Model, Fr.: Über die Gebundenheit von Hoch- und Niedrigwasser der Ostsee usw. 509
gewählt‘), Im Frühjahr fällt das Wasser niedriger und im Sommer steigt es in
„Kolberg“ höher als in „Marienleuchte“, in der, wie später gezeigt wird, „gestörten
Herbst- und Winterperiode“ gleichen sich dagegen die Änderungen von Monat
zu Monat, Dieses in Abb. 2 dargestellte Verhalten erklärt sich folgendermaßen:
Zu den Zeiten des Jahres, in denen eine geringe atmosphärische Zirkulation
stattfindet, stellt sich die Meeresoberfläche längs der deutschen Ostseeküste schief,
Sie sackt im Frühjahr
im Östen ab, gerade
zur Zeit der größten
Süßwasserzufuhr durch
deutsche Flüsse und
der Vereisung der Ost-
see im Norden. Sie
erhebt sich im Hoch-
sommer im Osten ge-
genüber dem Westen,
gerade zur Zeit der
kräftigsten Zweischich-
tung der Wassermassen,
wenn sich nämlich
über der kalten, salz-
reichen Unterschicht
eine ausgesprochen
warme und salzarme
Oberschicht ausgebil-
det hat. Im winter-
lichen Zeitraum aber, wenn die erhöhte Zyklonenfrequenz für einen häufigen
Wechsel von Schichtung und Durchmischung sorgt, wenn die täglichen
Schwankungen des Wasserstandes ihre größten Beträge annehmen, wird
durch die an der deutschen Ostseeküste entlanglaufenden Wasserberge und
‚täler eine langanhaltende Schiefstellung der Meeresoberfläche verhindert. Es
tritt während dieser Zeit ein häufiger Wechsel in der west-Östlichen Schief-
stellung ein, was zur Folge hat, daß in den langjährigen Monatsmitteln vom
November bis Februar die Anderungen von Monat zu Monat sowohl im Westen
wie im Osten gleiche Beträge annehmen.
Neben der Schiefstellung der Meeresoberfläche erfordert vor allem der Jahres-
rhythmus im Wasserstand der Ostsee eingehende Würdigung. Er ist Gegen-
stand vieler Untersuchungen ge-
wesen, So versucht beispiels- x Fabelle 3.
fm . pP “ Änderung des Wasserstandes zwischen Zwölfjahresmittel.
weise Kühnen (z) eine Erklä- SL LEE EN
rung durch formale Annahme 1914/25—1902/13 | 1926/37—1914/25
einer Achsenschwankung des bzw. 1935
Erdrotationsellipsoids, mehrere
Arbeiten nehmen mit negativem
Erfolg den lokalen und regi-
onalen Luftdruckgang zu Hilfe,
Bergsten (s) wies 1931 auf Zu-
sammenhänge mit dem jährlichen
Gang des Wasserstandes im At-
lantischen Ozean hin. Diesen
wiederum versucht R, B. Mont-
gomery (o) für die Ostküste von U, SS. A. dynamisch aus Schwankungen der
Stromsysteme des westlichen Nord-Atlantik zu berechnen. Eine befriedigende
Erklärung ist noch nicht gefunden, und es soll deshalb das Problem des Jahres-
rhythmus des Wasserstandes als solches in dieser Arbeit gar nicht erst in Angriff
genommen werden. )
Der geringe Unterschied der Zeiträume kann das Ergebnis nicht wesentlich verfälschen.