Leistner, W.: Ergebnisse einjähriger Kernbeobachtungen in Wyk/Föhr, 493
„Wenn auch diese Spritzwassertheorie noch nicht alle Fragen löst“ wie
Cauer selber schreibt, so dürfte doch darüber kein Zweifel bestehen, daß bei
einer erhöhten Windwirkung auf die Meeresoberfläche auch eine größere Anzahl
Meereswassertröpfchen in die Luft gelangen und damit die Anzahl der Kerne steigt,
Bioklimatisch bemerkenswert ist, daß, wie beim Wind, der physiologisch um
so wirksamer ist, je stärker er ist, ein weiterer Faktor, nämlich der Kerngehalt
der Seeluft, dessen physiologische Bedeutung später beleuchtet werden soll, mit
zunehmender Windstärke in der gleichen Weise an Wichtigkeit gewinnt.
Wenn man den ganz andersartigen Verlauf des Kerngehaltes bei Landwind
zu erklären versucht, wird man sieh vor allem nach dem Weg fragen, den die
kontinentalen Luftkörper zurückzulegen haben.
Die ablandigen Winde haben an der schmalsten Stelle zwischen dem Fest-
lande und der Insel Föhr mindestens 10 km über das Wattenmeer zu strömen.
Wenn die Winde mit SE-Richtung das Festland verlassen, dann hat eine Luft-
masse, die die SE-Spitze der Insel bei Wyk erreicht, ungefähr 50 km über dem
Meere zurückgelegt.
Die das Festland überströmenden Lultmassen werden bei ihrem Weg über
dasselbe mit Kernen und Staubpartikelchen angereichert, Je nach den Boden-
unebenheiten und dem Zustand der thermischen >
Konvektion wird der Zustand der Turbulenz “
ein verschieden großer sein,
Treten die Luftmassen vom Festland auf
das Meer über, so ändern sich sofort die Fak-
toren, die die Turbulenz wesentlich beeinflussen,
Die thermische Konvektion wird fast ganz nach-
lassen, die Bodenunebenheiten treten ebenfalls
zurück, und der Zustand der Turbulenz wird
in der Hauptsache von der absoluten Geschwin-
digkeit der Luftmassen abhängen, Von Be-
deutung für den Kondensationskerngehalt der
Luftmasse ist, daß beim Übertritt auf das Meer Abb. 5
eine weitere Anreicherung mit Landkernen so- Theoretischer Verlauf des Austausch-
fort aufhört, Eine Anreicherung mit Kernen koeffizienten mit der Höhe hei zwei
aus dem Meerwasser wird aber infolge des ge- verschiedenen Gradientwindstärken U.
ringeren Seeganges bei östlichen Winden und “Nach Kösaby du Montgomery aus
des relativ kurzen Wasserweges nur in sehr Atmosphärische Turbulenz)
geringen Maße oder fast gar nicht erfolgen,
Da eine Anreicherung mit Kernen in den untersten Bodenschichten nicht
anzunehmen ist, der Kerngehalt aber mit zunehmender Windstärke abnimmt, wie
die Abb, 3 zeigt, so kann diese Tatsache nur durch eine sich ändernde Konzen-
tration in den verschiedenen Höhenschichten erklärt werden.
Da die verschiedenen Zustände der Turbulenz am besten durch den Austausch
charakterisiert werden, soll auf die Abhängigkeit desselben von der Höhe bei
verschiedenen Geschwindigkeiten näher eingegangen werden,
Abb. 5 zeigt den theoretischen Verlauf des Austauschkoeffizienten mit der
Höhe bei zwei verschiedenen Gradientwindstärken nach Roßby und Montgomery,
wie er bei Lettau (7) zu. finden ist.
Bemerkenswert ist zunächst die Einteilung der Atmosphäre in verschiedene
Schichten. Lettau bezeichnet die Schicht vom Boden bis zur Höhe des Gra-
dientwindes als die „Planetarische Grenzschicht‘“, die bis 1500 m angenommen
wird; diese wird wieder in eine Bodenschicht und eine Öberschicht unterteilt.
Die Bodenschicht bz beträgt ungefähr 10 bis 11% der Oberschicht, Bei ver-
schiedenen Gradientwindstärken nimmt der Austauschkoeffizient, wie die Abb. 5
darstellt, bis zur Höhe ®; zu und darüber hinaus wieder ab, Der theoretische
Verlauf des Austauschkoeffizienten zeigt, daß derselbe um so stärker bis zur
Grenzschicht Bodenschicht-Oberschicht zunimmt, je größer die Gradientwindstärke
ist. Oberhalb der planetarischen Grenzschicht ist ein höhenkoönstanter Austausch
anzunehmen.
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