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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1939.
erst. wieder durch die amerikanischen Forschungen, besonders die der Marion-
Expedition in der Davis-Straße und Baffin-Bai?), die zugleich das fortlaufende
and genauere Beobachtungsmaterial des amerikanischen Eispatrouillendienstes
rerwertete und auf dieser erweiterten Grundlage meine Ergebnisse neu fundierte,
z. T. etwas modifizierte und ergänzte*). Aber auch in diesem Werk, das schon
einen gut doppelt so langen Zeitraum von Ejisbeobachtungen zur Verfügung
hatte, ist das Problem längerer Eisperioden nicht behandelt, auf das ich am
Schlusse meiner genannten Arbeit von 1905 nur hinwies, ohne es angreifen zu
können. Faßt man vor allem die elfjährige Periode der Sonnenflecken ins
Auge, so erscheint auch die Reihe der Eisjahre, wie sie die amerikanische Unter-
suchung zusammenstellt, immer noch etwas kurz, es sei denn, daß die Periode
ganz besonders ausgeprägt wäre, Dies ist Offenbar nicht der Fall, wie die
Kurve 5 auf Tafel 4 zeigt. Aus der Kurve läßt sich allenfalls herauslesen, daß
nur jedes zweite Sonnenfleckenmaximum bzw. -minimum sich bemerkbar macht,
was sehr auffällig erscheint; ob das reelle Bedeutung hat, kann erst eine viel
längere Reihe von Beobachtungen bei Neufundland lehren.
Dagegen existiert nunmehr seit 1931 eine mehr als hundertjährige Reihe
von Eiswerten der Davis-Straße, auf Grund allen erreichbaren Materials auf die
exakte und vergleichbare Basis einer zehnstufigen Skala gebracht‘), Diese Reihe
ist hier in Tab. 1 wiedergegeben. Ihre Werte habe ich dann ausgeglichen mit
der Formel (a +b + c):3 und die ausgeglichenen Werte in Kurven dargestellt.
Auf dieser Grundlage soll die Eisstärke der Davis-Straße nach verschiedenen
Methoden mit dem Zyklus der Sonnenflecken verglichen werden,
Tabelle I, Das Treibeis in der Davis-Straße in den Jahren 1820 bis 1930
° nach einer Stärkeskala 0 bis 10,
1918
1919
1920
1921
1922
1923
1924
1925
1926
1927
1928 |
1929 | :
1930
Mittel 4.9
In der dritten Kurve der Tafel 3 sind die einzelnen Jahreswerte der Eis-
;tärke verzeichnet. Ihr Vergleich mit den darüberstehenden Kurven der Sonnen-
Necken (Kurve 1 beobachtete, Kurve 2 ausgeglichene Werte derselben) ergibt
deutlich, daß das Fleckenmaximum starke Eisjahre und das Flecken-
ninimum schwache Eisjahre im Gefolge hat. Die Ausnahmen sind in der
langen Reihe sehr gering, und selbst sie zeigen eine bemerkenswerte weitere
Einschränkuug bzw. Regel, nämlich die, daß sie in die Zeit von 1830 bis 1840
sowie um 1860 fallen, während dazwischen der denkbar beste Parallelgang beider
Kurven vorliegt; jene Ausnahmestellen decken sich aber genau mit denen, die
sich mir auch in einer Untersuchung über die nordatlantische Zirkulation in
Ihrer Beziehung zur Fleckenperiode*) ergaben; hier hatte ich Temperaturreihen
von London und den Orkney-Inseln zur Verfügung, die ebenfalls um diese Zeit-
punkte ihre Abweichungen zeigten”), Das scheint darauf hinzudeuten, daß auch
N
4 Edward H. Smith: Arctic ice with especial reference to its distribution in the North Atlantic
Ocean, — The Marion-Expedition ... 1928, Part 3, Washington 1931. — *% Es sei bei dieser Gelegen-
heit auf einen Druckfehler der amerikanischen Abhandlung hingewiesen, damit er sich nicht weiter-
jrägt. S. 60 ist eine Kurve gegeben, die das Packeis von 18850 bis 1927 darstellen soll; ihre Zahlen-
werte sind aber identisch mit denen, die S, 182 für die Eisbergstärke der Jahre angegeben sind, —
3 C.J. H. Speerschneider: The state of ice in Davis-Strait, Public, fra det Danske Met. Institut,
Meddelelser No. S. Kopenhagen 1931. — *) L, Mecking: Nordamerika, Nordeuropa und der Golfstrom
in der elfjährigen Klimayeriode, Ann.d, Hydr. 1918, 8. 1—19, — 5) Ebenda, Tafel 1, Kurven 14, 15, 16, 17.