Kleinere Mitteilungen.
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Setzen wir die letzte Gleichung in die vorhergehende ein, so erhalten wir:
CA YZzZE 2
2
oder eV = const.
Das ist aber der Ausdruck des Clayton-Egnellschen Satzes, der besagt, daß im
Mittel in der Troposphäre in allen Schichten der Massentransport (0 - v) konstant ist,
Nun wollen wir noch kurz auf die Ursache der Abnahme der interdiurnen
Veränderlichkeit in den untersten Schichten der Atmosphäre zu sprechen kommen.
In dieser Abnahme zeigt sich der Einfluß der Erscheinung, die in der Meteo-
rologie als Kompensation allgemein bekannt ist. Man kann dies folgender-
maßen ausdrücken:
Dort, wo in der Höhe tiefer Druck herrscht, ist die Troposphäre kalt,
dort, wo in der Höhe hoher Druck herrscht, ist sie warm. Sofern man sich
einmal auf rein advektive Vorgänge beschränkt, bedeutet dies: Dort, wo in der
Höhe der Druck steigt (fällt), steigt (sinkt) auch die troposphärische Mittel-
temperatur, das besagt aber wiederum, daß die Druckschwankungen (ausge-
drückt durch dh) in der Höhe stärker sind als in den unteren Schichten.
Das zeigt auch unsere Kurve.
Stüve hat in seiner „Thermozyklogenese“!) wohl als erster gezeigt, daß ein
Druckänderungsgebiet in der Hochtroposphäre auch advektive Temperaturände-
rungen auslösen kann, die zu einer Kompensation, also zu einer Abschwächung
der Druckänderung nach unten hin beiträgt.
Daß Druckänderungen in der Hochtroposphäre bzw. an der Stratosphärenuntergrenze in vielen
Fällen tatsächlich das „Primäre“ (in des Wortes vollster Bedeutung) sind, ist wohl heute als ziemlich
sicher anzunehmen, Der Streit geht nur darum: Sind diese Druckänderungen von strato-
sphärischen oder troposphärischen Vorgängen bedingt? Die Scherhagsche Divergenz-
Konvergenztheorie deutet darauf hin, daß troposphärische Vorgänge die Hauptrolle spielen,
Gelangt unter ein hochtroposphärisches Druckfallgebiet advektiv Kaltluft,
so kann der Druckfall bis zum Boden hin überkompensiert werden, hier also
Druckanstieg (bei Abkühlung) eintreten, oder allgemein gesprochen: Am Boden
kann auch dp und dT verschiedenes Vorzeichen aufweisen. Haurwitz (a.a.0.
S. 297) gibt an, daß dies sogar in 54% aller Fälle eintritt, und Dines?*) erhält
für Januar/März und Juli/September einen negativen Korrelationskoeffizienten
zwischen dp und dT am Boden,
Wenn aber in der Höhe Druckfall(-anstieg), am Boden Druckanstieg(-fall)
eintritt, dann muß es ein Niveau geben, in dem die Druckänderung 0 herrscht.
Dieses Niveau liegt nach den hier verarbeiteten Werten im Mittel bei etwa 850 mb
und zeigt sich im Minimum der interdiurnen Veränderlichkeit.
Zwei Tatsachen haben wir aus unserer, aus Mittelwerten gebildeten Kurve
herauszulesen versucht:
1. Die interdiurne Höhenänderung der Hauptisobarenflächen nimmt mit der
Höhe zu,
Das Vorzeichen der Änderung wechselt häufig innerhalb der untersten
5 km-Schicht,
Zum Abschluß soll daher die Anzahl der Fälle angegeben werden, die
diesen Mittelwerten entsprechen, Damit soll gleichzeitig gezeigt werden, wie weit
unser Mittelwert den tatsächlichen Verhältnissen entspricht.
In 63% aller Fälle ist die interdiurne Veränderlichkeit im 500 mb-Niveau
größer als am Boden, dabei nimmt in 43%, aller Fälle der Betrag bei gleichem
Vorzeichen mit der Höhe zu. In 42% aller Fälle nimmt die interdiurne Schwan-
kung mit der Höhe zunächst ab, dann wieder zu, dabei ändert sich in 30% aller
Fälle das Vorzeichen der Höhenänderung, während in 12% aller Fälle nur ein
Minimum (bei gleichem Vorzeichen) in einer Zwischenschicht eintritt.
Nur in 12% aller Fälle findet sich eine regelmäßige Abnahme der Höhen-
schwankung der Hauptisobarenflächen mit der Höhe, also der Fall, der in unserem
Mittelwert nicht zum Ausdruck kommt. G. Pogade, Hamburg.
1) Sıüve: Beitr. z. Phys, d. fr. Atm., Bd, 13. — ?%) W. H. Dines: Geophys. Memoirs, No. 13,
S. 57. London 1919.