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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1939,
Bei all diesen Versuchen befand sich das Bimetall im Trägheitsmeßgerät,
also im freien Strahl der Strömung. Beim Aufstieg ist das Bimetall in irgend-
siner Form von einem Strahlungsschutzrohr umgeben, Es ist nicht gesagt,
daß sich während des Aufstiegs in jedem Falle, wo das Bimetall im
Strahlungsschutzrohr nicht mehr tangential, sondern unter einem
bestimmten Winkel angeströmt wird, die Ventilation genau so günstig
auswirkt wie im freien Strahl. Im Gegenteil, oft ist damit sogar eine
Vergrößerung des Trägheitskoeffizienten verbunden, weil die Ventilation
am Bimetall im Strahlungsschutzrohr durch Schräganströmung verschlechtert
wird. Dazu ein Beispiel: Ein 0.5 mm gestrecktes Bimetall ist in einem Strah-
lungsschutzrohr so eingebaut, daß es in der Mitte steht. Zur Trägheitsbestim-
mung wird es erwärmt und steht daher im Strahlungsschutzrohr schräg. Diese
Schrägstellung des Bimetalls bewirkt, daß das Bimetall anfangs unter einem
bestimmten Winkel angeströmt wird. Wir bestimmen jetzt den Trägheitskoeffi-
Tabelle? zienten in Abhängigkeit . von der Schräg-
. ————— _.. s8tellung, d.h. in Abhängigkeit von der Zeit
ds | do | Cs | &ro | 930 | Bu der Abkühlung,
23 | 22 | 22 | 21 | 20 | 19 see Tabelle 2 gibt «-Werte zu verschiedenen
Zeiten. Der Index des x bedeutet die Zeit
in sec, Bei kleinen Zeiten beträgt die Schrägstellung bis 20°. Hier treten große
Trägheitskoeffizienten von @, = 23 sec auf, weil das Bimetall in dieser Stellung
im Strahlungsschutzrohr besonders auf der Leeseite schlecht ventiliert ist,
Nach 40 sec hat sich das Bimetall abgekühlt und wird tangential angeströmt.
In dieser Stellung ist die Ventilation erheblich besser, au, wird 19 sec, Der
Unterschied beträgt immerhin 4 see. In die Praxis übersetzt heißt das:
während des Aufstiegs geht ein gestrecktes Bimetall bei tiefen Tem-
peraturen meist in Schrägstellung über — natürlich hängt der Grad der
Schrägstellung von der Ausgangstellung bei Zimmertemperatur ab, Bei tiefen
Temperaturen und gestreckten Bimetallen im Strahlungsschutzrohr
ireten also größere Trägheitskoeffizienten auf als bei hohen Tem-
Tabelle 3 peraturen, Die Korrektion von & um 4 sec
— lohnt sich schon, da sie maximal bis 0,5° aus-
ös | &o | Aıs | &o | se macht?), ;
al a8 | a 115 | IT seo Die gleichen Versuche wurden mit einem
gekrümmten 0.4 mm Bimetall im Strahlungs-
schutzrohr wiederholt. Die Ergebnisse sind in Tabelle 3 zusammengestellt.
Das 0.4 mm gekrümmte Bosch-Bimetall zeigt keine Abhängigkeit von
seiner Stellung, da die Stellung sich so mit der Temperatur ändert, daß die
Anströmung immer tangential erfolgt. Die auftretenden Unterschiede bei den
x-Werten liegen innerhalb der Fehlergrenze*), Wir lassen dann noch das Strah-
lungsschutzrohr unter einem Winkel von 30° anströmen und bestimmen dann
den Trägheitskoeffizienten, Als Abkühlungskurve ergibt sich bei Anströmung
unter 30° genau dieselbe, wie wenn der Strahlungsschutz tangential angeströmt
wird, d. h. auch die Trägheitskoeffizienten sind gleich. Jedenfalls sind innerhalb
der Genauigkeit keine Unterschiede festzustellen, Das ist wohl nur so zu er-
klären, daß das Strahlungsschutzrohr zwar unter 30° angeströmt wird, daß sich
aber im Innern des Rohres doch tangentiale Strömung ausbildet, £o daß die
Ventilation des Bimetalls nicht schlechter wird,
Die mitgeteilten a-Werte sind ermittelt für Temperaturen von + 15°
bis etwa +40°, Da bei aerologischen Aufstiegen Temperaturen bis etwa — 70°
durchlaufen werden, könnte der Einwand erfolgen, daß der Trägheitskoeffizient
nicht bei tiefen Temperaturen bestimmt ist, zumal W. Grundmann?) festgestellt
hat, daß für Flüssigkeitsthermometer der Trägheitskoeffizient « bei Temperaturen
von — 20° bis — 50° ungefähr doppelt so groß wird wie bei Zimmertemperatur,
Die Untersuchung des Trägheitskoeffizienten bei tiefen Temperaturen bietet
insofern Schwierigkeiten, als der Kanalwind nicht ohne weiteres abgekühlt
2 K Gödecke, Ann. Hydr. u. Mar. Met. 1938, Heft 11. — % E. Kleinschmidt, Hdb. Met.
Inste. Ss 8