186 - Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1939,
der deutliche tägliche Gang des Oberflächensalzgehaltes, A, Defant®) konnte
ihn z, B. auf den Ankerstationen des „Meteor“ im Südatlantischen Ozean nicht
feststellen, obwohl die meteorologischen Voraussetzungen in den Subtropen
zweifellos günstiger sind als in den tropischen Gewässern Östindiens, Vielleicht
sind dynamische Gründe maßgebend. Bei den geringen Windgeschwindigkeiten
in Ostindien wäre es denkbar, daß die oberflächliche Durchmischung verhältnis-
mäßig wenig in Erscheinung iritt, so daß sich eine dünne Deckschicht ausbildet,
die an dem täglichen Gang teilnimmt, und daß selbst eine geringe tägliche Ände-
rung der Verdunstung genügen würde, den Salzgehaltsgang zu erklären, Aber
ansere Vermutungen müßten durch Messungen des täglichen Ablaufes des verti-
kalen Gradienten von Temperatur, Salzgehalt und Dichte in den obersten Schichten
belegt werden, Beobachtungen, die in diesem Falle nicht vorliegen,
Im täglichen Gange des Luftdrucks weist Visser interessante Beziehungen
zur Küstenentfernung auf, Die harmonische Analyse sämtlicher „Snellius“-Be-
obachtungen ergibt:
Küsteuabstand > 100 km u = 757.35 + 0.32 sin (x + 17.0) + 1.10 sin (2x 4 160.6}
«" 100 km u == 757.30 + 0.41 sin 1x + 22,9) + 0,98 sin (2x + 156.4}
Küste u = 757.21 + 0.37 sin (x + 26.3) + 0.85 sin (2x + 159.2}
Der Gang ist klein, aber außerordentlich regelmäßig, wie er für die tropischen
Gebiete bezeichnend ist. Er wird beherrscht durch die halbtägige Luftdruck-
welle, deren Amplitude gegen die Küste abnimmt; umgekehrt ist die ganztägige
Welle in Küstenferne am schwächsten. Eine Untersuchung des Ganges der Luft-
Aruckdifferenzen zwischen See und Land zeigt, daß zwischen 11% und 21h der
Luftdruck auf See höher ist als an der Küste als Wirkung der verschieden starken
täglichen Erwärmung von Land und See und als Ursache von Land- und See-
wind. Auf Ankerstation 308a in der westlichen Celebes-See wird auch der Wind
harmonisch analysiert und die abgeleitete Windellipse als Ausdruck von Land-
und Seewind gedeutet, Der Umlaufsinn ist entgegen dem Gange der Sonne, Die
Auffassung von Hann, nach der die Winddrehung mit der Sonne erfolgt, trifft
also in diesem Falle nicht zu. Nach der Erklärung von Margules, der den
Umlauf als eine Folge der ablenkenden Kraft der Erdrotation ansieht, wäre bei
der Äquatornähe überhaupt keine Windellipse zu erwarten, sondern eine rein
alternierende Bewegung, Visser zieht in seiner Begründung orographische
Momente heran, indem er den vorherrschenden Land- und Seewind von Borneo
mit zonaler Schwankung eine kleine meridionale Komponente überlagert, die
durch Celebes verursacht wird,
Nach diesem Ausschnitt aus den speziellen Erscheinungen des täglichen
Ganges der meteorologischen ozeanographischen Elemente und ihrer inneren Zu-
sammenhänge seien einige bemerkenswerte Ergebnisse des jährlichen Verlaufes
von Temperatur, Salzgehalt und Dichte des Oberflächenwassers angeführt, Wir
überziehen die S = f (t)-Darstellung des jährlichen Ganges von Visser®®) mit
einer Schar von vo,-Kurven, sodaß der Abb. 11 der jährliche Gang der drei Ele-
mente in der Ost-Java-See entnommen werden kann.
Im Temperaturverlauf ist das doppelte Maximum (April und November-
Dezember} eine für die Tropen bezeichnende Erscheinung, die Visser in diesem
Falle mit dem Sonnenstande erklärt. Der ausgeprägte jährliche Salzgehaltsgang
mit der ungewöhnlich hohen Amplitude von 2.59%. kann nicht aus dem Gang
von Niederschlag und Verdunstung in der Ost-Java-See allein verstanden werden,
Hierbei muß die geographische Verteilung des Salzgehalts in den Nachbargebieten
sowie der jährliche Verlauf von Wind und Strom Berücksichtigung finden. Vier
neu bearbeitete Vierteljahreskarten des Öberflächensalzgehaltes auf Grund von
Eingradfeldmitteln geben dabei eine wertvolle Unterlage, Mit dem Einsetzen des
aordhemisphärischen Wintermonsuns (Nordwest-Monsun) im Oktober breitet sich
das salzarme Oberflächenwasser des Flachwassergebietes der westlichen Java-See
gegen Osten aus, während mit dem Umsprung des Windes im April/Mai (Südost-
Monsun) das salzreiche Oberflächenwasser des Pazifischen Ozeans und der Arafura-
3) A, Defant, Die Gezeiten und inneren Gegeitenwellen des Atlantischen Ozeans, Wiss, Erg,
A. Deutsch. Atlant. Exp. Bd. VII Berlin 1932.