Model, Fr.: Über die Gebundenbeit von Hoch- und Niedrigwasser der Ostsee usw, 5138
auch die winterlichen Wasserstände im Mittel ausgleichen, so daß keine Wasser-
stände über MW auftreten.
Wir wenden uns nun der jährlichen Verteilung von NW und HW zu.
Sie wurden nach Augenschein der Abb, 4 entnommen und in Tab, 6 und 7 (Tafel 50}
zusammengestellt, deren Spalteneinteilung unberücksichtigt bleiben soll. Die Aus-
zählung ergibt, daß 44 Wasserstandsmaxima und 39 Wasserstandsminima auf-
treten, deren jahreszeitliche Verteilung in Tab, 8 gezeigt wird. Es überwiegen
die HW den NW gegenüber im April und Juli ums Doppelte, im Juni die NW
gegenüber den HW. Dieses paradoxe Tabelle 8.
Ergebnis beruht auf der willkürlichen yapreszeitliche Verteilung der HW und NW.
Auswahl der Extrema, letzten Endes —— —, 1 ———
darin, daß die Zacken der Jahreskurve Monat | HW | xW * Monat 1 Hw | NW
bis jetzt ohne Begründung als HW und ”
NW bezeichnet wurden,
Es wäre nämlich möglich, daß die 3
Mittelbildung über 36 Jahre noch nicht 3
ausreichte, um den glatten Jahresverlauf x ; |
zu analysieren und mithin diese Zacken - mL) -
nur „Zufallstreffer“ sind. Dieser an sich berechtigte Einwand wurde nun aber
bereits in der Meteorologie bei Anwendung gleicher Rechenoperationen wider-
legt (1). Es hat sich dort gezeigt, daß, wieviel Jahre man auch immer zusammen-
{aßt, sich immer wieder solche singulären Stellen im Jahresgang zeigen. Man
muß deshalb richtiger fragen: welche dieser Ausnahmestellen sind „reell“? Die
in der Klimatologie vorgenommenen Untersuchungen ergaben als bestes Kriterium
der Realität der „Singularitäten“ daß diese außer bei der Mittelbildung über
sämtliche Jahre auch bei der über die Teilfolgen wieder auftreten müssen, Nach
diesem Gesichtspunkt wurde der jährliche Gang außer durch Mittelbildung über
die 36 Jahre 1902/37 auch durch Mittelbildung über die 12 Jahre: 1902 bis 1913,
1914 bis 1925 und 1926 bis 1937 berechnet (Abb. $5, Tafel 49}. Diesen drei Jahres-
kurven wurden nun die HW und NW entnommen, die in Tab, 6 und 7 zusammen-
gestellt sind, und zwar geben Spalte I die Verhältnisse während der Jahre 1926/37,
Spalte II die während der Jahre 1914/25 und Spalte III die von 1902/13 wieder,
„Reeli“ sind also in Abb. 4 nur die HW und NW, die gleichzeitig in den
Spalten I, IX und III der Tab. 6 und 7 auftreten, Der besseren Übersicht wegen
sind sie in Tab, 9 und 10 (Tafel 50) nochmals zusammengestellt worden. Von
den aufgefundenen 39 NW sind mithin nur 19 „reell“ und von den 44 HW nur 17.
Die Singularitäten im Wasserstand von „Mariepleuchte“ fallen in
den jeweils 12 Jahren ziemlich genau auf denselben Taz:; es treten folgende zeit-
liche Abweichungen auf:
0 Tage 1 mal | 2 Tage 6 mal | 4 Tage I mal
1 Tag 25 mal 3 Tage 2 mal 6 Tage 1 mal
Diese auffallende Übereinstimmung berechtigt, von einem kalendermäßigen
Einsetzen von HW und NW, also von „Singularitäten“ zu sprechen. Wohl
aber müssen Bedenken dagegen erhoben werden, daß Extrema, die in den ein-
zeinen Teilfolgen im zeitlichen Auftreten Unterschiede von 4 und 6 Tagen auf-
weisen, noch zu den Singularitäten gezählt werden. Doch diesen zeitlichen Unter-
schied treffen wir nur Mitte Oktober an; Abb, 5 läßt deulich erkennen, daß diese
Singularität wandert, Wandernde Singularitäten sind bereits in der Meteorologie
bekannt, eine Diskussion über diese Erscheinung erübrigt sich deshalb. Das
Oktober-Niedrigwasser wandert in 12 Jahren um 3 Tage zum Oktoberanfang hin
aus, Bei einer Zusammenfassung von 36 Jahren (1902/37) wird es mithin an
Schärfe verlieren und dafür an Breite gewinnen. Es zeigt nach Abb, 4 einen
Wasserstand von — 7,4 em, wenn dagegen das Mittel aus den drei Zacken der
Abb. 5 genommen wird, ergibt sieh ein NW von — 16.9 cm. Die Oktober-Singu-
larität stellt sich, so betrachtet, als die bedeutendste der Singularitäten heraus,
Die Beweglichkeit der Singularitäten sowohl in zeitlicher Hinsicht — wie
eben besprochen — als auch in ihrer Intensität dürften der Grund dafür sein,
daß eine jahreszeitliche Verteilung in der säkularen Variation des Wasserstands
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