350 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1939,
hier schon der Einfall von Reif, Nachtfrösten und bald auch winterlichem Hoch-
nebel, der die Tagesheiterkeit verireibt.
Ähnlich verschiedenartig ist die Auswirkung der Tiefzeiten: So ergibt sich
vom 18. bis 20. September eine Südwestwindlage, a ber eine vorherrschend trocken-
warme; die in der ersten Oktoberdekade bringt uns eine stürmische Westwind-
zeit mit Frontregen, Schauerluft und herbstlichen Seegewittern, während die
Tiefzeit des letzten Oktoberdrittels als trüb-feuchte Schwachwindzeit mit Nebel
und Nieseln in Erscheinung tritt.
Ein „hundertjähriger Kalender“ 1äßt sich also aus den im Laufe des Jahres
auftretenden Singularitäten der Druckfeld-Entwicklung nicht gewinnen, wohl aber
mancher Fingerzeig, besonders wenn erst die räumlichen und genetischen
Zusammenhänge besser bekannt sind*).
M. Rodewald, Hamburg, Deutsche Seewarte.
2, Klimatographische Witterungsschilderung. Nr. 133: Deutsch-Ostafrika,
— Aus der Sammlung des überseeischen meteoro logischen Dienstes der Deutschen
Seewarte. — Witterungsverlauf während der großen Trockenzeit in
Kigaramal). Beobachtungstage: 13. bis 15. Juli 1937.
13. Juli. Die Sonne geht als blutroter Ball im Dunst des östlichen Horizontes
auf. Wind SE 3. Das Gras zeigt keine Spur von Tau. Der Himmel ist wolkenlos,
aber das Blau ist nicht klar. Die Temperatur im gut durchlüfteten Zimmer be-
trägt bei hoher Luftfeuchte 22°. — 7: Der Himmel überzieht sich schnell mit
Acu, zwischen denen verwaschene Ci sichtbar sind. Der Wind schläft fast ganz
ein. -— 8h:; Die Acu haben sich zum größten Teil wieder aufgelöst. Es wird bei
Windstille merklich wärmer. — 9b: Der Himmel ist nahezu wolkenlos, und die
Hitze wird fühlbar wie an einem Hochsommertage in Deutschland. Die Tempe-
ratur im Zimmer steigt aber nur auf 24°. — 10% bis 12b: Es entstehen wieder
einige Cieu; der Wind nimmt aus SE auf Stärke 4 zu. Es ist dunstig. —
J4h: Keine wesentliche Änderung. Die Feuchte hat zwar nicht erheblich ab-
genommen, aber die Luft wird bereits als sehr trocken empfunden. — 15h; Der
Himmel ist wieder wolkenfrei, stetiger SE-Wind Stärke 4. — 16% bis 17h: Keine
Änderung. — 185; Von Ci leicht verschleierter Himmel. Die Sonne versinkt
blutrot im Dunst, der Wind flaut allmählich auf SE 3 ab. Die Luftfeuchte hat
wieder zugenommen, — 20h: Windstill, wolkenlos, Der Mond weist einen Hof auf.
14. Juli. 6h: Eine zusammenhängende Stcu-Decke läßt die Sonnenstrahlen
nicht durchdringen. Obwohl die Temperatur bei hoher Luftfeuchte während der
Nacht auf 174° zurückgegangen ist, liegt kein Tau. Es ist sehr dunstig. Im SE
ist leichtes Donnerrollen hörbar, wahrscheinlich geht über Bukoba, südlich von
Kigarama, ein Gewitter nieder. — 75: Das Donnerrollen wird stärker, auch im E. —
70h; Himmelsbedeckung 10 (Ast), windstill. Es setzt leichter Regen ein. — 8h: Der
Regen hält an. — 9b; Im E und NE fortwährend leichter Donner; Windstille.
Die Wolkendecke hat sich nicht verändert. — 10%h; Windstill; der Regen hört
auf, einige Minuten lang Nebel, — 12h: Eine gleichmäßige Ast-Decke überzieht
den Himmel vollständig, die Fernsicht ist verringert. Windstille, manchmal noch
leises Donnerrollen im E. — 14h: Die gleichförmige Wolkendecke besteht nicht
mehr, Acu und Ci sind über den ganzen Horizont verteilt. Windstilie, —
15h: Keine Änderung. -— 18h; Die Gesamtregenmenge des Tages beträgt 5.0 mm.
Es herrscht Windstille, die auch während der Nacht anhält.
15. Juli. 6h: Die Sonne geht blutrot hinter einer Wolkenbank auf; der
Himmel ist + mit Acu bedeckt. Windstille,. Das Gras zeigt starken Taufallı —
7h: Keine Änderung. — 12b: Die Acu haben sich zu einer lichten Decke von Ast
geformt, die den Himmel ganz bedecken. Wind SE 3. — 14h bis 18h; Eine merk-
liche Veränderung der Bewölkung und Windverhältnisse ist nicht eingetreten.
Mit geringen Abweichungen war der Wetterablauf an den Tagen vom 6. bis
12. Juli 19837 der gleiche wie der vorstehend beschriebene. W. Rascher.
*) Nachtr. bei d. Korr. Hier ist auf A, Schmauß’ in Heft 11/1938 der Met. Zeitschr.
erschienene große Untersuchung über synoptische Singularitäten hinzuweisen.
' 1) Wegen der Lage der Missionsstation Kigarama und weiterer Klimatogr, Wittrgsschldrg. des
Verf, s. Ann. d. Hydr. usw. 1938, 8. 592,