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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 67 (1939)

450 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1939, 
und also auch die starken Niederschläge und abnorm hohen Windstärken für 
die Nordsee hätte prognostizieren können, wenn man überhaupt geneigt ist, eine 
solche Wirkung feuchtlabiler Umlagerungen zur Kenntnis zu nehmen. Dem- 
gegenüber konnte man ohne Beachtung der Labilisierungen nur Stürme bis 
höchstens 10 Beaufort erwarten. Dem Verfasser scheint damit bewiesen zu sein, 
daß die Beachtung der Stabilisierungs- und Labilisierungsvorgänge (neben den 
bislang geübten prognostischen Methoden) gelegentlich eine wesentliche Ver- 
besserung der Prognose ermöglicht, 
An dieser Stelle sei nun im Hinblick auf den Vergleich des Nordseeorkans 
vom 27, Okt, 1936 mit dem vom 18. Okt. 1936 auf die Schwierigkeiten in pro- 
gnoöstischer Hinsicht bei unzulänglichem Aufstiegsmaterial hingewiesen. Es sei 
hier auch nicht unerwähnt gelassen, daß Zugrichtung wie Vertiefung beider 
Zyklonen bis zum Stadium der Orkanzyklonen auf Grund der Höhenwetterkarten 
wegen der geringen Ausdehnung derselben nach Westen hin im Scherhagschen 
wie im Bjerknesschen Sinne nicht prognostiziert werden konnten. Ganz besonders 
hervorgehoben werden muß, daß die Vertiefung mit Hilfe der Höhenwetterkarten 
im Sinne eines Divergenzeffektes beider Theorien nicht gesehen werden konnte, 
weil im Integralwert über die Höhe das Überwiegen einer Richtungsdivergenz 
der Höhenisobaren wie einer horizontalen Strömungsdivergenz nach J, Bjerknes 
nicht zu erkennen war, Dieser soeben erwähnte Befund ist nicht als ein Vor- 
wurf gegen die genannten Theorien zu werten, sondern lediglich als ein Hinweis 
auf die große Bedeutung und das dringende Erfordernis eines guten Höhen- 
wetterkartenmaterials in jeder Hinsicht. 
F. Vergleich mit dem Nordsecorkan vom 18, Oktober 1936, 
Wegen der von R. Scherhag (22) erwähnten großen Ähnlichkeit des Orkans 
vom 18. Okt, 1936 mit dem vom 27, Okt. 1936 wurden die für den letzteren an- 
gestellten Untersuchungen auch auf den 18, Okt, 1936 ausgedehnt, Leider fiel 
aber der 18, Okt. 1936 auf einen Sonntag, und die Höhenaufstiege sind deshalb 
sehr spärlich. Es muß ganz besonders bedauert werden, daß an diesem Tage 
yerade die Aufstiege von Hamburg, Norderney, Soesterberg und Duxford fehlen 
(s. Tägl. W.d. D.S. vom 18, und 19, Okt, 1936), Wegen der Unzulänglichkeit 
der Höhenwetterkarten wurde von einer kartenmäßigen Darstellung der Labili- 
sierungs- und Stabilisierungsgebiete abgesehen, Jedoch lassen die zur Verfügung 
stehenden Aufstiege noch erkennen (s. Tab. 1), daß am 18, Okt. 1936 08h Labili- 
sierungs- und Stabilisierungsgebiete etwa durch eine ungefähr nordsüdlich ver- 
Tabelle 1. 
Köln |Frankft.a, M., München | Berlin |! Brestau |! Königsberg 
16./17, Okt, ... —5 | +19 I 412 +15 +9 — 1 
17./18, Okt, A —8 —23 214 48 +30 +81 
16/18, Okt, „.. —13 — 4 +26 17 +39 1 +30 
Tabilisierung + Stabilisierung, angegeben in Ar» _ 
laufende Trennungslinie gegeneinander abgegrenzt werden, wobei über dem 
Kontinent Stabilisierung gefunden wird, über dem Küstengebiet Labilisierung. 
Eine solche Verteilung ist einerseits klimatisch plausibel, anderseits auch belegt 
durch die Wassertemperaturmessungen in der Nordsee, welche eine höhere 
Wasser- als Lufttemperatur ergaben. Die Auswertungen der Aufstiege von Köln 
und Frankfurt a. M. vom 17./18. und 16/18, Okt, 1936 weisen Labilisierung auf, 
während bei sämtlichen Aufstiegen Östlich davon Stabilisierung wahrzunehmen ist. 
Genaueres Jäßt sich auf Grund des gegebenen Aufstiegmaterials nicht aussagen. 
Über den vertikalen Temperaturgradienten und das Feuchtefeld in seiner 
räumlichen Anordnung im Orkangebiet oder in unmittelbarer Nähe desselben 
lassen sich natürlich wegen des Fehlens der Höhenaufstiege von Hamburg und 
Norderney am 18, Okt. 1936 08% leider keine direkten Aussagen machen. Um 
Rückschlüsse über feuchtlabile Umlagerungen ziehen zu können, sind wir einzig 
und allein auf die Niederschlagsverhältnisse angewiesen. H, Thomas (zo) hat 
bereits darauf hingewiesen, daß die ganz großen Niederschlagsmengen wohl 
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