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Full text: 67, 1939

Gräfe, H.: Über Zusammenhänge zwischen Bodenwind, Luftdruckverteilung usw. 309 
Grund sehr stabiler Temperaturschichtung mit stark verminderter Turbulenz 
rechnen muß. 
Diese Vorgänge beeinflussen sicher auch die oben durchgeführten Wind- 
berechnungen, Wie hat man sich das vorzustellen? Die beiden Passate, die 
dem Äquator zudriften, weisen infolge ihrer langen Wanderung in ihrer Boden- 
schicht, mindestens aber bis zu einer Höhe von 500 m ein einheitliches Gepräge 
mit einem mittleren vertikalen Temperaturgradienten von 1.15°/100 m (s) auf. 
Diese leicht überdiabatischen Gradienten gelten aber nicht für den gesamten 
Breitengürtel. Es fließen nämlich gleichzeitig mit der feuchten, maritimen und 
gegenüber der wärmeren Meeresströmung kühlen Passatluft auch von Nordafrika 
her trockene, warme Luftmassen kontinentaler Herkunft in das Passatsystem 
ein. Sie werden über der kalten Meeresströmung stark abgekühlt. In einer 
gewissen Breite, parallel zur Afrikaküste, wird dadurch eine bis zur Meeres- 
oberfläche herabreichende Bodeninversion eben dadurch entstehen, daß die heiße, 
kontinentale Luft über den kalten Küstenstrom hinwegstreicht. Dadurch fehlt 
dieser Luftmasse in ihrem bodennahen Teil gänzlich der labile Charakter der 
eigentlichen Passatströmung. Durch Vorstöße der kontinentalen Luft, deren 
Ursachen nicht klar zu erkennen sind, verbreitert sich nun der schmale, küsten- 
parallele Streifen zeitweise um das Vielfache, so daß die kontinentale Luftmasse 
und mit ihr die Bodeninversion in einem breiteren Gebiet (4) angetroffen wird. 
In den Gebieten, die von der wärmeren und damit leichteren, kontinentalen 
Luft überstrichen werden, wird sich ein Druckfall bemerkbar machen. Das 
bedeutet in unserem Fall eine Vergrößerung der Druckdifferenz py-—Ppa nach 
der negativen Seite hin, was in Fig. 1 immer, am 28, I. in dem starken Abfall 
aber besonders gut angedeutet zu sein scheint. 
Anderseits bildet sich aber in der Warmluft über dem kalten Meer ein 
stabiler Temperaturgradient aus, der eine Verminderung der Windgeschwindig- 
keiten zur Folge hat. Das heißt also, die Veränderung des Druckgradienten, 
die wir eben festgestellt haben, drückt sich im Windgeschehen überhaupt nicht 
aus, Im Gegenteil kann in bestimmten Fällen eine Gegenläufigkeit erwartet 
werden. Dieser Zustand hält nun so lange an, wie der Zustrom vom Kontinent 
zum Meer andauert. Vermindert er sich. oder hört er ganz auf, dann nehmen 
erfahrungsgemäß die Warmluftmassen sehr schnell die Temperatur der Meeres- 
oberfläche an, und der alte für unsere obigen Betrachtungen normale Zustand 
wäre schnell wiederhergestellt. 
Es wurde versucht, die Warmluftmassen und ihre zeitliche Abgrenzung im 
Bereich der Afrikaküste gegen den Passat nachzuweisen. Prinzipiell muß das 
ja möglich sein, denn die kontinentale Luft ist etwa 2° bis 3° wärmer als der 
eigentliche Nordostpassat. Es lassen sich auch Grenzen festlegen, und es ist 
auch tatsächlich eine wesentliche Verbreiterung zu den Zeiten festzustellen, zu 
denen wir oben wesentliche Abweichungen von der Gleichung {ı) fanden. Das 
gilt besonders für die Zeit vom 28. I. bis 20. IL (07h GMT. Obse.?), also gerade 
in der Zeit, in der wir die größten Abweichungen in Fig. 2 und 3 erkennen 
können. Der Verfasser möchte aber diesen spärlichen Temperaturmessungen 
keinen allzu großen Wert beimessen, da gute Temperaturmessungen in den Tropen 
bei dem sich sehr rasch erhitzenden Schiff mit den einfachen Mitteln, mit denen 
heute noch die meisten Schiffe ausgestattet sind, sehr schwierig durchzuführen 
sind. Die daher wenig beweiskräftigen Messungen sind deshalb nicht dargestellt 
worden, 
Es wurde in dieser Arbeit versucht, Gesetze klarzulegen, die den Wind- 
ablauf in dem Tropengürtel des Atlantischen Ozeans regeln, Es konnten dabei 
nur die offensichtlichen Erscheinungen geklärt werden. Sicher ist der Ablauf 
zeitweise noch komplizierter, 
Die Arbeit entstand in der Absicht, die Windversetzungen und damit die 
Flugzeiten der Transozeanboote genauer zu erfassen. Infolge der großen Kom- 
pliziertheit des Windablaufes ist dieses Ziel nur zum Teil erreicht worden. Zu 
den Zeiten der Störungsfreiheit wurde mit Hilfe der hier beschriebenen Methode 
über Wochen hindurch die Windversetzung mit gutem Erfolg ermittelt. Zur
	        
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