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Full text: 67, 1939

298 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1939, 
hier ein Nachhinken der Schwankung der Eisbedeckung um etwa 
20 Jahre gegenüber dem Wintercharakter in Europa, und erst seit 1880 
nimmt die Eisberghäufigkeit in der Davisstraße ab, 
Die Tab. 16 lehrt uns also, daß die etwa 90jährige Periode in der 
Sonnenfleckentätigkeit von einer ebensolchen Schwankung der atmo- 
sphärischen Zirkulation und der davon abhängigen Häufigkeit kalter 
Winter in der gemäßigten und polaren Zone begleitet ist, 
Eine 89jährige Periode der kalten Winter haben bereits Köppen!) und 
Easton?) festgestellt, Auf einen Zusammenhang mit einer Sonnenfleckenperiode 
yon etwa gleicher Dauer hat dann Rosenbaum®**) hingewiesen. 
Im Februarheft dieser Zeitschrift (S. 65) hatte ich die Winter-Statistik von 
Easton zu 40jährigen Mitteln zusammengefaßt, und war daraufhin zu der Schluß- 
folgerung einer Periode von 110- bzw. 220jähriger Dauer gelangt, In Abb. 1 sind 
zur weiteren Klärung des Sachverhalts jetzt sämtliche übergreifenden 40jährigen 
Mittel der Eastonschen Charakterzahlen eingezeichnet worden. Etwa bis zum 
Beginn des 16. Jahrhunderts kann man die einzelnen Punkte mühelos verbinden, 
davor wird das Ergebnis etwas unsicherer. Man erhält daraus die in der ersten 
Spalte der Tab, 17 aufgeführten Zeiten kältester Winter in Westeuropa, die mittlere 
Periodeniänge (zweite Vertikalreihe) ergibt sich zu 94 Jahren. Die dritte und 
vierte Reihe geben die wärmsten Zeiten und ihre Zwiscbenräume an. In Über- 
einstimmung mit der früheren Feststellung ergeben sich als wärmste Epochen 
die Jahre um 1720, 1520 und 1280 mit sekundären Maxima um 1830 und 1630. 
Weiter zurück sind zwei sekundäre Maxima um 1460 und 1340 angedeutet, doch 
ist der Kurvyenverlauf hier nicht mehr überzeugend. Die kältesten Winter traten 
in Westeuropa um 1880, 1750, 1670, 1580 und 1450 ein, dayor war es besonders 
kalt um 1220, die Minima um 1320 und 1450 sind zweifelhaft, Rechnet man 
diese beiden Minima mit, so beläuft sich die mittlere Periode zu 94 Jahren, _ 
Das Verhalten der Winter in Zentraleuropa während der letzten zwei Jahr- 
hunderte zeigt eine ähnliche Schwankungsdauer (5. und 6. Spalte der Tab. 17), 
and ebenso stimmt damit die Sonnenfleckenperiode (Spalte 7 bis 10) überein, so 
Jaß man der Schlußfolgerung von Rosenbaum zustimmen muß, daß es sich 
bei der etwa 90jährigen Periode um eine solare Erscheinung handelt. 
Es soll anschließend die zeitliche Ausbreitung der letzten Phase dieser Welle, 
nämlich die seit 1850 in Mitteleuropa zu beobachtende Milderung der Winter 
untersucht werden, 
7. Das Verhalten der Winter über Europa, 
Auf das regional verschiedenartige Einsetzen der Wintermilderung im Laufe 
des vergangenen Jahrhunderts wurde weiter oben schon hingewiesen. Es soll 
dieses Problem jetzt genauer untersucht werden, 
Um eine kartenmäßige Darstellung durchführen zu können, wurde für eine größe Anzahl von 
verfügbaren Stationen der Anteil der exirem warmen an der Summe der extrem kalten und der extrem 
garmen Wintermonate während der einzelnen 20jährigen Zeitränme in Prozenten ausgerechnet, Unter 
extremer Abweichung sind dabei über dem mitteleuropäischen Festland allgemein mindestens Beträge 
ron 3° gefordert worden, für stark maritim beeinflußte Stationen Westeuropss wurde eine Abweichung 
von 2° und für die südlichsten Orte eine solche von 1° als genügend angesehen, so daß immer noch 
sine hinreichend große Zahl von Monaten, extremer Abweichuvg zur Verfügung stand, 
In den folgenden Karten ist nun die Anderung des Anteils der warmen Monate an der Gesamtzahl 
extremer Monate von ‚Jahrzehnt zu Jahrzehnt, immer je 20 Jahre zusammengefaßt, dargestellt. Die 
[solinien sind jeweils für eine Anderung des Hundertsatzes warmer Wintermoönate um 20% gezeichnet 
worden, wobei auf die Einzelwerte wenig Rücksicht genommen werden kannte und weitgebend ausge- 
glichen wurde, Gebiete, in denen die Winter strenger wurden, sind durch Schraffierung gekennzeichnet. 
Abb. 2 zeigt die Änderung des Anteils warmer Wintermonate von den beiden 
Dezennien 1821/1840 zum zwanzigjährigen Zeitraum 1841/1860, stellt also im 
Mittel das Verhalten der Winter um 1850 dar, und man sieht hier, daß bis zu 
diesem Zeitpunkt kalte Winter über Mitteleuropa häufiger wurden, wobei die 
») W. Köppen, Eine 89jährige Periode der Witterung, Zeitschr. d. Österr, Gesellschaft f, 
Meteorol. 16, 8. 53 (1881), ferner Meteorolog. Zeitschr. 31, S, 305 (1914) u. 35, S, 98 {1918} u. Ann. 
Hydr, 45, S. 445 (1917), -—— 2%) C, Easton, Eine in westeuropäischen Wintern nachweisbare große 
Klimaperiode. Petermanns Mitt, 63, S. 201 (1917), — *y I. Rosenbaum, Über langjährige Klima- 
U und deren Abhängigkeit von der Sonnenfleckenhäufigkeit, Meteorolog. Zeitschr, 45,
	        
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