518 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1939,
Niederschläge auf, Deren Erscheinungsform weist aber deutlich Unterschiede auf,
Während im Osten in der arktischen Luft ausschließlich Schneefälle auftreten,
Äinden sich westlich der Front überwiegend Regen, freilich teilweise in Schauer-
form. Einige Analysen deutscher Wetterwarten haben daher über Mittelfrank-
reich noch eine frischere Staffel eingetragen. Ein deutlicher Temperaturgegen-
satz zu beiden Seiten der Front ist gut zu erkennen, Ganz Mitteleuropa liegt
schon etwa eine Woche lang in reiner AK, Diese hat bereits am 15, III, die Alpen
überquert und die Poebene überflutet. Auf der Rückseite der Störung über
Nordengland und Schottland strömen bei ziemlich kräftigen Winden arktische
Luftmassen südwärts,
30 daß von der ehe-
maligen Warmfronft
nichts mehr zu er-
kennen ist. Die Pro-
znose auf Grund
dieser Karte für den
Nachtag war nicht
einfach. Es war nicht
leicht zu sagen, wo-
hin dieses Tief nun
wohl ziehen würde.
Ein starkes Fallge-
Met von über 10 mbar
erstreckte sich längs
der ganzen Front
vom Golf du Lion bis
weit nach Polen hin-
2in, wobei zwei aus-
geprägte Maxima
von über 15 mbar
über dem KRhonetal
und der oberdeut-
schen Hochebene la-
gen. Würde das Tief
num nach Südosten
zu abziehen oder
etwa durch das Rho-
netal ins Mittelmeer ?
Würde €s sich teilen,
wie sich dies öfter
beobachten Jäßt oder sollte es nördlich der Alpen unter nur geringer Verlagerung
stationär werden, um sich schließlich aufzufüllen? — All dies wurde erwogen.
Es tritt aber das ein, was am allerwenigsten. zu erwarten stand: Das Tief-
druckgebiet überquert die Alpen, als bildeten diese keinerlei Hindernis, als wären
sie überhaupt nicht vorhanden. Nicht die geringste Deformation ist zu bemerken,
Die Front geht in ganzer Länge über das Alpengebiet hinweg. Auf der 19h-Karte
des 17. IL liegt der Kern bereits über dem Golf von Genua und hat sich auf
1005 mbar vertieft, Ein besonderer Luftmassengegensatz ist jedoch nicht hervor-
gerufen worden, da die arktische Kaltluft bereits einige Tage zuvor, wie oben
erwähnt wurde, die Alpen passiert und noch keine allzu erhebliche Transforma-
tion erfahren hatte, Am 18. 1IL finden wir den Tiefkern mit 1003 mbar etwa
über Korsika und die Kaltluft auf der Rückseite weit bis nach Mittelfrankreich
hinein vorgedrungen (vgl. Abb, 3, S. 519).
Die anomale Zyklonenzugrichtung war aber einzigartig und ist auf diesen
einen Fall beschränkt geblieben; denn auch an den folgenden Tagen kam es an der
besagten Stelle vor der norwegischen Küste zu Neubildungen (Abb. 4, 5. 520). Doch
alle zogen auf weit nördlicheren Bahnen, obwohl die steuernde Antizyklone an
Intensität keineswegs eingebüßt hatte, Hier bot weder die Höhenströmung, noch