310 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1939,
Zeit der Tornados aber, die an der Westafrikaküste starke Druckschwankungen
hervorrufen, waren die Rechnungen nur mit größerer Vorsicht zu verwenden.
Anderseits sind die Verschiebungen der Warmlultmassen an der Afrikaküste
bei spärlichem Beobachtungsmaterial nicht genügend bekannt, so daß die hier-
durch bedingten Störungen nicht immer mit Sicherheit im Voraus erkannt
worden sind.
Literatur:
ji. Meteorologisches Taschenbuch, Leipzig 1931. Seite 109 bis 110,
2. H. Regula: Geschwindigkeitsverteilung in Warm- und Kaldult über See, Ann. d, Hydr. VI. 1939,
3, y. A Die Passatinversion. Veröfftl. des Meteor. Iostitutes d, Univ, Berlin. Band I, Heft 4,
Seite 19,
A Zn te 19. daselbst Seite 29 his 30.
Geschwindigkeitsverteilung in Warm- und Kaltluftströmungen über See.
Von H. Regula, Hamburg, Deutsche Seewarte,
Einleitung, .
Bei der Wetterberatung von Langstreckenflügen über See steht die Vorher-
sage des Windfeldes an erster Stelle vor den anderen meteorologischen Ele-
menten; denn vom Wind hängt die Dauer des Fluges und damit die Menge
des mitzunehmenden Brennstoffs ab. Ferner muß auf dem Fluge der Vorhalte-
winkel dem Wind entsprechend gewählt und bei Windsprüngen geändert werden
(nachts lediglich auf Grund der Vorhersage).
Die Erfahrungen, die bei der Beratung der ersten Nordatlantikrersuchsflüge
1936 gemacht wurden, wobei mit Vorhaltewinkeln geflogen wurde, die bereits
vor dem Start für die einzelnen Flugabschnitte errechnet waren, sprachen dafür,
daß die Geschwindigkeitszunahme mit der Höhe in Kaltluft eine andere ist als
in Warmluft, Messungen von der erforderlichen Genauigkeit, um diese unter-
schiedlichen Verhältnisse in die Vorhersage einbeziehen zu können, lagen in-
dessen noch nicht vor,
Eine weitere offene Frage war, welche Windgeschwindigkeit — in m/sec
ausgedrückt -— an einem Ort herrscht, wo ein Schiff z. B, Windstärke 5 meldet.
Laut Definition der Beaufort-Skala wäre mit 8.5 m/sec zu rechnen, während nach
Kuhlbrodts Untersuchungen!) und auch nach eigenen Erfahrungen den Beaufort-
Angaben der Seeleute meist höhere Geschwindigkeiten entsprechen (Windstärke 5
nach Kuhlbrodts Feststellungen == 13 m/sec),
Eine unvollständige Berücksichtigung dieser Verhältnisse kann bei Ozean-
Mügen seitliche Versetzungen von 100 und mehr Kilometern zur Folge haben.
Daher hat der Verfasser zusammen mit dem technischen Angestellten Spangen-
berg bei den Nordatlantikversuchsflügen 1937 nach festem Plan Windbeobach-
tungen durchgeführt, und zwar Schätzungen der Windgeschwindigkeit an der
Oberfläche nach der Stärke des Seeganges, Anemometeraufzeichnungen in 40 m
Seehöhe und eine Reihe von Doppelanschnitten mit langsam steigenden Pilot-
ballonen. ,
Doppelanschnitte,
Die Steiggeschwindigkeit der Ballone betrug im allgemeinen 100 m/min, Als
Basis stand auf dem Schiff nur die etwa 100 m lange Strecke vom Peilkompaß-
deck bis zum Heck zur Verfügung, so daß bereits nach wenigen Beobachtungs-
minuten die Entfernung des Ballons in einem recht ungünstigen Verhältnis zur
Länge der Basis stand. Nachteilig für die Genauigkeit der Messungen kam hinzu,
daß durch die Schiffsbewegungen das Festhalten des Ballons im Fadenkreuz des
Theodoliten sehr erschwert wurde. Zwar kann der Höhenwinkel durch das
Hineinspiegeln der Kimm in das Gesichtsfeld des Theodoliten (Wegener-Kuhl-
brodtscher Spiegeltheodolit) auch bei schwankendem Schiff genügend genau
gemessen werden; dagegen können die Schwankungen im Seitenwinkel bei der
Messung nicht ausgeschaltet werden,
4 Kuhlbrodt: Vergleich geschätzter Windstärken mit gemessenen Windgeschwindigkeiten anf
See, Ann. d. Hwdr. u. Mar, Met. 1936, Zweites Köppenheft.