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Full text: 67, 1939

Schmidt, Gerh.: Zyklonen auf ungewöhnlichen Zugbahnen, 
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die Hinzuziehung der Bodenisobaren ein hinreichendes Kriterium für die Be- 
urteilung der voraussichtlichen Lage der Störung am kommenden Tage. Die 
besten Erfolge zeitigte hier die Verfolgung der Druckänderungsgebiete der 
500 mbar-Fläche. Diese Methode, die sich bei ganz verschiedengelagerten, der- 
artigen „strittigen Fällen“ als recht brauchbar erwies, soll an anderer Stelle ein- 
gehend besprochen werden. 
Unser Tiefdruckgebiet verlagert sich in der Folgezeit nur ganz unwesent- 
lich, Es ist aus dem Einflußbereich der atlantischen Antizyklone nunmehr offen- 
sichtlich heraus, Am 19. 1X. überquert es Sardinien und strebt der algerischen 
Küste zu. Über Tu- 
nis ist es vorüber- 
gehend völlig statio- 
när. Fronten lassen 
sich schlechterdings 
nicht mehr finden, 
Trotzdem ist keine 
Auffülung zu be- 
merken. Plötzlich 
am 20, III, auf der 
14b.Karte ist merk- 
liche Vertiefung ein 
getreten. Das Zen- 
rum mit 995 mbar 
liegt südlich Sizi- 
liens. Deutlich lassen 
sich wieder Fronten 
erkennen. Ein kräf- 
tiger Warmsektor 
mit Winden bis zu 
7 Beaufort ist aus 
geprägt. Was ist ge- 
schehen? — Vom 
afrikanischen Konti- 
nent stößt über die 
Cyrenaika tropische 
Luft nach Norden 
vor und führt dem 
Tiefdrucksystem neue 
Energien zu, Es ist 
hicht etwa eine Zy- 
klone aus der Sahara, wie es vielfach geschieht, an die Stelle des alten Tiefs 
gerückt und täuscht dessen Fortbestand lediglich vor. Einwandfrei läßt sich 
die vollkommene Regeneration desselben verfolgen, Das Tiel setzt sich nun- 
mehr erneut in Bewegung, und zwar in nordöstlicher Richtung. Am 21, IIL 
auf der Frühkarte liegt es bereits über der südlichen Adria und hat sich 
weiter bis auf 985 mbar vertieft. Die Fronten sind immer noch scharf ausgeprägt. 
Saseno an der dalmatinischen Küste meldet Sturm 9. Hier passiert etwa gerade 
die Kaltfront, 
Nunmehr zieht die Störung unter Einhaltung von Zugstraße Vd quer über 
die Balkanhalbinsel hinweg in die Wardar-Niederung und weiter zum Marmara- 
meer, Dann wendet sie sich nordwärts und folgt dem Westgestade des 
Schwarzen Meeres, Nur ganz allmählich füllt sie sich auf. Am 22. JIL 19% findet 
sie sich mit einem Kern von noch immer 990 mbar bei Odessa, Noch ist ihre 
Lebenskraft nicht erlahmt, Nach Osten zu versperrt ihr das kräftige, weit vor- 
geschobene Sibirische Hochdruckgebiet den Weiterzug, Aber auch im Norden und 
Nordosten von Skandinavien bis Nordrußland haben die südwärts vordringenden 
Kaltluftmassen ein kräftiges Hoch aufgebaut, das sich ihr wie ein Wall entgegensetzt. 
So bleibt ihr nur, da sie noch immer zu energiereich ist, um sich an Ort und
	        
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