Leistner, W.: Ergebnisse einjähriger Kernbeobachtungen in Wyk/Föhr, ; 489
An die Untersuchung des täglichen Ganges der Kernzahlen schließen sich
endlich einige Bemerkungen über die bioklimatische Bedeutung des Kerngehaltes
der Seeluft an.
Den Kurven und Tabellen liegen die Kernbeobachtungen des Jahres 1938
zugrunde. Die Messungen wurden mit dem kleinen Scholzschen Kernzähler
durchgeführt.
Die Luftprobe wurde vor der Dienststelle, wenige Meter von der Strandmauer
entfernt, entnommen, Die Lage der Dienststelle auf der Insel Föhr ist der kleinen
Karte zu entnehmen.
Bei jeder Beobachtung wurden fünf Einzelmessuhgen durchgeführt. Die Zählung
der Kerne erfolgte abwechselnd auf den beiden unteren Zählfeldern 2 und 3. Bei
Zählungen auf dem Feld 2 wurde auch größtenteils die Luftmenge variiert, während
bei Verwendung des Zählglases 3 meistens 0.25 ccm eingefüllt wurden.
Diese Methodik, die Beobachtung auf den beiden Zählgläsern und mit ver-
schiedenen Luftmengen, gibt zunächst die Möglichkeit, psychologische Einflüsse
soweit als möglich auszuschalten und läßt bei besonderen Verhältnissen auch
einen Rückschluß auf die Sorgfalt der Beobachtung zu.
Vom 10. bis 26. April mußten die Messungen wegen eines Defektes des Kern-
zählers unterbrochen werden.
1. Die Abhängigkeit der Kernzahlen von der Windrichtung,
In der Länge der einzelnen Radien der Windrose (Abb. 1) sind deutlich die
Einflüsse des Meeres und des Kontinentes auf die Kernzahlen zu erkennen. Die
Nord — Südrichtung stellt eine ausgeprägte Trennungslinie zwischen dem konti-
nentalen und dem maritimen
Kern-Aerosol dar.
Obwohl die Luftmassen bei
Südwind parallel der Küste teil-
weise über das Wattenmeer
strömen, sind sie doch noch
sehr kontinental beeinflußt, wie
die hohen Kernzahlen zeigen,
Beim Übergang von S auf
SSW nehmen die Kernzahlen
stark ab. Die Winde von SSW
bis W kommen direkt über das
Wattenmeer, Die Richtungen W,
WNW und NW weisen in den
mittleren Kernzahlen noch etwas
geringere Werte auf, als die drei
vorhergehenden.
Die NNW-, N- und NNE-
Winde zeigen durch den Anstieg
ihrer Kernzahlen lokalen Einfluß, . .
. - . Abb. 1, Die Abhängigk "NZ
Die Winde aus den ih. AM, Die, AM ng der Kaynaahlen
tungen von NE und S führen in
ihren hohen mittleren Kernzahlen deutlich den Einfluß des Festlandes vor Augen,
Die Windrose demonstriert nicht nur den verschieden hohen: Kerngehalt der
maritimen und kontinentalen Luftmassen sowie den örtlichen Einfluß, sondern
zeigt auch, welche Windrichtungen am besten für See- und Landwind zusammen.
gefaßt werden können.
Auf Grund der Kern-Windrose wird für die Windrichtungen von SSW
bis NW reiner Seewind angenommen. Der Landwind wird für die Richtungen
von NE bis S festgelegt, und die örtlich gestörten nördlichen Richtungen werden
außer acht gelassen.
Nach diesem ersten Überblick über die mittleren Kernzahlen der ver-
schiedenen Windrichtungen sollen im folgenden Abschnitt die Kernzahlen zu
den verschiedenen Luftkörpern in Beziehung gesetzt werden.
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