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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 193%,
war. Fr. Model!) teilt die Pegelaufzeichnungen für die Zeit vom 21. his
26. November von 7 Punkten der deutschen Ostseeküste mit und beschreibt in
einem vorläufigen Bericht den Gang an den einzelnen Punkten, Er kommt an
der Hand der Wetterlage an diesen Tagen zu dem Ergebnis, daß sich die Größe
der Senkung aus den Beobachtungen nicht erklären läßt, sucht vielmehr einen
Zusammenhang mit dem mittleren täglichen Wasserstand der letzten 35 Jahre
and vermutet eine Art Eigenleben der Ostsee, in der möglicherweise eine Um-
schichtung des Wassers vor sich geht, wobei die Wetterlage an diesen Tagen
die vermutete Gesetzmäßigkeit unterstützt. Er stellt eine Weiterbehandlung der
Fragen in Aussicht,
Durch eine Analyse der vorliegenden Wäasserstandsaufzeichnungen an der
Hand der Erfahrungen an zahlreichen Seen und Meeresbuchten komme ich zu
dem Ergebnis, daß die ganze Erscheinung im wesentlichen in dem Auftreten
periodischer Schwankungen beruht, die sich als freie Schwingungen der
Ostsee erweisen lassen, Bei s0 unruhiger Wetterlage, wie sie aus den bei-
liegenden Wetterkarten zu ersehen ist, treten auch solche freie Schwingungen
deutlich auf, die sonst gewöhnlich verborgen bleiben, Da nun Fr. Model die
Erklärung der Erscheinung in ganz anderer Richtung sucht, möchte ich
meine Ergebnisse hier mitteilen, die für das Verständnis der Wasserstandsver-
hältnisse der Ostsee von Wert sind und die weitere Studien der interessanten
Fragen erleichtern können,
Bereits am 22. November enthalten die Aufzeichnungen eine deut-
liche Schwingung von ungefähr 26 bis 28 Stunden Periodendauer. Kurz
vor Mitternacht vom 21, auf den 22, steigt das Wasser rasch an, um dann lang-
3am zum alten Stand zurückzusinken. Schon die Aufzeichnungen eines einzelnen
Beobachtungspunktes würden für diese Feststellung genügen. Denn die Schwingung
wiederholt sich, indem der Spiegel in einer weiteren halben Periode ansteigt, bis
lie Bewegung durch eine neue Schwingung unterbrochen wird. Das Ansteigen
erfolgt dazu entgegen der Wirkung des herrschenden Westwindes, der ja eine
Senkung in der Kieler Bucht verursachen sollte, was auch Model besonders
betont. Daß eine Ausschwingung des Ostseewassers nach Osten und wieder zurück
nach Westen vorliegt, beweisen die Aufzeichnungen an den Beobachtungspunkten
von Schleimünde bis Arkona in der 2, Welle, die an Amplitude abnehmen, Nur
in Heringsdorf ist der Gang der Kurve durch gleichzeitiges Auftreten von weiteren
Schwingungen gestört; aber die 2, Welle ist auch dort deutlich zu erkennen,
Eine freie Schwingung mit dieser Periode von 26 bis 28h ent-
zpricht dem Becken Kieler Bucht-—Finnischer Busen. Für dasselbe
besitzen wir nämlich schon eine Berechnung der einknotigen Schwingungsdauer,
die Rolf Witting in seiner eingehenden und exakten Arbeit über die Gezeiten
der Ostsee gegeben hat?). Durch Anwendung der verschiedenen Berechnungs-
methoden, auch der exakten Chrystalschen Theorie, kommt er zu Werten
zwischen 21,4 und 38.Sh, woraus er sie auf 28 bis 31h schätzt, Daß diese
Periodendauer etwas zu groß angenommen ist, läßt sich daraus schließen, daß
nach der parabolischen Annäherung, die für ein solches Becken besonders
gute Werte ergibt, sie zu 25h sich berechnet®., Der Knoten fällt hier
nämlich an die breiteste Stelle des Beckens, wo die Tiefe 150 m beträgt,
Das Becken ist aber im Westen nicht vollständig abgeschlossen, ein Umstand,
der die Periode etwas verlängert, so daß man 26 bis 28h erhält. Auch erklärt
sich die starke Dämpfung der Schwingung aus der genannten Verbindung und
derjenigen mit dem Bottnischen Busen, Diese ersiceht man nämlich aus der
Amplitude der 2. Welle, die nur etwa die Hälfte der 1. beträgt.
Ueber die Ursache, die die Schwingung ausgelöst haben kann, lassen sich
aur Vermutungen aufstellen. Es ist möglich, daß der Gradient Kronstadt—
Kiel das Ansteigen des Wassers im Westen verursacht hat, das im Osten auch
‘) Ann, d. Hydr. 19399, S, 221, — % Rolf Witting, Tidvattnen i Österjön och Finska Viken,
Helsingfors 1911, S, 441ff, — %) Nach der parabolischen Annäherung ist T=—x1/ V2gh = 0.7001/]b,
wobei „1“ die Länge der Achse in m und „h“ die Tiefe am Knoten in’ m bedeutet. "Für 1 == 1475 km
and’ bh = 150 m erhält man T = 25 Stunden, Siche auch Pet, Mitt. 1908 S_ 48 ff.