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Full text: 67, 1939

Leistner, W.: Ergebnisse ein]ähriger Kernbeobachtungen in Wryk/Föhr. 497 
Der Kurvenverlauf des täglichen Ganges für diesen Monat zeigt einen An- 
stieg der Kernzahlen von 8 bis 11b, danach einen kurzen Abfall, ein zweites, 
aur um 10 Kerne geringeres Maximum um 17h und hierauf einen starken Abfall. 
Die beiden anderen Monate zeigten keinen so einheitlichen Witterungs- 
charakter, sondern es wechselten See- und Landwindperioden miteinander ab. 
Der Monat Oktober hatte nur 10 Seewindtage vom 9, bis 18. Im November 
herrschte Seewind vom 9. bis 16, und 20, bis 30. Berechnet man die täglichen 
Gänge für die See- und Landwindtage für jeden Monat, so ergeben sich Kurven 
Jür See- und Landwind, die fast parallel verlaufen und sich somit auch von den 
täglichen Gängen der Abb. 11 nicht wesentlich unterscheiden, Die täglichen Gänge 
für die Ostwindwelterlagen liegen im Oktober im Mittel um 300, im November 
um 600 Kerne höher. 
Die Besprechung veranschaulicht den außerordentlich verschiedenartigen 
Verlauf des täglichen Ganges der Kernzahlen und zeigt, daß selbst bei gleichen 
Wetterlagen im Sommer und Herbst keine Ähnlichkeit besteht. Um etwaige 
kausale Zusammenhänge diskutieren zu können, sind daher noch weitere Messungen 
erforderlich, 
6, Die bioklimatische Bedeutung der Seekerne, . 
Die bisherigen Besprechungen haben dargetan, daß bei See- und Landwind 
ganz verschiedene Beziehungen zwischen dem Kerngehalt und den meteorologi- 
schen Elementen bestehen, die die Annahme eines maritimen und kontinentalen 
Kern-Aerosols rechtfertigen. 
Da der Mensch an den Nordseeküsten nun an einem Tage eine große Menge 
dieses maritimen Aerosols einatmet, so kommt diesem neben den anderen kli- 
matischen Faktoren eine große biologische Bedeutung bei. 
Auf das Fehlen von Verunreinigungen und schädlichen Beimengungen in der 
Seeluft wurden schon immer die guten Heilerfolge bei Erkrankungen der Atmungs- 
wege zurückgeführt. Cauer (2?) weist in seinem Artikel über „Einiges über den 
Einfluß des Meeres auf den Chemismus der Luft“ auf eine Tatsache hin, die in 
diesem Zusammenhang außerordentlich bedeutungsvoll erscheint, Er schreibt dort: 
„Es ist deutlich zu erkennen, daß die abnorm salzreichen Tröpfchen 
und groben Salzwasserspritzer wahrscheinlich infolge ihres größeren 
Gewichtes unmittelbar an der Küste niedersinken, daß aber gleichzeitig 
ein Niederschlag mit immer noch hohem Salzgehalt weit im Innern des 
Landes anzutreffen ist. Solche Untersuchungen wären besonders auch 
an unseren Küsten wertvoll und erfolgversprechend, denn zahlreiche 
Tröpfchen, die sich auf eine so große Entfernung von der Küste schwebend 
erhalten und erst dort als Kondensationskerne zur Wolken- und Nieder- 
schlagsbildung Veranlassung geben, müssen von so kleinem Durchmesser 
sein, daß sie beim Atmen tief in die feinsten Lungengänge eindringen. 
Dort werden sie, besonders wenn sie ein der Körperoberfläche umge- 
kehrtes elektrisches Vorzeichen ihrer Ladung besitzen, bald nieder- 
geschlagen und von der Lungenflüssigkeit als nichtkörperfremde Stoffe 
sofort umgesetzt, wobei zwangsweise eine Vergrößerung des Örtlichen 
chemischen Stoffwechsels erfolgt, Es ist das der umgekehrte Vorgang 
wie etwa das Einatmen feimer Öltröpfchen enthaltenden Luft der Groß- 
städte, wobei das körperfremde mineralische nicht vegetabile Öl nur sehr 
schwer verarbeitet wird und infolgedessen die Oberfläche der Lungen- 
flüssigkeit bedeckt und den Gasaustausch behindern muß.“ 
Daß es sich fast nur oder ausschließlich bei den Kernen, die bei anhaltendem 
Seewind im Kernzähler den Kondensationskern bilden, um Elemente des Meeres 
handelt, die nach Cauer eine stoffwechselerhöhende Wirkung auf der Lungen- 
berfläche haben, scheint nach den gefundenen Beziehungen im maritimen Kern- 
Aerosol ohne weiteres klar, wenn auch der direkte analytische Nachweis des 
Seekerns im Kernzähler noch aussteht, 
Somit kann gesagt werden, daß es sich bei den im Seewind festgestellten 
Kernen um einen spezifischen Klimafaktor handelt, der dem Nordseeklima zu 
eigen ist und der die Bedeutung der Struktur des Aerosols für die Klimaforschung 
und Klimaheilkunde darlegt,
	        
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