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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 67 (1939)

Regula, H.: Geschwindigkeitsverteilung in Warm- und Kaltluftströmungen über See. 315 
sich der Kaltluftvorstoß bei weiterem Vordringen immer von neuem schafft, äußert 
sich in vertikalen Umlagerungen, die mit einem Gewinn an kinetischer Energie 
verbunden sein werden. Gewiß wird an der Oberfläche stets kinetische Energie 
äurch Reibung verzehrt, jedoch kann die Kaltluftströmung sich diesen Verlust 
mehr oder weniger durch Energiegewinn aus den Jabilen Umlagerungen ergänzen. 
Bei Warmluft wird die zum Aufwerfen des Seegangs benötigte Energie wegen 
der stabilen Schichtung nur den untersten Schichten entnommen werden können, 
die infolgedessen eine beträchtliche Bremsung erfahren müssen. Infolge ihrer 
unterschiedlichen vertikalen Stabilität verhalten sich Kalt- und Warmluft- 
strömungen hinsichtlich der Reibung ähnlich wie Körper in der Mechanik bei 
rollender bzw. gleitender Reibung. 
Die hier aus zahlreichen Windbeobachtungen abgeleitete verschiedene Ge- 
schwindigkeitsverteilung in Warm- und Kaltluft führt auf denselben Unterschied 
in der Fortbewegung von Warm- und Kaltfronten hinaus, den Scherhag in 
seinen synoptischen Untersuchungen festgestellt hat?!), Die Warmluft eilt bereits 
in geringer Höhe der Oberflächenströmung merklich voraus, was zu der tat- 
sächlich oft beobachteten Verwischung der Warmfronten führt. Die Kaltluft da- 
gegen strömt auch in Bodennähe annähernd mit Gradientwindgeschwindigkeit 
und kann auf diese Weise die Warmluft an der Oberfläche einholen. 
Die Häufigkeit der Windstillen und schwachen veränderlichen Winde 
auf den Ozeanen. 
Von Richard Becker, Hamburg, Deutsche Seewarte, 
{Hierzu Tafel 33 mit zwei Karten.) 
Die allgemeine Zirkulation spiegelt sich auch in der Häufigkeit der Wind- 
stillen und schwachen veränderlichen Winde (im folgenden auch kurz Stillen- 
häufigkeit genannt). Je seltener diese sind, um so stärker ist die mittlere Luft- 
bewegung. Von praktischem Interesse kann die Stillenhäufigkeit u. a, auch 
dadurch sein, daß in den Gebieten mit großer Stillenhäufigkeit im allgemeinen 
kein Seegang anzutreffen sein wird, sondern nur Dünung, die aus den Gebieten 
mit größerer Luftbewegung stammt. 
Die Hauptschwierigkeit beim Entwurf von Karten der mittleren Stillen- 
häufigkeit bietet die mangelnde Vergleichbarkeit der zur Verfügung stehenden 
Quellen. Auch bei der Neubearbeitung der „Monatskarten für den Nordatlan- 
tischen Ozean“ {s) konnte ein starkes Streuen der Stillenhäufigkeiten nicht ver- 
mieden werden. Dies hat seine Ursache darin, daß es sehr schwer ist, von Bord 
eines fahrenden Schiffes das Vorhandensein von Windstille festzustellen. Weiter- 
hin ist „schwach und wechelnd“ kein fest umgrenzbarer Begriff, Es erwies sich 
schließlich als zweckmäßig die „Pilot-Charts“ (1) zugrunde zu legen, wenn man die 
Forderung der Vergleichbarkeit aller Ozeane untereinander allem anderen voran- 
setzt, Bemerkt muß noch werden, daß die Angaben auf dem Südatlantischen und 
dem südlichen Stillen Ozean sich auf die Vierteljahre Dezember bis Februar 
bzw. Juni bis August beziehen, 
Die größte Häufigkeit von Windstillen und schwachen veränderlichen 
Winden wird längs der äquatorialen Tiefdruckrinne und im Innern der sub- 
tropischen Hochdruckgebiete zu erwarten sein. Die beiden Karten der mittleren 
Häufigkeit der Windstillen und schwachen veränderlichen Winde auf den Welt- 
meeren im Januar und Juli (s. Tafel 33) bestätigen dies, Im Januar erkennt man 
in etwa 5° N-Br. den Ring der Mallungen, Im Juli findet man ihn in 10° N-Br. 
Am breitesten ist er in beiden Monaten etwa im Raume der Philippinen, Auch 
die beiden subtropischen Hochdruckgürtel treten in der Stillenhäufigkeit hervor. 
Im Januar findet man sie auf 20° bis 30° N-Br. und auf der Südhalbkugel lassen 
sie sich in der Nachbarschaft von 30° S-Br. verfolgen. Im Juli sind sie beide 
etwas nach Norden gerückt: nach 30° bis 40° N-Br. bzw. 20° bis 30° S-Br. Dies 
entspricht der Lage der subtropischen Hochdruckgürtel. 
1) Scherhag: Warum okkludieren die Zyklonen? Ann, d. Hydr, 1938 S. 22%,
	        
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