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Full text: 67, 1939

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1939. 
der Wintermonate darstellt, Man sieht: Bis etwa 1850 waren die kalten 
Winter die häufigeren, seitdem verschwinden sie ijmmer mehr. 
Wie wenig die Inhomogenität der Berliner Reihe bei diesen Betrachtungen 
stört, kann man aus den folgenden Tabellen ersehen, die die gleichen Zahlen- 
angaben für eine Reihe anderer langer europäischer Beobachtungsreihen enthalten, 
Tab. 10 führt zunächst die kalten Wintermonate mit einer Abweichung von mehr 
als 3° in Mittel- und von mehr als 2° in Südeuropa und in Edinburgh an, Tab, 11 
enthält für die gleichen Orte die Anzahl der warmen Wintermonate, und in Tab, 12 
ist die Differenz der zu warmen minus der zu kalten Monate November bis März 
zusammengestellt. 
Aus allen drei Tabellen geht hervor, daß die Winter in ganz Europa vor 
allem seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts wesentlich milder geworden 
sind und daß der Stadteinfluß von Berlin nur in geringem Maße zutage tritt, 
Die kältesten Winter sind in den Tabellen durch zwei Sterne, sekundäre 
Minima durch einen Stern und die wärmsten Zeiten durch Fettdruck hervor- 
gehoben; die Stationen sind so angeordnet, daß sie von links nach rechts von 
Nordost nach Südwest fortschreiten. Man erkennt dann, daß die Extremwerte 
etwa im Zentrum Mitteleuropas bei Kopenhagen und Berlin zuerst aufgetreten 
sind und sich von dort aus sowohl in südwestlicher wie in nordöstlicher Richtung 
verspätet haben. . 
Dieses verschiedenartige Verhalten im Eintritt strenger und milder Winter 
wird weiter unten noch kartenmäßig dargestellt und besprochen. Es soll vorher 
noch versucht werden, eine allgemeine Periode in dem Verhalten der Winter 
festzustellen, 
Za diesem Zweck sind in Tab, 13 zunächst die Summen sämtlicher sehr kalter und warmer 
Wintermonate jener Stationen, deren Beobachtungen bis 1781 zurückreichen, gebildet, in den letzten 
beiden Spalten sind diese Zahlen auf Hunderiteile sämtlicher Monate des Setreifenden Zeitraums 
nmgerechnet worden. Jetzt kann man folgendes feststellen : 
Um die Wende vom 18, zum 19. Jahrhundert waren etwa 15% aller Winter- 
monate extrem kalt (vorletzte Spalte der Tab. 13), in den darauffolgenden 
40 Jahren nahm die Häufigkeit kalter Winter etwas ab, woran sich aber eine 
neue Kälteepoche etwa um das Jahr 1860 anschloß. Zu dieser Zeit erreichten 
die sehr kalten Monate noch mehr als 13%. Dann erfolgte ein rapider 
Rückgang bis zur Gegenwart, wobei im Verlaufe der letzten 40 Jahre nicht 
einmal mehr 6% aller Wintermonate extrem kalt waren, so daß die kalten Winter 
selbst im Gesamtmittel seit 1890 nur noch den dritten Teil der Häufigkeit zu 
Anfang des 19, Jahrhunderts erreichten. In den letzten Jahren ist diese Zahl 
natürlich noch erheblich reduziert worden, wie wir an der Berliner Reihe sahen, 
Entsprechend umgekehrt ist das Verhalten der sehr warmen Wintermonate 
(Spalte 3 und 5 der Tab, 13), auffallend ist aber, daß sich hier die Extremwerte 
etwa 40 Jahre später einstellen. 
Bildet man wieder die Differenz der sehr warmen minus der kalten Monate, 
so bekommt man einen Anzeiger für die Wintertemperatur, und die entstehende 
Reihe ist bereits bei der Verwendung von nur 20jährigen Mitteln (Tab, 14) weit- 
gehend ausgeglichen: Am kältesten waren die Winter um 1790, eine erheb- 
liche Milderung erfolgte bis 18530, ein neuer Temperaturrückgang bis 
1860 und dann eine ständige Milderung bis zur Gegenwart, Seit dem 
letzten Temperaturmaximum sind jetzt etwa 90 Jahre verflossen. 
6. Eine langperiodische Schwankung in der Sonnenflecken-Relativzahl von gleicher 
Periode wie bei der Wintertemperatur. ; 
Stellt man die Sonnenflecken-Relatiyrzahlen zu je 40jährigen Mitteln zusammen, 
wobei die 11jährige Periode fast völlig ausgeglichen wird, so erhält man die in 
Tab. 15 aufgeführten Zahlenwerte. Im Zeitraum von 1790 bis 1830 war die 
Sonnenfleckentätigkeit außerordentlich gering, damals stiegen die Relativ- 
zahlen selbst zu den Zeiten der Sonnenfleckenmaxima nicht einmal bis auf „50“ 
an, während das Maximum von 1778 einen mittleren Jahreswert von „155“ 
gebracht hatte. Von 1830 an nimmt die Fleckentätigkeit wieder rasch 
zu und erreicht zwischen 1830 und 1870 ein neues Maximum, dem etwa
	        
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