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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Aßmann: Zur Vorhersage der Niederschläge. 
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und die bisherigen Erfahrungen sprechen entschieden zugunsten dieser zunächst 
probeweise erfolgten Organisation. Wenn auch nicht verkannt werden darf, 
daß geübte meteorologische Beobachter imstande sind, genauere Angaben über 
Gewitter zu liefern, so muß man doch nicht vergessen, daß dieser Meldedienst 
nicht der wissenschaftlichen Forschung, sondern allein der Konstatierung von 
Gewittern sowie deren Intensität und Zugrichtung dienen soll; außerdem über- 
brücken die schon genannten »Leitungsstörungen« die Zwischenräume zwischen 
den Stationen dermaßen, daß man trotz dieser verhältnismäßig geringen Anzahl 
von Beobachtern erwarten kann, keine größeren Gewitter unbemerkt durch- 
schlüpfen zu lassen. 
In der Instruktion für diese Beobachter ist auch auf die Niederschläge 
Rücksicht genommen, welche die Gewitter begleiten, allerdings, dem Zwecke der 
Meldungen gemäß, nur auf solche, welche für den Luftfahrer von Interesse sein 
könnten, also stärkere Platzregen oder Hagelfälle. Es. wäre nun zu überlegen, 
ob der Vorschlag des Herrn Dr. Mey, alle Niederschläge, auch solche ohne 
Gewitter, telegraphisch zu melden, ausführbar wäre.‘ 
Die durchschnittliche Zahl der Niederschlagstage in Deutschland beträgt 
etwa 165 im Jahre. Wenn man sich, was dem in erster Linie hierbei in Frage 
kommenden Interesse der Landwirtschaft entsprechen würde, auf die wärmere 
Jahreshälfte beschränken wollte, kämen etwa 70 Tage in Betracht, von denen 
gegen 30 Gewittertage wären, an denen ohnehin Meldungen zu erfolgen hätten: 
demnach blieben noch etwa 40 Niederschlagstage übrig, an denen besondere 
telegraphische Meldungen nötig wären, . 
Diesem Überschlage liegt die Voraussetzung zugrunde, daß von jedem 
Tage nur je eine Niederschlagsmeldung erfolgt, und es wäre zu überlegen, ob 
hiermit dem Zwecke gedient sein würde, der die frühzeitige Feststellung und die 
Wanderung von Niederschlagszonen im Auge hat. 
Wie aus den schönen Untersuchungen von Leß, Gagelmann, Hellmann 
und v. Elsner hervorgeht, sind die Regenzonen vornehmlich an flache Teil- 
depressionen gebunden, die verhältnismäßig ‘ langsam ‚wandern und in vielen 
Fällen mehrere Tage gebrauchen, um Mitteleuropa in west-Östlicher Richtung 
zu durchschreiten. Wenn auch ohne Zweifel die Fälle nicht allzuselten sind, in 
denen an einem Tage mehrere selbständige derartige Regendepressionen hinter- 
einander herziehen, so darf man doch annehmen, daß diejenigen stark vorwiegen, 
in denen dieser Vorgang nur einmal am Tage erfolgt. Sicherlich würde man 
sich, um die Beobachtungen und Meldungen nicht außerordentlich zu erschweren 
und zu verteuern, zunächst auf diese einfacheren Fälle zu beschränken haben, 
bis Erfahrungen über den Nutzen der Methode überhaupt vorliegen. 
Hiernach würde den Beobachtern zunächst die Aufgabe zu stellen sein, 
den Anfang und vielleicht die Intensität des ersten am Tage fallenden 
Regens sobald als möglich zu melden; diese Aufgabe dürfte noch verhältnis- 
mäßig am leichtesten zu lösen sein, während die Beobachtung der Dauer schon 
übermäßige Anforderungen ‚an den Beobachter stellen und meist ein zweites 
Telegramm erfordern würde. Die Telegramme hätten, entsprechend der im 
laufenden Jahre eingeführten Zweiteilung des Netzes, von seiten der westlichen 
Stationen an die Nebenzentrale in Frankfurt a. M., von den übrigen an die 
Hauptzentrale Lindenberg zu gehen, wo sie, zweckentsprechend gruppiert, an 
die Öffentlichen Wetterdienststellen weiterzugeben wären. Von großem Werte 
würde es natürlich sein, telegraphische Meldungen aus Frankreich, Belgien und 
Holland zu erhalten: doch dürfte das späteren Vereinbarungen vorzubehalten sein, 
Legen wir die.Einschränkung auf eine tägliche Meldung während des 
Sommerhalbjahres zugrunde, so würden von jeder Beobachtungsstation durch- 
schnittlich, außer den auf Gewitter bezüglichen, 40 Telegramme zu 0.50 4 im 
Betrage von 20 AM zu erwarten sein: bei 600 Meldestationen würden sich: dem- 
nach die Kosten auf 12000 A beziffern. Hierzu würden noch die Kosten für 
die telegraphische Weitergabe der zu Gruppen zusammengefaßten Meldungen an 
die Wetterdienststellen treten: diese dürften für jedes Telegramm 1.50 X, für 
40 Tage und 15 deutsche Wetterdienststellen 900 / betragen. Ferner würden
	        
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