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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 67 (1939)

300 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1939. 
für 14 Tage bewilligte Aufenthalt wurde dank des Entgegenkommens des Re- 
genten und des Kashag (Ministerrat) bis zum 19, III, verlängert, Dadurch wurde 
es möglich, daß die Expeditionsteilnehmer während der vierzehntägigen Neujahrs- 
feierlichkeiten anwesend sein konnten. Wienert nutzte die Zeit für erdmagnetische 
und topographische Arbeiten aus, die infolge der abergläubischen und mißtraui- 
schen Bevölkerung nur mit Vorsicht betrieben werden konnten. In Lhasa wurde 
die erste erdmagnetische Anomalie ausführlich in Z vermessen. Dazu wurde eine 
ausführliche Bestimmung von Länge und Breite vorgenommen (19 Standlinien), 
Am 19. IIL erfolgte der Weitermarsch nach Dechen. Erst am 3. Tage nach 
Verlassen von Lhasa wurde der 5300 m hohe Gokar La überschritten, Mit Samye 
Gompa erreichte die Expedition wieder das Tsangpo-Tal. Nach 2 Ruhetagen 
ging der Marsch weiter nach E nach Nettong Dzong und dann eine Tagereise 
nach S, nach der Ruinenstadt Idlung Phodrang. Dann erfolgte der Rückmarsch 
über Nettong Dzong nach Tsetang, das wieder im Tsangpo-Tal liegt, Hier konnte 
Wienert eine weitere erdmagnetische Anomalie vermessen. Von hier aus folgte 
die Expedition dem Tsangpo-Tal westwärts bis Kampabazi, das schon auf dem 
Marsch nach Lhasa berührt worden war. Hier fand Wienert die größte während 
der Expedition angetroffene Anomalie, Diese Anomalie übersteigt das Normalfeld 
von Z um rund 5000 y7<. Auf dem alten Wege wurde Pede Dzong am 17, IV. 
erreicht. Pede Dzong liegt auf 4300 m Höhe im Becken des Yamdrok Tso. 
Weiter führte der Weg auf der großen Karawanenstraße nach SW in 3 Tage- 
märschen abermals in das Tsangpo-Tal. In weiteren 5 Tagemärschen wurde am 
25. IV. Shigatse, die Residenz des Panchen Lama, erreicht. Von hier aus konnte 
Wienert dem Transhimalaja einen kurzen Besuch abstatten. Am 19. V. ging die 
Expedition in 3 Tagemärschen nach Gyantse, 
Die erdmagnetischen Arbeiten Wienerts im zentralen Tibet gestalteten sich 
besonders günstig insofern, als zwei geschlossene Züge angelegt werden konnten, 
deren einer die Orte Pede Dzong, Lhasa, Tsetang (Pede Dzong mit 13 Absolut- 
stationen) und deren anderer die Orte Pede Dzong und Shigatse (Pede Dzong eben- 
falls mit 13 Absolutstationen) umfaßt. Seit Lhasa konnten 5 Anomalien ausführlich 
vermessen werden. Weitere 10 Anomalien wurden angeschnitten. Wichtig ist, 
daß sämtliche Anomalien außer einer kleinen am Yamdrok Tso im Tsangpo Tal 
oder nördlich davon angetroffen wurden, der Tsangpo also eine bedeutende tek- 
tonische Linie darzustellen scheint, Das ganze Gebiet südlich des Tsangpo ein- 
schließlich des Himalaja besitzt in den bereisten Gebieten nur ganz kleine lokale 
Anomalien (Z 300 y). Es ist möglich, daß sich bei der Bearbeitung erhebliche 
regionale Anomalien ergeben. 
Zusammenfassend ist zu sagen, daß bisher auf der ganzen Expedition 60 Ab- 
solutstationen mit Ortsbestimmungen und 650 Z-Stationen beobachtet wurden. 
Davon liegen 39 Absolutstationen und etwa 400 Z-Stationen in Tibet, 
Auf dem beschriebenen Reiseweg hielten sich die Instrumente sehr gut, 
Lediglich das Inklinatorium litt auf dem ersten Reiseabschnitt wieder sehr unter 
Staubstörungen. Infolge des klaren Wetters konnten auf fast allen Stationen 
Ortsbestimmungen durchgeführt werden. Drahtlose Zeitsignale konnten auf allen 
Stationen in genügender Menge aufgenommen werden. Der einfache 3-Röhren- 
Empfänger genügt selbst bei primitiven Antennenverhältnissen für sämtliche euro- 
päischen und asiatischen Zeitsignale. 
Die meteorologischen Beobachtungen sind insofern begünstigt, als sich die 
Expedition mehr als 4 Monate in derselben klimatischen Einheit, der des Tsangpo- 
Tales, bewegte. Die Beobachtungen dürften noch besonderen Wert dadurch er- 
langen, daß sie mit denen der chinesischen Station in Lhasa und den beiden 
englischen Stationen in Gyantse und Jatung verglichen werden können. Dazu 
liefern diese 3 Stationen eine gute Basis für die Reduktion der Höhenbestimmungen, 
Am 13. VI. verläßt die Expedition Gyantse, um Mitte Juli den Ausgangs- 
punkt Gangtok zu erreichen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Expedition 
im Laufe des Septembers wieder in Deutschland eintreffen. 
Gyantse, 10, Juni 1939. 
K. Wienert.
	        
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