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Full text: 67, 1939

Schwabe, Dr. 6. H.: Über das Klima im Küstengebiet von Südchile, 85 
die Möglichkeiten zur Beobachtung des Himmels erheblich eingeschränkt. Es ist 
einleuchtend, daß der Hochgebirgscharakter des nördlichen und östlichen Hinter- 
Jandes stark auf den Witterungsverlauf einwirkt. 
Das ganze Gebiet ist von unberührtem immergrünem Regenwalde bedeckt. 
Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt etwa 4000 mm. Nach der Pflanzendecke 
zu urteilen, ist die räumliche Verteilung der Witterungserscheinungen nicht nur 
der Höhenlage nach, sondern auch in der Horizontalen wesentlich schärfer aus- 
geprägt als im Calbucogebiet. Diese Tatsache wird durch den morphologischen 
Aufbau des Gebirges und ebenso stark durch die Entfernung und Lage des Ortes 
zum Meere bedingt. Infolge der hohen Bergumrandung scheint in Puyuhuapi 
lie Sonnenscheindauer geringer zu sein als im Calbucogebiet, Zum Unterschied 
ron Calbuco herrscht in den engen Fjorden und Tälern in Küstennähe häufig 
sehr eintönige Witterung, 
Auch in Puyuhuapi ist der Frühling kaum ausgeprägt, wenn auch im Winter 
»ffenbar keine Blüten auftreten. Im Sommer sind Schönwettertage und -perioden 
häufiger, In den nördlichen inneren Teilen des Fjordes wurden Wassertempera- 
turen über 17° gemessen. Über weitere Gewässertemperaturen siehe unter 3. 
u Niederschläge: Die Regenfälle sind heftiger, anhaltender und von selteneren 
und kürzeren Pausen unterbrochen als auf Calbuco, Niederschlagsmengen von 
über 40 mm in 24 Stunden sind keine Seltenheit, Feine Sprühregen sind bei tief- 
liegender Wolkendecke und Windstille in den Kordillerenfjorden häufig, Gewöhn- 
lich fallen jedoch in großer Dichte mäßig große Tropfen, Platzregen wurden nie, 
Hagelfälle nicht häufig beobachtet, Im Winter ist der Regen oft mit nassem 
Schnee gemischt; er kann auch reinen Schneefällen weichen, Der Wechsel zwischen 
Schlecht- und Schönwetterperioden ist in Puerto Puyuhuapi schärfer ausgeprägt 
als auf Calbuco. Auch die .Zwischenregenzeit des Veranito de San Juan (vgl. 
S, 32) ist bisher alljährlich beobachtet worden. 
2. Zum Witterungsverlauf im Sommer: Im Sommer kann ein bis zwei Wochen 
hintereinander das schönste Wetter herrschen. Dann ist der Himmel am Morgen 
bis 2, mit Ci und Cist oder auch mit Acu und Ast bedeckt, Um die Zeit des 
Sonnenaufganges weht noch ein sehr schwacher N-Wind (Stärke 1 bis 2), bald 
danach herrscht Windstille. In den frühen Vormittagsstunden setzt allmählich 
zunehmender S-Wind ein, die Bewölkung nimmt erst rasch ab und dann gegen 
Mittag häufig etwas zu. Gegen 15% erreicht der kalte S-Wind seine größte 
Stärke (4 bis 6), um bei Sonnenuntergang völliger Windstille zu weichen. Der 
Nachmittag bringt erneute Bewölkungsabnahme. Schon in der kurzen Dämme- 
rung oder etwas später weht ein leiser Hauch aus N (kaum über Stärke 1). Die 
Nächte sind bei Temperaturen um + 10° sternenklar, 
Bei den manchmal auch im Sommer anhaltenden Regenperioden weht meist 
ein in seiner Stärke sehr veränderlicher N-Wind, der gelegentlich große Gewalt 
srreichen kann. Vorübergehend kann zu jeder Tageszeit, besonders während 
heftiger Regenfälle, Windstille herrschen. Die schweren Nb-Decken, die den 
ganzen Himmel einnehmen, senken sich bis auf wenige hundert Meier herab, 
Die Regenfälle von wechselnder Heftigkeit sind nur von kurzen Pausen unter- 
brochen. Die Lufttemperaturen. zeigen nur geringe Schwankungen und liegen 
um 15°, In der nord-südlich verlaufenden Fjordmuide können sich westliche 
and östliche Winde (Travesia) nicht entwickeln. Gelegentlich treten aber unver- 
mittelt heftige Böen aus S auf, die jedoch kaum länger als eine Stunde anhalten, 
Wahrscheinlich handelt es sich bei diesen Böen nur um örtlich bedingte Erschei- 
nungen. Die Beobachtungsmöglichkeiten sind durch schlechte Sicht sehr ein- 
geschränkt. Bei den sehr eintönig wirkenden Regenperioden kommen nicht selten 
Schneefälle bis auf 600 m Höhe herab auch im Hochsommer (Februar) vor. Im 
allgemeinen befindet sich im Sommer die Schneegrenze in etwa 1300 bis 1400 m Höhe, 
im Winter dagegen liegt der Schnee bis 200 m herab auf den Wäldern. Schneefälle 
im Winter sind auch im Fjord selbst häufig. Ausnahmsweise kann der Fjord- 
spiegel eine leichte Eisdecke tragen. Die Nachttemperaturen sinken jedoch dann 
nur wenige Grad unter Null. Ein Gletscher, etwa 16 km südsüdöstlich von Puerto 
Puyuhuapi, der von Firnfeldern an der E-Seite des Fjordes herabkommt, reichte
	        
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