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Full text: 67, 1939

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1039, 
im Winter gelegentlich einzelne Schneeflocken fallen sollen, treten diese nach 
meinen Beobachtungen und glaubwürdigen Berichten in Calbuco nicht auf. — 
Besserung des Wetters wird durch kurze Windstöße aus S, durch allmähliches 
Drehen des Windes über W nach SW oder am sichersten durch Auflockerung 
der schweren Nb- oder Cunb-Bewölkung im S angedeutet, Umgekehrt ist es ein 
antrügliches Zeichen für das Nahen von schlechtem Wetter, wenn bei klarem 
N-Himmel der S sich zu beziehen beginnt, Gewöhnlich erscheinen gegen Abend 
als Schlechtwetterboten dunkle, scharfrandige St-Wände im S, Die chilenische 
Wetterregel „norte olaro, sur obseuro aguacero bien seguro“ (klarer Norden, 
dunkler Süden bringen sicher Regen) besteht demnach für diese Gegend auch 
zu Recht. 
Entsprechend der näheren Lage zum Ozean sind die klimatischen Unter- 
schiede zwischen Sommer und Winter in Calbuco wesentlich geringer als etwa 
in Puerto Montt oder an der Kordillerenküste, Allerdings sind die Niederschläge 
und Himmelsbedeckung während des Winters stärker als im Sommer, auch liegen 
natürlich die Temperaturen im Winter, der mit Recht als die Regenzeit be- 
zeichnet wird, niedriger. Gewitter sind selten; sie können zu allen Jahreszeiten, 
jedoch am ehesten im Winter, auftreten, Donner und Blitz sind, verglichen mit 
den elektrischen Entladungen in Deutschland, schwach. Die Gewitter scheinen 
sich vor und in der Kordillere zu entladen; jedoch werden auch dort, jedenfalls 
im pazifischen Küstengebiet, keine heftigeren Gewitter beobachtet, Hagelschlag 
ist gleichfalls selten, aber häufiger als Gewitter. Hagelischäden kommen nicht 
vor. Auffallend im jahreszeitlichen Ablauf der Witterungsverhältnisse ist das 
Auftreten einer kurzen Zwischenregenzeit im Juni oder Anfang Juli, die den 
Namen „Veranito de San Juan“ (Johannis-Sömmerchen) trägt, und bei welcher 
sonniges kühles Wetter mit S-Wind herrscht, Frühling und Herbst sind sehr 
wenig ausgeprägt. 
Tau und Reif — letzterer tritt im Winter nicht selten auf — sind nach jeder 
Strahlungsnacht zu beobachten und deuten im allgemeinen anf schönes Wetter. 
Viel augenfälliger als die jahreszeitlichen Unterschiede sind die räumlichen 
Gegensätze im Wetterablauf, die man bei guter Sicht stets beobachten kann, So 
sieht man häufig große Nb-Ballen aus W oder NW über die Insel Calbuco ziehen, 
obne daß ein Tropfen fällt; und schon über der nur wenige Kilometer entfernten 
[sla Poluqui kann man die granen Regenschleier erkennen, die aus der gleichen 
Wolke fallen. Oft, wenn der ganze südliche und auch westliche Horizont klar 
ist, türmen sich im NE, in Richtung auf Puerto Montt, und vor allem an der 
Kordillerenküste, dunkle Regenwolken und liegen dort tagelang, während auf 
Calbuco nur einige unbedeutende Schauer niedergehen, Aber auch bei bestän- 
digem schönem Wetter, wenn im übrigen der ganze Himmel unbedeckt ist, ist 
der NE und E über der Kordillere nur ausnahmsweise ganz frei (Abb. 2, 3 und 4 
auf Tafel 6), Gewöhnlich hängen dort noch einzelne Freu öder Cu, und Steu 
stehen vor und über den Schneegipfeln. Bei unsicheren Wetterlagen und schlechtem 
Wetter fehlt selten zwischen Poluqui und der Kordillerenküste ein in 200 bis 
500 m Höhe lagernder Nbst-Streifen. Auch südlich der Insel Tabon ist mit 
etwas geringerer Regelmäßigkeit bei solchem Wetter eine ähnliche Bewölkung 
festzustellen. Da in letzterem Gebiete die Kordillerenküste kaum die unmittel- 
bare Ursache der Wolkenbildung sein kann, scheint es möglich, daß hier, hinter 
der Straße von Chacao, Meeresströmungen mitsprechen. Auffallend ist weiterhin, 
daß im Winter bei Bewölkungsabnahme im Laufe des Vormittags nicht selten 
der ferne Vulkan Corcovado als erster Hochgipfel auftaucht, während die übrige 
Gebirgskette noch lange in Wolken liegt. — Nur ausnahmsweise und nur in den 
frühen Morgenstunden konnte beobachtet werden, daß der ganze Himmel von 
einer gleichförmigen Wolkendecke überzogen war, deren östlicher, an die Kor- 
dillere stoßender Rand besonnt war. Da auch einige Male auf dem Boden und 
dem Meeresspiegel ruhende Morgennebel von geringer Höhe beobachtet wurden, 
über denen dann die völlig unbewölkte Kordillere sichtbar wurde, ist anzunehmen, 
daß es sich bei dem eben geschilderten Bewölkungscharakter um eine Art See- 
nebel handelt, die in einer Strahlungsnacht entstanden und nur die Flächen im W
	        
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