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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1939,
im Dezember 1937 bis 180 m über den Fjordspiegel herab. Nach H. Steffen
(Verhälg, d. Ges, f. Erdk, z. Berlin 1900, S. 205) reichte der gleiche CGHetscher im
Dezember 1897 bis 50 m herab und endigte „in ganz kurzer Entfernung vom
Meere“, während heute der Weg vom Strande bis zur Gletscherzunge etwa 6 km
betragen dürfte, Diese Veränderung würde übrigens durchaus mit Feststellungen,
vor allem durch Prof, Dr. Reichert, vom Zurückweichen anderer Gletscher der
westpatagonischen Küste übereinstimmen.
Außer den verhältnismäßig gleichförmigen Witterungsperioden gibt es oft
und in jeder Jahreszeit auch mehrere Wochen anhaltende Wetterlagen, die sich
durch rasche und unregelmäßige Veränderungen der Winde, der Bewölkung und
der Niederschläge auszeichnen, Gewitter können zu jeder Jahreszeit, besonders
bei böigem, kühlem Regenwetter auftreten und auch mehrere Stunden anhalten.
(Über Donner und Blitz vgl. Calbucobericht)) Tau und im Winter Reif folgen
jeder Strahlungsnacht, sind jedoch nur auf Rodungen und am Strande, aber nicht
im Walde zu beobachten. Die häufigen und plötzlichen Witterungsumschläge
erschweren neben den Hindernissen, die der Regenwald bietet, die Erschließung
dieses Küstenstriches außerordentlich,
8, Temperaturen: Von Extremtemperaturen abgesehen, die mit einem kaum
zuverlässigen Maximum-Minimum-Thermometer mehrere Jahre hindurch gemessen
wurden, liegen nur wenige Lufttemperaturbestimmungen vor. Fig. 1 (Taf. 7) zeigt
den Temperaturverlauf an je zwei Schönwetter- und Schlechtwettertagen im Sommer.
Trotz der abkühlenden Wirkung des S-Windes und der Seenähe weisen die Tages-
jemperaturen bei Schönwelter einen verhältnismäßig großen Anstieg auf, Von
Mitte Dezember 1937 bis Mitte Februar 1938 wurden Morgentemperaturen
(7 bis 82) bis 6° herunter und höchste Tagestemperaturen bis 23° gemessen. Im
Winter sinkt das Extremthermometer oft unter 0° und erreicht im Laufe des
Tages häufig nicht -+ 10°
Zur Ergänzung werden noch einige Wassertemperaturen angeführt:
Quellen im Regenwald (30 bis 100 m ü, d, M.) 13.11.1938 9.5° und 9.8°
Quelle (250 m ü, d. M.) 268. XIL 1987 ‚..0...40.0.000. 72°
Im Rio Pascua, einem reißenden Urwaldflusse, der bei Puerto Puyuhuapi
mündet, wurden folgende Temperaturen gemessen!):
1936: 14.bis19. I, 83° bis 8.9° (3) 1938: 3. bis15, I, 7.0°bis88° (17)
11, IL 9.1° (1) 16. „ 51. 1 76° „ 88° (12)
1937: 22, bis 31. XII. 7.8° bis 9.0° (6) 1. „ 13,11. 77° „ 88° (7)
Die Flußtemperaturen liegen in diesem Gebiet auch im Sommer sicher unter
der mittleren Jahrestemperatur, da die Gewässer bei meist kräftigem Gefälle fast
ausnahmslos Zuflüsse aus größerer Höhe empfangen und Erwärmung durch
Insolation vom Walde weitgehend verhindert wird, Bäche unter 100 m Meeres-
höhe zeigten in dem gleichen Zeitraum Temperaturen zwischen 5.8° und 12.8°,
Nur einmal wurden in etwa 100 m Meereshöhe (12, IL, 1936, 15%) in einem
Bache 16° gemessen, Diese ungewöhnlich hohe Temperatur hat ihre Ursache
darin, daß das Bett dieses Baches auf einer Strecke von etwa 1km über die
Schutthalde eines Bergrutsches, also waldfreien Boden, fließt, und der Tag still
und sehr warm war.
Die Sonnenstrahlung kann auf waldfreien Flächen sehr starke Erwärmung
bewirken. Am 5, III. 1936, 16% wurde z. B. die Temperatur des besonnten hell
gelbgrauen Granitsandes am S-Strande des Lago Riso Patron (130 m Meereshöhe)
mit 53.5° bestimmt. Dies ist sicher keine Maximaltemperatur, Aus den mit-
geteilten Messungen spricht zur Genüge, welehe große Bedeutung dem Urwalde
/ür die Regelung der Temperatur zukommt. — Infolge der hohen Niederschläge
sind weite Flächen der benachbarten Gebirgszüge vergletschert. Die Schmelz-
wässer überwiegen deshalb gegenüber Quellwässern bei weitem. Bei der Länge
des Fjordes ist der marine Wasserwechsel in seinem Innern nur gering, was eine
hohe sommerliche ÖOberflächenerwärmung zur Folge hat. Fig. 2 (Taf. 7) zeigt die
Wirkung der überwiegend Schmelzwasser führenden Zuflüsse des Fjordes auf dessen
* Die Zahlen in {) geben die Anzahl der jeweils vorliegenden Messungen an.