Dietrich, G.:; Die bisherigen Ergebnisse der niederländischen „Snellius“- Expedition usw. 477
klären, wurde ein systematisches Lotprogramm in den Expeditionsplan auf-
genommen. Sowohl den Hauptinteressen des Ozeanographen, nämlich der Klärung
der Tiefenverhältnisse der Becken und besonders der Durchlässe, die für die
Erneuerung des Tiefenwassers entscheidend sind, wurde dabei nachgegangen, als
auch den Interessen des Geologen, die sich auf eine genaue Kenntnis der
Formen von Becken, Gräben und Schwellen richteten zur Aufdeckung der geo-
logischen Struktur und der tektonischen Vorgänge.
Die instrumentelle und methodische Seite der Draht- und Echolotungen
bespricht F, Pinke®) eingehend. 358 gleichzeitige Draht- und Echolotungen,
wozu noch 149 thermometrische Tiefenmessungen treten, gestatten, die Lotungen
auf systematische Fehler zu untersuchen. Die Drahtlotungen geben im Mittel
etwa um 25 m zu große Werte, das Atlas-Echolot gibt bei ebenem Meeresboden
im Mittel 35 m zu hohe Werte, In derselben Größenordnung liegen bei geringer
Bodenneigung (bis 14°) die Fehler durch die Unsicherheit der Positionsbestim-
mungen (mittlerer Fehler -+ 0.5 Sm), so daß auf eine Reduktion der Lotungen
verzichtet wurde,
Die etwa 3500 Lotungen in den ostindischen Gewässern sind durch die
„Snellius“-Expedition auf das Zehnfache angestiegen. Dieses gesamte Material
liegt der Tiefenkarte 1:2500000 und 16 Spezialkarten von einzelnen Durch-
lässen zugrunde, Eine Zusammenfassung bietet die Übersichtskarte 1: 5000 000
(Karten bei P. M, van Riel®). Infolge einer wohlabgewogenen 12-teiligen Farb-
stufung und bei einer ausgezeichneten technischen Ausführung geben die Karten
ain klares Bild der Tiefenverhältnisse, Sie enthalten das gesamte Lotmaterial,
soweit es zeichnerisch möglich war, Leider wurde auf einen gesonderten Ab-
druck der Lotlisten verzichtet, sodaß bei künftigen Arbeiten die Tiefenzahlen
den Karten zu entnehmen sind, Da die Tiefen ohne Lotpunkte eingetragen
sind, werden die Koordinaten sich nicht immer mit ausreichender Genauigkeit
ablesen lassen.
Die Tiefenzahlen in den Karten erleichtern es dem Leser, die Generali-
sierung der Tiefenlinien zu erkennen, die bei dem bewegten ostindischen Relief
von den Autoren (F. Pinke, J. P. H. Perks, P. M. van Riel) wohl überlegt
rorgenommen worden ist. In Einzelheiten bleiben gewisse Züge der persönlichen
Auslegung offen, die aber durch geologische (Ph. H. Kuenen) und ozeano-
graphische (P. M. van Riel) Argumente eingeengt werden, Bei der starken
Reliefgliederung läßt sich trotzdem nicht immer eine eindeutige Lösung erzielen;
davon vermitteln die Konstruktionsversuche von Ph, H. Kuenen!l) an 9 Aus-
schnitten eine Vorstellung. Die Tiefenlinien werden parallel zu den tektonischen
Leitlinien entworfen, die durch die Inseln, die Hauptrücken und Rinnen gegeben
sind. Am Außenrande der ostindischen Inselkette ist diese Arbeitshypothese
wohl begründet. Auf der Innenseite aber scheint sie bei dem geschlossenen
Beckenbau nur beschränkt zu gelten, besonders in Gebieten mit auffälligem
Richtungswechsel der Strukturlinien, In solchen Fällen wünschte man eine Her-
vorhebung der hypothetischen Natur der Rinnen und Rücken in der Linien-
[ührung der Isobathen,
An Hand der Tiefenkarte und der Lotprofile geht Ph. H. Kuenen!!) auf
morphologische und geologische Fragen ein und führt die tektonischen
Theorien an zur Klärung der geologischen Struktur Ostindiens. Zugleich sei
an dieser Stelle kurz auf die Diskussion der Zusammenhänge von Topographie
und Schwerefeld eingegangen, die außerhalb des „Snellius“-Werkes im An-
schluß an die Bearbeitung von F. A. Vening-Meiness erschienen ist?®).
Großes Gewicht legt Kuenen!) auf die Entdeckung starker Neigungen in
sonst fast ebenen Meeresböden, die er als Bruchstufen anspricht, Er mißt dabei
der Ausgleichung der Reliefunterschiede, die man bisher als Eigentümlichkeit
9) F. Pinke, Depth determisations, The Snellius Expedition, Vol. II, 2. Kap. 1. Utrecht 1935, —
w) P, M. van Riel, The bottom configuration in relation to the flow of the bottom water. Ebenda
Vol. II, 2. Kap. 2. Utrecht 1934. — 4) Ph, H. Kuenen, Geological interpretations of the bathy-
metrics charts. The Snellius Expedition. Vol. V, 1. Uirecht 1935. — 1) Ph. H. Kuenen, Relations
hotrpen, Snbmarine topography and gravity field, Gravity expeditions at sea 1923 to 1932. Vol. Il,
IE: in
‚