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Volltext: 67, 1939

302 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1939, 
Steinhauser*) zusammengestellten Strahlungsmessungen von Washington lassen 
gleichfalls erkennen, daß die Strahlung bis zur Gegenwart keine auf- 
fallende Einsenkung mehr aufweist. 
Zusammenfassend kommt man also zu dem Schluß, daß die Vulkantätig- 
keit in diesem Jahrhundert, und vor allem in den letzten 25 Jahren 
ungewöhnlich gering und dadurch die Son nenstrahlung verstärkt war. 
So ist das letzte Sonnenfleckenminimum, das etwa um 1900 eintrat und 
dessen zugeordnetes Temperaturmaximum um 1920 zu erwarten war, in seiner 
Wirkung durch die fehlenden Vulkanausbrüche unterstützt worden, 
und es kam zu jener denkwürdigen Temperaturerhöhung, die wir zur Zeit er- 
leben, Man kann daraus nun auch eine ziemlich sichere Aussage über die 
zukünftigen Temperaturänderungen machen, 
9. Die Winter werden wieder strenger, 
Die Analyse der Sonnenfleckenkurve ergibt, daß die Fleckentätigkeit jetzt 
wieder in rascher Zunahme begriffen ist, und damit in Übereinstimmung hat 
uns das Jahr 1937 die höchste Sonnenfleckenrelativzahl seit 1870 beschert. Es 
folgt daraus, daß nun auch die Winter wieder strenger werden müssen, und 
irgendein stärkerer Vulkanausbruch würde diesen Prozeß natürlich erheblich 
beschleunigen. 
Ich habe schon früher die Vermutung geäußert, daß die Winter im grön- 
ländischen Raum bereits wieder kälter würden, Dies bestätigt jetzt Jensen®), 
indem er in einem Nachtrag am Schluß seiner Arbeit darauf aufmerksam macht, 
daß in den letzten beiden Jahren die Wasser-Temperaturen in den 
Fjorden an der Westküste Grönlands auffallend niedrig waren, und 
wer im synoptischen Wetterdienst die Temperaturen jenes Raumes im letzten 
Winter verfolgt hat, muß zu der gleichen Schlußfolgerung kommen, daß dort 
die Winter wieder kälter werden und die Zyklonentätigkeit abnimmt. Im Gebiete 
von Spitzbergen war davon allerdings noch nichts zu bemerken, denn die 
Mitteltemperatur des letzten Winters (November bis März) übertraf 
dort mit einer positiven Abweichung von +8.5° alle vorhergehenden 
Jahre, es war aber ganz auffallend, daß weiter im Nordosten, schon bei 
Nowaja Semlja, die Temperaturen erheblich niedriger lagen als in 
früheren Jahren und das Polarhoch wesentlich an Ausdehnung gewonnen 
hatte. Das augenblickliche hohe Sonnenfleckenmaximum wird die 
Temperaturerniedrigung in den nächsten Jahren sicher beschleunigen. 
10. Schlußwort, 
So einfach die Erklärung der Temperaturerniedrigung beim Abschirmen 
der Sonnenstrahlung durch vulkanischen Staub ist — wobei allerdings wieder 
nicht angenommen werden kann, daß die Abkühlung in den gemäßigten Zonen 
eine direkte Folge der geringeren Einstrahlung ist, vielmehr diese ebenfalls 
durch den Umweg über eine Verringerung der atmosphärischen Zirkulation 
zustande kommen muß, was auch schon darin zum Ausdruck kommt, daß es 
hauptsächlich die Wintertemperatur ist, die zu solchen Zeiten erniedrigt wird —, 
so schwierig und ungelöst ist zur Zeit noch das Problem der Anderung der 
Stärke der Sonnenstrahlung mit der Fleckentätigkeit, indem die einzelnen Ergeb- 
nisse noch in Widerspruch miteinander stehen. Humphreys“) hat eine ver- 
wickelte Theorie über den Einfluß der Ozonschicht ausgearbeitet, um den Wider- 
spruch klären zu können, daß die Sonnenstrahlung gerade beim Fleckenminimum, 
wenn die Erdtemperatur zweifellos hoch ist, verringert sein soll. Nachdem aber 
gerade vor einigen Monaten Paranjpe”) auf Grund einer kritischen Betrachtung 
zu dem Ergebnis gelangt ist, daß unsere bisherigen Messungen der Solar- 
konstante noch mit derartigen Fehlern behaftet sind, daß über deren 
Schwankung noch keine sichere Aussage gemacht werden kann, erscheint 
4) F. Steinhauser, Über die Veränderlichkeit der Sonnenstrahlung. Meteorol, Zeitschr. 55, 
S. 442 (1988). — ®) aaO. S. 72ff. — %) aaO. — 7) M.M. Paranjpe, The Variations o€ the 
Solar Constant and their Relation to Weather. Quarteriy Journal of the Royal Met. Soc. 64, S, 459 (1938)
	        
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