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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1939,
Der jährliche Gang der „Sommertags‘“- Häufigkeit weist in Daressalam
and Tabora nichts Besonderes auf: sie liegt immer, auch in der kühlen Jahres-
zeit, zwischen 96 und 100%; in Tandala haben die Monate Januar bis August
die Häufigkeit 0%, dann steigt ihr Wert bis auf 47% im November, Sehr viel
‚ebhafter ist das betreffende Bild bei den „Tropentagen“: ihre geringste
Häufigkeit fällt in Daressalam in den kühlsten Monat Juli mit nur 2%, in Tabora
hingegen auf den Ausgang der Regenzeit, nämlich den April, mit 27%, während
in zweites schwächeres Minimum im kühlsten Monat Juni mit 31% angedeutet
ist. Im heißesten Monat steigt in der Unjamwesi-Hochebene die Häufigkeit der
Tropentage bis auf 94% [im Oktober], während an der Küste dieses Häufigkeits-
maximum nicht in die heißesten Monate [Januar und Februar] fällt, sondern in
den Herbstmonat mit dem zenithnächsten Sonnenstand, den März, und zwar mit
74%. Unsere Tabelle 3 zeigt Einzelheiten.
Und nun die Frage der „Hitzeferien“; Unsere „Sommerfrische“ Tandala
wird leider — bei den Schulkindern! — sehr schlecht abschneiden: die Häufig-
N keit der Tage, an denen um 10 Uhr das Thermo-
m meter 27° erreicht oder überschreitet, beträgt im
Laufe des ganzen Jahres 0%, selbst in der heißen
Jahreszeit, In Daressalam hingegen würden die
weißen Schulkinder bei Anwendung des Ham-
burger Maßstabes während der heißen Monate No-
vember bis März an mindestens 84 bis 89% aller
Tage „hitzefrei“ haben, im Juni nur an 4% der Tage,
{in Tabora liegen die betreffenden Häufigkeits-
werte zwischen 61% [im Oktober] und 2% [im
Juli]; im ganzen Jahr würde hier an. 15% aller
Tage der Unterricht ausfallen, in Daressalam
an 53%. Die „ungünstigeren“ Verhältnisse von
Tabora — nunmehr vom Standpunkte des Schul-
hygienikers und Lehrers aus betrachtet! — die
oben bei Erörterung der Zahl der „Tropentage“
zum Ausdruck kamen, können sich mithin erst zwischen 10 Uhr und etwa 14 Uhr
entwickeln, Eine schwer zu beantwortende Frage wirft sich auf: wann sind die
geeignetsten Unterrichtszeiten für die europäischen Schulkinder in
den Tropen? Von 6 bis 10 Uhr? diese Zeit dürfte nicht ausreichen! — Yon 5
bis 11 Uhr? das bedeutet ein Aufstehen gerade dann, wenn der Schlaf infolge der
„Kühle“ [soweit von soleher überhaupt die Rede sein kann] am erquickendsten
ist. — Tabelle 4 ergänzt unsere Ausführungen über die „Hitzeferien“,
Die nächtliche Abkühlung *),
Die nächtliche Erholungsmöglichkeit berührten wir eben, Sie ist tropen-
hygienisch außerordentlich wichtig: die schlafarmen „Treibhaus“-Nächte während
der Heißen Zeit im Bereiche des‘ Küstenklimas sind — nicht nur für die
Weißen — mehr als unangenehm, zumal wenn die Tages- und Abendhitze einen
gefährlichen Lebensgewohnheits-Circulus ausgelöst hat: man schwitzt in der
heißen Zeit unaufhörlich, tags und nachts — der Körper fordert Ersatz der
ausgeschiedenen Flüssigkeit — folglich nimmt man solche auf in mehr {das ist
die Regel] oder weniger großen Mengen — folglich schwitzt man noch mehr —
folglich trinkt man noch mehr u,‚.s.f.! Da hilft nur eisernes Willenstraining.,
Als charakteristischen Grenzwert für heimische „heiße“ Nächte nannten wir
oben solche mit einem Temperaturminimum von mindestens +20° und fügten
aus der „Anleitung usw.“ hinzu: „sie kommen nur selten vor!" Für Tabora
and Tandala eilt dieser Satz ebenfalls: dert erklettert das Minimumthermometer
*) In diesem Abschnitt ist vorausgesetzt, daß die 24etündigen t-Minima immer in die Nachtzeit
allen, Bei der bekannten großen Tagesschwaokung der Lufttemperatur in den Tropen und ihrem
jähen Anstieg nach Sonnenaufgang wird man mit obiger Annahme praktisch keinen wesentlichen
Fehler begehen, In Daressalam entfallen nur etwa 2% bis 3% der täglichen t-Minima nicht in die
Nachtstunden, auf der Binnenhochebene dürften es noch weniger sein.