Kleinere Mitteilungen,
|
4
Kleinere Mitteilungen.
ı. Wetterskizzen. Nr. 54: Einiges über die tropischen Tiefe auf dem Nord-
atlantik im Jahre 1937. In der Wetterskizze Nr. 53 auf Seite 398 des Juli-Heftes
dieser Zeitschrift zeigt Portig, daß zwei tropische Tiefe, die im September 1937
im westlichen Nordatlantik auftauchten, bis nach Westafrika hinein zurückverfolgt
werden können, Bemerkenswert ist nun die Tatsache, daß die Höhenwinde, die
von Portig an Bord des Flugstützpunktes der Deutschen Lufthansa D. „Westfalen“
gemessen wurden, zwischen 9 bis 12 km Höhe auf südliche Richtungen drehten,
als das Tief am 6. und 7. IX. 1937 nördlich von Fernando Noronha stand. Eine
Durchsicht aller Höhenwindmessungen vom 3, VII. bis 22. IX. 1937, die an Bord
des D. „Westfalen“ gemacht wurden, bestätigt die Erinnerung Portigs, daß ein
ähnliches Verhalten der Höhenwinde später noch einmal eingetreten ist, und
zwar am 17. und 18. IX. Diese für jenes Gebiet auffällige Winddrehung auf süd-
liche Richtungen unterhalb 10 km Höhe war bei diesem Fall weit geringer aus-
geprägt. Die Schicht mit südlichen Winden lag um 6 km Höhe, die Windstärken
überschritten nicht 25 km/h, während beim ersten Fall 50 km/h auftraten. Leider
liegen für die im folgenden erwähnten Tiefe keine so hohen Messungen vor, die
diese Abhängigkeit auch (oder nicht) zeigen, so daß es verfrüht ist, an diese Tat-
sache weiter Vermutungen zu knüpfen. Erwähnt sei nur, daß beide tropischen
Tiefe zu beachtenswerten Stürmen anwuchsen.
Das 1938 von I. R. Tannehill herausgegebene Werk „Hurricanes“ (257 S.)
gibt eine umfassende, sehr eingehend alle Tatsachen bringende Darstellung über
die Natur und Geschichte der westindischen und nordamerikanischen Orkane;
ein Buch, das jedem, der sich mit diesem Gebiet beschäftigen will, nur empfohlen
werden kann. Dort erfahren wir, daß im Zeitraum 1887 bis 1932 225 tropische
Stürme oder Örkane auftraten, davon 70 in dem westlichen Karibischen Meer
westlich 78° W-Lg. und 155 Östlich 40° W-Lg. Diese letzteren Stürme bezeichnet
Tannehill als dem Kap Verde-Typ angehörig, da manche der Tiefe, die zu diesen
Stürmen oder Orkanen anwachsen, sich bis zu den Kap Verde-Insein zurück-
verfolgen lassen. Diese treten im August und September, weniger häufig im Juli
und Oktober auf, jene des Karibischen Meeres erscheinen im Juni, gelegentlich
im Juli und dann wieder gegen Ende des Septembers, im Oktober und im
November. Tannehill zeigt für diese Stürme folgende Tafel:
Juni Juli Aug. Sept. Okt, Nov, Summe
Westliches Karibisches Meer: 11 3 1 14 31 10 70
Kap Verde-Typ: 2 11 44 64 25 5 155
In diesem Zusammenhange ist es nützlich, einmal kurz alle tropischen Tiefe
des Jahres 1937 zu betrachten, die unsere besondere Aufmerksamkeit hatten, da
es uns gelungen war, auf Grund folgender Betrachtungen das Auftreten zweier
tropischer Stürme vorherzusagen. Am 26, VIII. 1937 erhielt die Seewarte von
ihrer Flugwetterwarte D. „Westfalen“ ein Telegramm folgenden Inhalts: „Ent-
stehung gestrigen Tiefs von 1007 mb auf 20° N 55° W aus Tief 1008 mb vom
17. VIII auf 15° N 13° W Frage“, Die Antwort lautete: „Entstehung denkbar aber
nicht zu belegen wegen schiffsleeren Raums“,
Das Tief vom 25, VIIL hat sich, wenn es mit dem Tief vom 17. YIIL identisch
ist, täglich um rund fünf Längengrade westwärts bewegt. Wir beachteten nun
aufmerksam die Tiefdrucktätigkeit in Westafrika und erwarteten auf Grund eines
Tiefs, das am 28, VIIL auf 11°N 12° W lag und von dem wir annahmen, es ziehe
fünf Längengrade täglich westwärts, am 5. IX. ein Tief bei 46° W. Am 6. IX. lag
das erwartete Tief auf 16° N 46° W. Seine Zuggeschwindigkeit war demnach ge-
ringer, vier Längengrade an einem Tag. Ungefähr die gleiche Zuggeschwindig-
keit hat auch ein Tief gehabt, das am 11. IX. auf 16°N 11° W lag und das wir
am 18. IX. bei 46° W erwarteten, das dann tatsächlich am 20. IX. auf 14° N
44° W lag.
Von den neun fropischen Stürmen, die nach Tannehill im Jahre 1937 auf
dem Nordatlantik auftraten, sind drei im Karibischen Meer entstanden. Die
übrigen sechs sind wahrscheinlich vom Kap Verde-Typ, wenn sich auch nicht