Perlewitz, P. und Powel, J.: Beaufortskala und lineare Windskalen, 881
Eine für diese Zwecke sehr einfache Umrechnungsregel (vgl. Il b 4),
die leicht im Gedächtnis zu behalten ist, habe ich 1927?) gegeben; sie genügt
indessen einer Genauigkeit auf Zehntelmeter, wenn es hierauf ankommt, nicht.
Nach eingehenden deutschen und englischen Untersuchungen, die die
gegenseitige Größenbeziehung und Überführung dieser beiden Maße, m/sec und
Beaufort, zum Ziel hatte, wurde 1926 eine internationale Vereinbarung®)
getroffen, die bestimmte Geschwindigkeiten in m/sec als Äquivalente für die
einzelnen Beaufortstärken 0 bis 12 festlegte.. Diese Vereinbarung sollte die feste
Brücke zwischen beiden Maßen bringen, Es wurden für jede Beaufortstärke
zwei Grenzwerte in m/sec festgelegt, innerhalb deren die betreffende Beaufort-
stärke gültig (äquivalent) war. Es gab hiernach also zwei internationale Reihen,
eine maximale m/sec-Reihe und eine minimale. Eine eindeutige Geschwindig-
keitszahl in m/sec für jedes Bft. gab es theoretisch nach dieser Vereinbarung
nicht. Wünschte man zwecks Umrechnung einen Einzelwert, so hatte man jeden
beliebigen Wert innerhalb des festgelegten Spielraums zur Verfügung, wählte
aber in der Praxis der Einfachheit halber wohl stets den Mittelwert der beiden
Grenzwerte. Da diese Mittelzahlen eindeutig zu errechnen waren und in der
Praxis gebraucht wurden, so ist diese Reihe der „Mittelwerte der international
festgelegten Grenzwerte“ gleichsam auch als eine internationale Reihe anzu-
sprechen; sie war aber ausdrücklich nach dem internationalen und insbesondere
nach Hergesells Willen — auch gemäß meinem Schriftwechsel mit Hergesell
und Süring 1927/28 — „keine internationale Vereinbarung“. Für die Praxis
war sie jedoch die feste Brücke neben den vielen zwischen den Grenzwerten
möglichen, beweglichen Brücken, die alle anerkannt waren. Nach dieser inter-
nationalen Vereinbarung entsprach auch umgekehrt jeder Geschwindigkeit in
m/sec eine der 13 Beaufortzahlen, wobei auch Dezimalen dieser Bft.-Zahlen in
besonderen Fällen, z. B, von Köppen, gebildet wurden.
Diese internationale Überführung war gültig für alle Meere und Länder.
Eine Nordsee-Beaufortschätzung, eine Tropen-Beaufort, usw, gab es nun nicht
mehr. In dieser Vereinbarung von 1926 waren die bisherigen Bemühungen der
Meteorologen gekrönt. Widersprechend erscheint es, wenn sich Scherhag 1937”)
um Aufstellung einer neuen Reihe bemüht, gleichzeitig aber in%) S. 172 sagt,
daß es „an der Zeit wäre, die Bemühungen aufzugeben“ und andrerseits fordert:
„Das Ziel muß aber dennoch eine genauere Überführung beider Skalen sein.“
Im Sinne des letzten Ausspruchs äußert sich mit Recht auch Kuhlbrodt in?)
S. 15: „Es muß das Bestreben sein, eine ausreichende, heute brauchbare, mög-
lichst objektive Definition der einzelnen Bft-Skalenteile zu finden.“
Allen Ansprüchen, insbesondere nach Vereinfachung und Verschlüsselung
in den Wetterberichten, schien die Vereinbarung von 1926 eben doch noch
nicht zu genügen, so daß neue Vorschläge im Anschluß an neue und neu
veröffentlichte Beobachtungen gemacht wurden. So haben Kuhlbrodt und
Leistner*) 1936 zwei neue Zahlenreihen nach m/sec, Äquivalentwerte für die
Beaufortskala auf See, gegeben, die aus Beobachtungen auf der „Meteor“. Expedition
1925/27 im Atlantischen Ozean erhalten worden sind. In Anlehnung an diese
Reihe schlug dann Scherhag*) wiederum eine neue Reihe, und zwar nach
Dekaden von km/h, und ihre Benutzung im Wetterschlüssel vor (vgl. IILe 2).
Zur Beurteilung der verschiedenen Maße müssen wir uns vergegenwärtigen, daß eine Angabe
z. B. nach m/sec und km/h nicht die gleiche Genauigkeit bedeutet (bei Abrundung auf ganze
m und ganze km); denn 10 m/sec sind = 36 km/h, oder 100 km/h sicd = 28 m/sec, d. h. eine Angabe
nach ganzen km/h ist 3.6mal so genau wie nach ganzen m/sec. KEine Angabe nach Zehntel-
metern/sec ist dagegen 2.8mal so genau, wie nach ganzen km/h. -
Nun beträgt die durchschnittliche Stufengröße der Beaufortstärken-Aquivalente bis Bft, 10 (11 und
12 kommen sehr selten vor) nach der internationalen Zahlengrundlage (Tab. 1, 9) 2.3 m/see (2.0 von
Bft. 1 bis Bft, 6 und 3.2 von Bft, 6 bis Bft. 11),
Die Angabe nach Bft. ist also ebenso genau, wie nach einer Einheit von 2.3 m/sec, oder die
Angabe nach m/sec ist 2.3mal so genau, wie nach Bft,; folglich ist die Angabe nach ganzen km/h
-) Vers. des Internat, Komitees; Zentr. Anst, f, Met. Publ, Nr. 130, Wien 1927, — ®%) Ann. d,
Hydr. 1937, 5. 169. Scherhag: Windstärkeangaben in km/h statt in Beaufort. — !°) Ann. d. Hydr.
1936, S. 14. Kuhlbrodt und Leistner: Vergleich geschätzter Windstärken mit gemessenen Wind-
geschwindigkeiten auf See.