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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1939.
Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben,
Fiuid Mechanics Applied to the Study of Atmo- die nicht ausreichende Zuverlässigkeit dieser Höhen-
spheric. Circulations, Part 1: A Study of Flow karten auch vn an: Ro soll z. B. am 19. Mai
Patterns with the Aid of Isentropic Analysis, 1936 der Luftdruck über Nordflorida in 5000 m
Papers in Physical a and Meteoro- Höhe Bi sein als einige hundert Kilometer
logy, Publ. by Massachusetts Institute of Tech- 5stlich von Boston (Tafel 21, Abb, 2), während er
nology and Woods Hole EOS Institu- am Boden über Florida etwa 5 mb höher ist und
tion Vol, VIL Nr. 1 (Cambridge u. Woods Hole, man doch nur schwer annehmen kann, daß die
Mass, Dezember 1938), 125 5. mit 166 Fig. Atmosphäre hier erheblich kälter sein soll als an
Diese umfangreiche unter der Schirmherrschaft der Küste bei Boston.
von Prof. Rossby entstandene Abhandlung ent- Dagegen geben die ijsentropischen Karten einen
hält drei Einzelarbeiten. Zunächst behandelt C, G, sindrucksvollen Überblick über die Verlagerung
Rossby selbst das Problem der Aufrechterhaltung von feuchten und trockenen Luftmassen über den:
ler Westwinde auf der Südseite der Polarfront, amerikanischen Festland, und die Bedeutung dieser
Jann beschreibt J. Namias die Technik und Bei- Xarten für die Wettervorhersage ist nicht geripg.
spiele der isentropischen Analyse, und R. G, 30 wird z, B. von Namias der Nachweis geführt, daß
Zimmers erläutert die isentropische Analyse in die Verlagerung eines Gewittergebiets, geknüpft an
sinem Fall der A Zahlreiche synop- sine Zone feuchter Luft in der unteres Troposphäre,
sche Wetterkarten vom Boden und aus der freien ıuf Grund dieser keöntropiechen Karten mit weit-
Atmosphäre sowie Vertikalschnitte, Druckände- zehender Genauigkeit vorhergeschen werden konnte,
rungskarten für verschiedene Höhen und Strom- ınd Rossby erwähnt (S, 6), „daß die Beziehung
äinien werden im Zusammenhang mit den „isen- zwischen den Fronten am Boden und dem
iropischen Karten“ bearbeitet, wobei man einen Zustand der oberen Luftschichten weit ver-
rechten Eindruck von dem Ausbau des amerika- wickelter ist als man auf Grund. der Polar-
aischen aerologischen Netzes erhält, ont-Theorie annehmen würde.“ So wird u. a.
Auf den „isentropischen‘‘ Karten wird die ijestgestellt, daß (S. 25) „die Bodenwetterkarten
Höhenlage eines bestimmten Wertes der potentiellen häufig einheitliche offene Warmsektoren
Temperatur, wie er etwa zwischen 1500 und 4000 m zeigen, die in den isentropischen Karten weit
herrscht, — in den Beispielen meist die pot. Tempe- von einer Homogenität entfernt sind“ und daß
*atur 310° — dargestellt, und zugleich werden die smistehende Bodenfronten vielfach eine Folge
Linien gleicher spezifischer Feuchte bei dieser pot. und nicht die Ursache von Vorgängen in der
Temperatur eingezeichnet. Die Eintragung von freien Atmosphäre sind.
Windrichtung und -stärke nach einem ähnlichen Ein breiter Raum wird der Theorie von Rossby
Schema wie in den deutschen Höhenwetterkarten, zewidmet, daß die zuweilen entstehenden antizyklo-
die Angabe der an den Aufstiegastellen ‚Kemes- Aalen Wirbel der freien Atmosphäre durch horizon-
;enen Höhenlage der betreffenden m DE ;alen Austausch entstehen sollen, indem ein Strahl
»atur sowie der relativen und spezifischen Feuchte n"oher Windgeschwindigkeit durch Reibungseffekte
and der beobachteten Wolken vervollständigen das in seiner Umgebung übergradientische Geschwin-
Kartenbild. Schließlich wird auch noch die Druck- ligkeiten erzeugen und damit eine Rechtsablenkun
differenz zwischen den Schichten der pot, Tempe- hervorrufen soll. Solche antizyklonalen Wirbel sind
ratur 305° und 310° angegeben, deren Anderung zuch in Europa nicht unbekannt; sie treten wiel-
von Tag zu Tag Konvergenz- und Divergeuz- ‚ach mit einem Warmluftvorstoß gekoppelt auf,
yebiete erkennen lassen soll: Solange keine Kon- und es scheint mir nicht ausgeschlossen, daß ihre
densation eintritt, muß xzämlich bei Vertikal. Ursache direkt auf die mit einem Warmluftrorstoß
bewegungen die pot, Temperatur konstant bleiben, rerbundene Druckerhöhung in der oberen Atmo-
und wenn z, B, der Abstand zwischen der Höhen- sphäre zurückgeführt werden kann. Ebenso ist bei
iage zweier Schichten pot. Temperatur zunimmt, der Antizyklogenese vom 16. bis 27. Mai 1936, die
so muß ein Massenzufluß stattgefunden haben, ausführlich untersucht und wobei (S. 101) der Nach-
Leider zerstören die Kondensationsprozesse aber weis erbracht wid, daß Konvergenz in den
diese eindeutige Beziehung erheblich. mittleren Schichten des Hochs vorhanden
Der Verlauf der Linien gleicher Höhe einer ist; sicher auch die Richtungskonvergenz der
bestimmten pot. Temperatur ist natürlich annähernd Höhenisobaren beteiligt,
identisch mit Isothermen oder unseren Linien Für jeden Tag der behandelten Beispiele wird
yleicher relativer Topographie, und so läßt sich such die sorgfältig analysierte Bodenwetterkarte
daraus sogleich die Lage von Fronten fixieren, Da reproduziert, und es sei asonder hervorgehoben,
lie Strömung aber durchaus nicht diesen Linien laß die Fronten nur dort eingezeichnet sind, wo
folgt, wird der Wert dieser Karten beeinträchtigt, sie erkennbar sind und diese N Vrontenansiere sich
and die Konstruktion von Karten der absoluten mit der Darstellung in den Wetterberichten der
Topographie bzw. von Drückkarten für einzelne Deutschen Seewarte weitgehend deckt, Nachdem
Höhen unter Einbezug der spezifischen Feuchte sich immer mehr herausgestellt hat, von welch
wird sich doch vielleicht in mancher Beziehung als zroßer Bedeutung die Ausbildung von Frontal-
roörteilhafter erweisen, Die in dieser Arbeit ab- :onen im amerikanischen Raum schon einige Tage
zedruckten Karten der Druckrerteilung in 5000 m später für die europäische Wettergestaltung sein
Höhe scheinen allerdings nicht mit ausreichender kann, ist es erforderlich, die Wetterkarten auch
Genauigkeit und nicht nach dem Verfahren der über Amerika täglich sorgfältig zu analysieren, und
zyraphischen Addition gezeichnet zu sein, denn man ileshalb ist diese Arbeit, die über die amerikanische
kann nicht annehmen, daß in Amerika die Ab- Luftmassenbezeichnung und die dortige eingehende
weichungen zwischen Isobaren- und Windrichtung Verwendung der aerologischen Beobachtungen
in der freien Atmosphäre ganz andere sein sollen vleich eingehende Auskunft gibt, eines sorgfältigen
als über Europas, und einige Stichproben deuten Studiums wert. KR. Scherchag,