176
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1939,
der niederländischen Geographischen Gesellschaft in Amsterdam. Einen neuen
Großeinsatz bedeuten die Schwerexpeditionen auf niederländischen U-Booten
seit 1923 durch F, A. Vening-Meiness*) in allen Ozeanen, besonders aber die
systematische gravimetrische Aufnahme der ostindischen Gewässer, An diese
Leistungen schließt sich als dritter großer Forschungseinsatz die ozeano-
graphische Expedition auf dem niederländischen Vermessungsschiff „Willi-
brord Snellius“ 1929 bis 1930 an (s. Abb. 1 S. 475}, Sie konnte an die vor-
wiegend biologische „Siboga“-Expedition anknüpfen, konnte damit biologische
Arbeiten weitgehend zurückstellen und sich um So intensiver einer Ozean0-
graphischen und geologischen Erforschung des gesamten Gebietes widmen,
Heute liegt ein großer Teil des Expeditionswerkes veröffentlicht vor. Viele
Ergebnisse in topographischer, morphologischer, geologischer, ozeanographischer
und meteorologischer Hinsicht sind bereits darin enthalten, andere stehen noch
aus, darunter als wichtigste die Darstellungen des physikalisch-chemischen Auf-
baus und der Zirkulation der mittleren und oberen Schichten der ostindischen
Gewässer.
Mit der Organisation und Durchführung der Expedition, die im ersten Band
beschrieben werden, wollen wir uns nur kurz befassen, zumal vorläufige Berichte
bereits in dieser Zeitschrift*)4) vorliegen. Eine ausführliche Darstellung der
organisatorischen Seite und des 16 moönatigen Reiseveriaufes gibt der wissen-
schaftliche Leiter P, M. ran Riel®%®, Der nautische Teil wurde durch den Kom-
mandanten des Expeditionsschiffes F, Pinke”) bearbeitet mit einem Anhang über
tie Tiefsee-Ankereinrichtung von J. P, H. Perks. Daran sehließt sich ein kurzer
Überblick über die biologischen und geologischen Korallenuntersuchungen durch
die Expeditionsmitglieder H. Boschma (Biologe) und Ph, H, Kuenen®) (Geologe).
Im ganzen wurden die ostindischen Gewässer mit einem Netz von nicht
weniger als 358 ozeanographischen Stationen überzogen (Abb. 1), davon sind
8 mehrtätige Tiefseeankerstationen mit Dauerstrommessungen und Wiederholungs-
serien, Weitere 24 Stationen entfallen auf die Anfahrt nach Östindien, Folgende
physikalisch-ehemische Daten wurden dabei erzielt; 7300 Temperaturen, 7100 Salz-
gehalte, 5700 Werte der Wasserstoffionen-Konzentration, 5300 Sauerstoff-,
700 Alkalinitäts- und 200 Phosphatwerte, wobei systematisch die ganze Wasser-
zäule von der Oberfläche bis zum Boden durchmessen wurde. Einrichtungen
and Instrumente haben sich voll bewährt; ein sprechender Beweis dafür ist die
erfolgreiche Durchführung der Station 262 im Philippinen-Graben bis 10068 m
Tiefe, die die bisher überhaupt tiefste ozeanographische Serie enthält, Es darf
bemerkt werden, daß die instrumentelle Ausrüstung fast ausschließlich deutschen
Ursprungs war, und zwar großenteils in denselben Typen wie auf der Deutschen
Atlantisehen Expedition auf dem „Meteor“ 1925 bis 1927 (Serienmaschine, Lukas-
Lotmaschine, Serienlitze, Lotlitze, Tiefseeankereinrichtung, Spezial-Ankertrosse,
Echolot, Wasserschöpfer, Tiefseethermometer, Strommesser, Meteorologische In-
strumente).
Im folgenden würdigen wir zuerst die topographischen, morphologischen
und geologischen Ergebnisse des Untergrundes, danach die bisherigen 0zeano0-
graphischen Ergebnisse des Wasserinhalts und schließlich die maritim-meteorolo-
gischen Ergebnisse der Oberfläche und der.Atmosphäre,
Aus den Ergebnissen der älteren Expeditionen stand fest, daß es auf der
Erde kaum ein ähnlich ausgedehntes Gebiet gebe mit einer derart starken
topographischen Gliederung des unterseeischen Reliefs wie das ostindische.
Um dieses verwickelte System von Tiefsegebecken und Schwellen eingehend zu
3% F, A. Vening-Meiness, Gravity expeditions at sea 1923 bis 1932, Vol, X, IX, Delft 1932,
1934. — 2) E. van Everdingen, Die Tiefsee-Expedition des „Willibrord Snellius“, Ann, Hydr, 58,
‚94; 1930. — *) P. M, van Riel, Einige ozeanograpbische Beobachtungen im Roten Meer, Gol£ von
Aden und Indischen Ozean. Ann. Hydr. 60, 401; 1932. — 5) P, M. van Riel, Programme of research
and preparations. The Snellius Expedition in the eastern part of the Netherlands East Indies 19289-—1930.
Vol. I, 1, Leiden 1937. — % P. M. van Riel, The voyage in the Netherlands East Indies. KEbenda
Vol. I, 3. Leiden 1938, — 7) F. Pinke, The expeditionary ship and the naval personel’s share, Ebenda
Vol. I, 2. Leiden 1938, — % H, Boschma, Ph. H. Kuenen, Inrvestigations on shore. Ebenda
Vol. ], 4. Leiden 1938.