Renner, R.: Zur Frage der Temperatur in entwicklungsfähigen Quellwolken, 839
{0 km westlich von Breslau gemacht, Von dort hatte die Rückseite des nach SE
abziehenden Schauers das in Abb, 1 (s. S. 38) skizzierte Aussehen, In den Höhen
von etwa 383000 und 4300 m zeigten die in kräftiger Entwicklung befindlichen
Wolkenmassen Ausbreitungstendenzen. Charakteristisch für diesen Schneeschauer
war auch das diffus-weiße Aussehen der Wolken,
Kurz nach der Landung vom 17b-Temp war der Schauer so weit nach SE
abgezogen, daß der Raum über dem Flugplatz wolkenfrei war, In diesem Raume
wurde sofort ein zweiter Aufstieg (18%) unter Verwendung desselben Meteo-
graphen durchgeführt. Auf diese Weise gelang es, unier den gleichen Bedin-
gungen (bezüglich Staudruck, Steiggeschwindigkeit des Flugzeuges, Auswertung
des Anstieges) einen Aufstieg völlig im Innern eines in kräftiger Entwicklung
befindlichen Cumulonimbus und einen zweiten im wolkenfreien Außenraum ab-
seits vom Rande der Wolken zu machen. Die Zahlenwerte dieser beiden Auf-
stiege sind in der Tabelle 1 miteinander verglichen und in Abb. 1 dargestellt.
Tabelle 1.
Vergleich der Temperaturen und der relat. Feucht, innerhalb und außerhalb der Schauerwolke.
(Boden | 500 m 11000 m!1500 m 2000 m'2500 m 3000 m 500 r6 4000 m14500 m 5000 m}
Temp. innen ....| 189) 16 | 13-44 78'113 | 14,6 -17.7|-21.7 -259|-278
Temp. außen. ..,]| 20° 13) 1,9 | -52 | 86 | 12.3 |- 16.0 -19.61-22.6 25.0 27.8
Differenz... „.. ]+ 0.291 +03 | +06 +07! +08 + 0851| + 14 + 191 + 08 = 097- 0,5
Bel. an kom, [2025 300 1100 1200. 100_ 10099 8 38 36 _®
Reiat, Feucht, auß. | 87% 84 | 18 7 | m mn 176 "67 59 | #7 x
Darin beziehen sich die gestrichelten Kurven (Temperatur, relative und spezi-
jische Feuchtigkeit) auf den Aufstieg innerhalb der Schauerwolke und die aus-
gezogenen Kurven auf den des wolkenfreien Außenraums,
2, Diskussion der Messungen.
Unter Verwendung der Frühaufstiege vom 4, und 5. April und des 18b.Auf-
stieges vom 4, April sind in Abb. 2 (s. S, 40) die Isoplethen der wahren Temperatur
über Breslau gezeichnet. Man erkennt, wie die Isoplethen im Raume bis etwa 4000 m
(abgesehen von einer Bodenschicht) sich fast geradlinig durch die Temperatur-
werte dieser drei Aufstiege zeichnen lassen, Diese Isoplethen geben in ihrem
gleichmäßig ansteigenden Verlauf die Temperaturänderungen des ungestörten
Zustandes der freien Atmosphäre wieder, der durch ein zeitlich gleichförmiges
Ansteigen der Temperaturen nach dem Kaltlufteinbruch gekennzeichnet ist, Durch
die gestrichelten Linien sind die Temperaturwerte des 17h-Aufstieges innerhalb
des Cumulonimbus mit diesen Isoplethen verbunden. Daraus ergibt sich deutlich,
daß die Temperaturen im Kerngebiet der kräftig in Entwicklung befindlichen
Schauerwolke von der Wolkenuntergrenze bei 200 m bis 4300 m höher liegen als
im wolkenfreien Außenraum, in welchem sich der Schauer entwickelte. Die Tempe-
ratardifferenzen betragen in einer Höhe von 3600 m über 2° (s, Abb. 1), Aus
der Größe dieses Betrages geht hervor, daß die registrierten Temperaturunter-
schiede reeil sind und nicht auf der Ungenauigkeit der aerologischen Meßmethode
beruhen, denn aus den Erfahrungen des täglichen Wetterflugdienstes ergibt sich,
daß die relative Genauigkeit der agerologischen Messungen bei Gleichhaltung der
zenannten Bedingungen bei -+*%/.,* liegt. Dieses Meßergebnis entspricht auch
völlig den Vorstellungen, die man sich über die Entstehung und Entwicklung
son Quellwolken auf Grund der feuchtlabilen Temperaturschichtung macht,
Anders liegen die Verhältnisse in den oberen Kuppen der Schauerwolke von
4300 m bis zur Obergrenze bei 4700 m (s. Abb. 1), Aus der Inversion, die in
41700 m beim Austritt aus der Wolkenobergrenze registriert wurde, geht hervor,
daß dort die Außentemperaturen höher liegen als im Innern dieser Kuppen. Das-
selbe zeigt auch der 18%-Aufstieg, bei welchem die Temperaturen in diesen Höhen
{° bis 2° über denen der Wolken liegen. Der Grund für diese tieferen Wolkentempe-
raturen ist darin zu sehen, daß der Cumulonimbus in diesen Höhen bereits über