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Full text: 67, 1939

Sellenschlo, H.: Der Nordseeorkan vom 27. Oktober 1936. 445 
Faßt man die Zeit vom 25. zum 27, Okt. 1936 (08 bis 08% Termin} zusammen, 
dann erhält man als Grenze zwischen Labilisierungs- und Stabilisierungsgebiet 
etwa die Linie Helsinki, Königsberg, Budapest, Triest, Basel, Tours und weiter 
bis zur Biskaya (Abb. 4). Im Kerngebiet des Labilisierungsgebietes wird der 
Betrag von 80 bis 100 dyn. m verzeichnet, 
Auch der von R. Scherhag erwähnte Unterschied zwischen Wasser- und 
Lufttemperaturen im Nordseegebiet am 27, Okt. 1936 wie in dem später zu be- 
handelnden 18, Okt. 1936 wird wesentlich sein für den Labilisierungsvorgang. 
Die Wassertemperaturen lagen höher als die Lufttemperaturen, und die Meeres- 
oberfläche wirkte somit als Heizkörper für die unteren atmosphärischen Schichten, 
während oben die Abkühlung ihren Fortgang nahm. Der Richtungssinn dieses 
Vorganges bedeutet eine Gewinnung von Labilitätsenergie, 
Dieser Labilisierungsbefund sei an dieser Stelle erst einmal als Tatsache 
hingenommen. Erörterungen über etwaige kausale Zusammenhänge mit anderen 
meteorologischen Elementen, somit auch über das Vorhersageproblem werden nach 
Behandlung weiterer Elemente in einem besonderen Abschnitt angestellt werden. 
2. Die verschiedenen Höhenaufstiege in der Einzelbetrachtung, 
Eine Labilisierung im oben beschriebenen Sinne sagt nun noch nicht direkt 
eiwas aus über die Labilitäts- bzw. Stabilitätsverhältnisse der Atmosphäre, Eine 
stattgefundene Labilisierung trägt naturgemäß zur Vergrößerung des vertikalen 
Temperaturgradienten bei, ob dieser Vorgang nun labile Schichtung im vertikalen 
Aufbau der Atmosphäre herbeiführt, das hängt von dem Grade der Labilisierung 
und von den präexistierenden Verhältnissen ab. Bei der Betrachtung der La- 
bilitätsverhältnisse haben wir zu unterscheiden zwischen einer trockenlabilen und 
einer feuchtlabilen Schichtung., Einen vertikalen Temperaturgradienten von 1° 
pro 100 m finden wir in den seltensten Fällen in der Atmosphäre. Ein Gradient, 
welcher wesentlich größer ist als 1° pro 100 m, ist theoretisch undenkbar, denn 
ein Vorgang zur Schaffung desselben müßte mit einem stetigen Umlagerungs- 
vorgang verbunden sein, der zeitlich genau so schnell ablaufen müßte wie der 
erstere. Hingegen ist diese Bedingung für die feuchtlabile Schichtung, d, h. eine 
Atmosphäre mit einem Gradienten größer 0,5 bis 0.6° pro 100 m, nicht erforder- 
lich. Wieweit der Labilisierungsvorgang nun im einzelnen gegangen ist, darüber 
geben uns die Höhenaufstiege in der Einzelbetrachtung Auskunft. Zur Wahr- 
nehmung der Charakteristik der einzelnen Höhenaufstiege werden dieselben im 
thermodynamischen Diagrammpapier nach G. Stüve dargestellt (s. Abb. 5 bis 7). 
Am 27, Okt, 19386 08% zeigt der Berliner Aufstieg (Abb. 5a) in der unteren 
Troposphäre deutliche Feuchtlabilitäten. Ähnliche Verhältnisse zum 08b-Termin 
desselben Tages: weisen die Aufstiege von München (Abb, 5b), Frankfurt/Main 
(Abb, 6a) und Köln (Abb. 6b) auf, jedoch mit noch stärkerer Feuchtlabilität. 
Durchgehend feuchtlabile Schichtung sind dem Hamburger 08h. Aufstieg (Abb. 7a) 
und dem von Duxford (Abb. 7b) gegen 105 zu entnehmen, Leider fehlt an diesem 
Tage der entsprechende Aufstieg von Norderney. 
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß bei der Wetterlage vom 27, Okt. 
1936 zum 085. Termin etwa durch die Labilisierungslinie minus 30 {zwischen —20 
und —40) die Gebiete feuchtstabiler gegen die feuchtlabiler Schichtung abgegrenzt 
werden (Abb. 4). 
Yon den geschilderten labilen Verhältnissen der vertikalen Luftmassen- 
schichtung geben auch die Augenbeobachtungen der Wetterflieger ein einwand- 
freies Zeugnis, deshalb seien hier die Klartexte von Hamburg, Köln, Frankfurt/Main, 
München und Berlin zu genannter Zeit wörtlich der Reihe nach wiedergegeben, 
Hamburg 27, 08b, Bis 3000 m mäßiger, bei 1500 m geschichteter Dunst. Bei 
1500 m %, Freu. Nahe im Norden und Nordwesten S/,, Cunb mit Amboß bis 
4500 m. Rings von 2000 bis 8000 m */,, Acu in Bänken, darüber wolkenlos. 
Köln 27. 085, Dunst 1 bis etwa 1500 m. Böen- und Turbulenzwolken ab 600 m, 
im Osten noch ausgedehnt, im Westen nahezu aufgelöst, Obergrenze im allgemeinen 
in 1500 m, Quellformen bis 2800 m, ?/,, Steu in 2500 bis 2800 m. Am Horizont im 
Südosten und Norden Quellmassen bis über 5000 m. Über Gipfel 3/,5 As, Acu, 9. Ci,
	        
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