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Full text: 67, 1939

Kleinere Mitteilungen, 
4135 
8. Ist die Benutzung einer Azimutmeßkarte großen Maßstabs selbst- 
verständlich? Diese Frage wird in den Ann. d. Hy dr. 1939, S. 105, bejaht. Das 
Azimut-Diagramm von Weir ist von allen Seefahrern abgelehnt worden. Das Lehr- 
buch der Navigation, Reichs-Marine-Amt, 1906; ferner das Lehrbuch der Navi- 
gation von Meldau-Steppes, 1935, und das Lehrbuch der Trigonometrie der 
Ebene und der Kugel von H. Kreutzer, 1938, erwähnen das Diagramm über- 
haupt nicht. Das Diagramm wird in verbesserter Form durch die Deutsche 
Adm-Krt. Nr. 1982 wiedergegeben. Daher ist es zweckmäßig zu untersuchen, 
aus welchen Gründen die Seefahrer die von den Wissenschaftlern empfohlene 
Azimutmeßkarte in der Praxis nicht anwenden, 
Meßkarten (Diagramme) zeigen in einfacher Form den Verlauf einer Funktion 
von mehreren Veränderlichen. Der Verlauf der Azimutgleichen interessiert den 
Seefahrer nicht, Er benötigt nur ein kleines Stück der Gleiche als Standlinie. 
Der Leitpunkt der Standlinie muß aber scharf bestimmt werden. Um diesen 
Zweck zu erreichen, müßte die Meßkarte in viele Einzelblätter großen Maßstabes 
zerlegt werden, Der Kartenvorrat würde dementsprechend vergrößert werden, 
was unnötige Unkosten verursacht. Die Einzeichnung der Standlinie ist keines- 
wegs so einfach, wie angegeben wird. Außer dem Kartendreieck, auf dessen 
Rande man scharf das beobachtete Azimut einstellen muß, ist noch ein langes 
Lineal zu benutzen, Die Schnittpunkte der gezeichneten Geraden mit je zwei 
Meridianen und Breitenparallelen müssen abgelesen und in die Seekarte über- 
Iragen werden, wodurch eine Fehlerquelle geschaffen wird, da man nur Längen- 
unterschiede gegen den Nullmeridian der Meßkarte abliest, Schon die Eintragung 
des Ortes des Funkfeuers bereitet Schwierigkeit, denn ein Fehler in diesem Orte 
ruft größere Fehler in den gesuchten Örtern hervor. Am Schreibtisch bei guter 
Beleuchtung ist diese Zeichnung zwar leicht mit genügender Genauigkeit auszu- 
[ühren, im Kartenhaus ist die Arbeit aber nicht so leicht getan. Der Einwand, 
daß die Beobachtungsfehler keine sorgfältige Zeichnung erforderlich machten, ist 
hinfällig. 
Wesentlich anders würde die Sache liegen, wenn man eine Meßkarte schaffen 
könnte, die die Beschickungen der bekannten Näherungswerte zu wahren Werten 
lieferte, Diese Aufgabe wird aber ebensowenig gelöst werden wie die ihr ver- 
wandte aus der Ortung nach Gestirnshöhen. 
Bald nach der Herausgabe des Azimut-Diagramms von Weir hat G. Merritt 
Reeves im Nautical Magazine die Konstruktion des Netzes aus der Kotangenten- 
Iormel (die er mit „dem Ei des Kolumbus“ vergleicht) gelehrt. Die Nautiker 
waren zwar entgegen den Angaben in den Ann. d. Hydr. 1939, S. 102, über die 
theoretischen Unterlagen unterrichtet und brauchten nicht „die Benutzungsvor- 
schrift in gutem Glauben als richtig hinzunehmen“, das Netz aber schreckte sie 
ab, da es alle ihnen von der Schule her bekannten Begriffe umkehrt. Das Azimut 
wird nicht am Beobachtungsort gefunden, sondern am Meridian des Funkfeuers, 
Die Breitenparallele kehren ihre hohle Seite dem Äquator zu, in dessen Ver- 
längerung sie enden. Man muß also, um einen Ort zu suchen, auf dem Breiten- 
parallel nach unten wandern, Ein anderer Grund, weshalb Diagramme wenig 
benutzt werden, ist darin zu suchen, daß der Benutzer nicht weiß, mit welcher 
Sicherheit er das Netz als den theoretischen Anforderungen gerecht werdend 
betrachten kann. In Zahlentafeln kann man Fehler leicht aufdecken, in graphischen 
Tafeln jedoch nicht, Soll die Meßkarte brauchbare Werte liefern, so müssen so 
viele Punkte scharf gerechnet werden, daß bei der Zeichnung jede Willkür aus- 
geschaltet wird. Dadurch wird die Karte verteuert. 
Dem Seefahrer muß ein Hilfsmittel gegeben werden, um den Leitpunkt der 
Azimutgleiche schnell zu finden. Die Neperschen Analogien bieten dazu die 
Grundlage, Der Kurs kann aus der Seekarte entnommen werden; man muß dann 
den Kurs auf rw. Peilung oder umgekehrt beschicken, Die mathematischen Unter- 
lagen habe ich im N. F. 1925 und an anderen Stellen entwickelt. Diese Be- 
schicekungen kann man mit genügender Genauigkeit aus den kleinen Tafeln. 1 
und 2 in N. F. entnehmen. Da man mit diesen Tafeln jedes sphärische Dreieck 
auflösen kann, unterliegt die Lösung der Aufgabe keiner Beschränkung. Im
	        
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