Kalle, K.: Die Erscheinung eines leuchtenden „Strahlenkranzes‘“ au der Meeresoberfläche, 23
8. Die Sonne muß möglichst klar scheinen und möglichst hoch am Himmel
stehen,
4. Das Wasser muß extrem klar sein,
Je besser alle diese Bedingungen erfüllt sind, um so prächtiger in seiner Leucht-
kraft tritt der Strahlenkranz dem Beobachter entgegen. Folgende Erklärungs-
möglichkeit dürfte den tatsächlichen Grundlagen der Erscheinung am besten ge-
recht werden. Die wellen- bzw. schwach linsenförmige Oberfläche des Meeres bei
leichter See wirkt sich auf die Sonnenstrahlen so aus, daß einzelne 1 bis 2 m im
Durchmesser messende schwach konvergierende Strahlenbüschel in annähernd
paralleler Richtung scheinwerferartig ins Meer hinabdringen. Da sich in per-
spektivischer Hinsicht der Augenpunkt des Beobachters im Gegenpunkt der Sonne,
also in dessen eigenem Schatten befindet, so müssen die einzelnen Lichtbündel
strahlenkranzförmig auf den Schatten des Beobachters zulaufen. Das Strahlen-
kranzförmige ist auf der Abbildung besonders am Rande der Leuchterscheinung
gut zu erkennen. Die Leuchtkraft wird naturgemäß um so stärker sein, je größer
die Schichtdicke ist, mit welcher man durch die konvergierenden Lichtbündel
hindurchschaut, Die Voraussetzung hierfür wird um so günstiger sein, je steiler
man auf die Strahlenbündel hinabsieht, d. h. perspektivisch gesehen, je mehr sich
die einzelnen Strahlen dem Schatten des Beobachters nähern. Als weiteres
wesentliches Moment für das Zustandekommen der Leuchterscheinung tritt zu
dieser Grundtatsache noch hinzu, daB die in die Tiefe dringenden Strahlenbüschel
infolge der ständigen Bewegung der Meeresoberfläche nicht genau parallel laufen,
sondern um einen kleinen Winkel in ihrer Richtung zueinander‘ geneigt sind,
Infolgedessen werden sie sich, in je größere Tiefe sie vordringen, um so mehr
überschneiden. Das Ergebnis dieses Vorganges muß naturgemäß sein, daß nicht
nur das einzelne Strahlenbündel, sondern der ganze Strahlenkranz um so leuch-
tender wird, je näher er dem Mittelpunkt, d.h. dem Schatten des Beobachters
zu, rückt. Die Leuchterscheinung als solche beruht, wie ja überhaupt die Farbe
des Sargasso-Meeres und anderer extrem klarer Gewässer, auf der Streuung der
Lichtstrahlen an den Wassermolekülen?).
Auch in der Ostsee, die verhältnismäßig klar ist, läßt sich bei annäherndem
Vorhandensein der oben angeführten Bedingungen die gleiche Erscheinung des
„Strahlenkranzes“ beobachten, allerdings bei weitem nicht in der im Sargasso-
Meer üblichen Schönheit. Besonders eindrucksvoll ist, wie man zeitweise in der
Ostsee zu beobachten Gelegenheit hat, daß bei vollkommen spiegelglatter See die
Erscheinung des Strahlenkranzes nicht auftritt, daß sie aber sofort wieder vor-
handen ist, wenn eine geringe Bewegung in die Wasseroberfläche hineinkommt
and damit die Bedingung der linsenförmigen Oberfläche wieder gegeben ist. Im
Sargasso-Meer konnte die gleiche Beobachtung nicht angestellt werden, da infolge
der dort fast ständig herrschenden starken Dünung eine vollkommen spiegel-
glatte „Ölige“ See eine große Seltenheit ist.
Die Periodizität der Eisbedeckung in der Davis-Siraße.
Von Prof. Dr. Ludwig Mecking, Hamburg,
(Hierzu Tateln 3 und 4.)
Die zeitlichen und örtlichen Schwankungen im Auftreten des arktischen
Treibeises und ihre Beziehungen zu meteorologischen Faktoren sind besonders
im Gebiet der Baffin-Bai, Labrador-Küste und Neufundland-Bank, wo die Eis-
front am meisten die Schiffswege behelligt, ein viel beachtetes Problem. Seine
erste umfassende Untersuchung?) liegt schon über 30 Jahre zurück, Sie gründete
sich damals auf ein erst über zwei Jahrzehnte ausgedehntes exaktes Material.
Von neuem in den Mittelpunkt der Untersuchung gerückt wurde dieses Eisgebiet
K, Kalle, 1938. Zum Problem der Meerwasserfarbe. Ann. d. Hydr, usw., 1938, S, 1—13.
?*) L. Mecking: Die Eistrift aus dem Bereich der Baffin-Bai. Veröff, d, Inst. £f. Meereskunde,
Berlin 1905, — Derselbe: Die Treibeiserscheinungen bei Neufundland in ihrer Abhängigkeit von
Witterungsverhältnissen. Ann. d. Hydr. 1907, S. 348 1f, 396ff.