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Full text: 67, 1939

Schwabe, Dr. G. H,: Über das Klima im Küstengebiet von Südchile, 81 
den Inseln und vor allem an der gebirgigen Festlandsküste reichliche Steigungs- 
cegen. In den Wintermonaten Mai bis September sind die Regenfälle besonders 
ergiebig, da sie dann noch durch die winterliche Abkühlung des Festlandes ver- 
stärkt werden, 
Wie schon ein Blick auf eine orographische Karte Westpatagoniens vermuten 
(äßt, sind bei im ganzen hohen Niederschlagswerten doch auf verhältnismäßig 
kleinem Raume recht verschiedene Züge im Klima anzutreffen. Bei der innigen 
Verzahnung von Hochgebirge und Meer und dazwischen gelagerten flachen und 
Jergigen Inselfluren entsteht sogar ein schwer zu übersehendes Mosaik örtlich 
begrenzter Witterungserscheinungen, Während eines Aufenthaltes von über einem 
Jahre im westpatagonischen Gebiet war es möglich, neben täglichen meteoro- 
logischen Beobachtungen einige allgemeine Eigenschaften der Witterungsverhält- 
nisse im Gebiet von Calbuco zu erkennen. In Puerto Puyuhuapi konnten 
diese Beobachtungen z. T. ergänzt werden. Einen Überblick über das Beob- 
achtungsgebiet geben Tafel 5 und Abb, 1 auf Tafel 6. 
A. Beobachtungen auf der Insel Calbuco, 
Vom Beobachtungsort La Vega auf der Insel Calbuco (41° 461" 85, 73° 8' W) 
aus ist der N-, E- und S-Horizont gut sichtbar. Der Anstieg der Steilküste ver- 
Jjeckt die Sicht nach W, Die Beobachtungen fanden statt in der Zeit von. Mai 
Dis Dezember 1937, 
|. Winde: Auf den Witterungsverlauf ist am ehesten und genauesten aus 
den Windverhältnissen zu schließen, Winde aus NE, N, NW und W bringen mit 
größter Wahrscheinlichkeit Regen, Eine Ausnahme bilden nur’ jene schwachen 
Winde, die bei Strahlungsnächten gewöhnlich in den Morgenstunden vor Sonnen- 
aufgang aus E und NE bis N wehen, nach Sonnenaufgang bald einschlafen oder 
asch S drehen, Stärkere Winde aus diesen Richtungen, vor allem, wenn sie zu 
anderen Tageszeiten auftreten, pflegen fast ausnahmslos, während sie auf Rich- 
sungen um NW drehen, anzuschwellen und mit kurzen Unterbrechungen manch- 
mal tagelang Regenfälle zu bringen. Reiner W-Wind ist auf Calbuco verhältnis- 
mäßig trocken. Hier mag die geschützte Lage in Lee des S-Ausläufers der 
Küstenkordillere mitsprechen, Außerdem ist dieser Wind meist nicht von großer 
Beständigkeit, sondern er dreht bald nach N oder S. S-Winde bringen gewöhn- 
lich eine starke Verminderung oder den völligen Schwund der Himmelsbedeckung 
und sonniges, kühles Wetter, Ausgenommen sind allerdings jene Böen aus S, die 
den Namen „sur negro“ (schwarzer Süder im Gegensatz zum „sur blanco“) tragen, 
Sie treten häufig gegen Ende oder im Verlauf einer Regenperiode oder bei un- 
sicheren Wetterlagen auf und können heftige Schauer bringen, — Der Schön- 
wetter-Süder („sur blanco“) setzt im allgemeinen im Laufe des Vormittags ein 
und bält bis Sonnenuntergang an. Vorzeitiges Einschlafen des Süders deutet 
auf nahendes Schlechtwetter. Besonders stabiles Schönwetter wird durch eine 
meist schwache E-Komponente des Windes angezeigt. Stärkere E-Winde sind 
selten und nur von kurzer Dauer. Sie leiten manchmal Regenperioden mit NE- 
bis NW.Winden ein, Während auf dem offenen Ozean und bei den Inselfluren 
im 8 die W-Winde vorherrschen, überwiegen im Calbueo-Gebiet deutlich N- und 
S-Winde, 
2, Himmelsbedeckung und Niederschläge: Bei den von S-Wind begleiteten 
Schönwetrterperioden ist naturgemäß die Bewölkung am geringsten, Es herrschen 
in dieser Zeit Ci und Cist vor, die sich im Laufe des Tages verringern; nach- 
mittags ist der Himmel oft völlig wolkenlos, SW- bis NW-Winde bringen eine 
in ihrem Charakter und Umfang rasch wechselnde Bedeckung mit gelegentlichen 
meist kurzen Regenschauern, die in Calbuco typisch und vorherrschend sind. 
Deshalb sind Regenbogen zu jeder Jahreszeit sehr häufig. Kegenperioden, die 
K, Martin!) sehr treffend für Puerto Montt schildert, verlaufen in Calbuco ähn- 
lich, jedoch sind dabei E-Winde seltener. Die gewöhnlich sehr dichten und von 
mehr oder weniger häufigen Pausen unterbrochenen Regenfälle weisen in Calbuco 
anscheinend eine geringere Tropfengröße auf als in Puerto Montt, Während dort 
‚KK, Martin: Der Regen in Südchile. Verhdle, d. wissenschaftl. Vereins in Santiago 4, 8, 63 bis 74.
	        
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