accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 67, 1939

Dietrich, G.: Die bisherigen Ergebnisse der niederländischen „Snellius“. Expedition usw. 479 
positiven Schwereanomalien und die langgestreckten Synklinalformen am Außen- 
rande des Sundabogens. Daß es sich bei diesen letzten Formen tatsächlich um 
Bildungen der Geosynklinalzonen handelt, wird durch den parallelen Verlauf 
zum antiklinalen Inselbogen und zum Streifen hoher negativer Schwereanomalien 
offensichtlich (vgl, Abb, 2 S. 478), Im einzelnen werden die Synklinalzonen von den 
Geologen vorwiegend als Absenkungen der Kontinentalmassen angesehen, die in 
das Miozän verlegt werden, Damit wird auch die Entstehung der Hauptzüge des 
gegenwärtigen Reliefs dem Jung-Tertiär zugeschrieben. Diese Auffassung zieht 
gleichzeitig weitreichende und großräumige geotektonische und geomorphologische 
Folgerungen nach sich, Sie besagt, daß Asien und Australien immer einer zu- 
sammenhängenden kontinentalen Masse angehört haben, daß also nicht die ost- 
indischen Becken Reste einer ozeanischen Verbindung zwischen Indischem und 
Pazifischem Ozean darstellen, sondern daß sie einer relativ beweglichen Kon- 
tinentalmasse angehören, Ein besonderer Abschnitt in dem Bande von Kuenen 
befaßt sich mit den geotektonischen Theorien, vornehmlich im Hinblick auf die 
Entstehung des Inselbogens. 
Gerade zu diesen tektonischen Theorien haben die Ergebnisse der Schwere- 
messungen von F, A. Vening-Meiness?) ein wichtiges geophysikalisches Be- 
weisstück beigebracht (Abb. 2). Die auffallende Parallele zwischen dem negativen 
Anomalienstreifen der Schwere, den Tiefseebecken und Rinnen, den geologischen 
Strukturlinien, den Vulkanketten sowie den Epizentren der Erdbeben hat 
F, A, Vening-Meiness zu einem Ausbau der Theorie der Gebirgsorogenese ge- 
führt, der „Buckling-theory‘“, der Einbeulungstheorie, Zur Übersicht der Parallelen 
im einzelnen wurden in die beigegebene Karte zu den Schwereanomalien 
die Zonen junger Faltungen nach J. H, F, Umbgrove!*) und die Verteilung 
der Yulkane nach Ch, E, Stehn!*) eingetragen”), Es würde zuweit in tek- 
tonische Erörterungen führen, auf die mannigfaltigen Zusammenhänge hier ein- 
zugehen. Es sei nur auf die neuerdings entdeckte auffallende Analogie der 
Erscheinungen im westindischen Inselbogen hingewiesen [H. H. Heß), vgl. dazu 
G. Dietrich!*)], die die tektonisehen Auffassungen von F,. A, Vening-Meiness 
nur bekräftigen können, 
Besonderes Interesse verdient in diesem Zusammenhange die Diskussion 
von Kuenen!?} über die Beziehungen zwischen Schwerefeld und Morphologie, 
Man erkennt aus der beigegebenen Karte (Abb, 2) des Schwerefeldes bei einem 
Vergleich mit der Tiefenkarte (s, Abb.4), daß wohl die Großformen ausgesprochene 
Parallelen mit den Schwereanomalien aufweisen, bei den kleineren topogra- 
phischen Formen aber sinkt die Übereinstimmung sehr schnell, Als Erklärung 
führt Kuenen an, daß die Ursachen der Schwereanomalien in tieferen Schichten 
der Erdkruste zu suchen seien — Vening-Meiness?) schätzt die Reichweite 
der Schwerestörungen bis 50 km Tiefe, Dagegen resultieren nach seiner Meinung 
die kleineren Formen als Oberflächenerscheinungen der Erdkruste erst indirekt 
aus den tektonischen Vorgängen in der Tiefe, 
Bei der weiten Verbreitung der Korallenbildungen in Niederländisch -Ost- 
indien nehmen geologische Fragen der Korallenriffe und Atolle einen 
bedeutenden Raum im Expeditionswerk®*) ein. Wenn die Beobachtungstätigkeit 
Kuenens auf Korallenriffen auch beschränkt war — selten überstieg sie 2% bis 
3 Tage, zumeist waren es nur wenige Stunden — so war ihm dafür durch die 
Besonderheiten des Schiffskurses die Möglichkeit gegeben, Einblick in Aufbau 
and Wachstum der Korallenriffe in ganz Ostindien zu bekommen, 31 begangene 
Inselgruppen werden eingehend beschrieben. Aus der Diskussion, deren Haupt- 
gewicht auf Fragen des Aufbaues und Wachstums, der Bildung von Atollen so- 
wie der Bewegung der Korallenriffe relativ zum Meeresspiegel liegt, sei nur ein 
moörphologisches Ergebnis mit seinen Folgerungen festgehalten. 
#) H, H, Heß, Gravity anomalies and island arc structure with partieular reference to the West 
[ndies, Proc, Amer, Philos, Soc, Vol, 79, No. 1, 8, 71. Philadelphia 1938. — 19) G, Dietrich, Das 
Amerikanische Mittelmeer, Zeitschr, Ges, f. Erdk, Berlin 1939, S, 108, — ”) Ph. H. Kuenen, Geology 
of coralreeis, The Snellins Expedition. Vol. V, 2. Utrecht 1933,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.