eine jede aus-
gedehnte, kräftige Regengebiete um sich hatte. Von welcher Seite hatte man nun
zuerst Niederschlag zu gewärtigen, d.h. welches Tief würde sich wohl als das
Kräftigere erweisen? — Auf jeden Fall mußte Regen in Aussicht gestellt werden.
Eine leichte Eintrübung war auch bereits in den Vormittagsstunden dieses Tages
zu erkennen. Was aber trat wirklich ein? Am Nachmittag des 15, V. klarte es
auf. Der 15, und 16. V. brachte für Mitteldeutschland strahlendes Wetter. Der
Wind flaute ziemlich ab und durch die Einstrahlung stiegen die Temperaturen.