Kleinere Mitteilungen,
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überhaupt nicht anwendbar gewesen wären. Ich habe an anderer Stelle noch
auf die Verwendungsmöglichkeit der Methode bei der Beobachtung von Erdrut-
schungen, Lavavorstößen, Wolkenzug usw, hingewiesen?), Einen weiteren Gebrauch,
den ich 1931 in Ostgrönland machte (Kreuzfahrt des „Pourquoi Pas?“ im Scoresby-
sund), wird vielleicht die Ozeanographen interessieren und damit das Erscheinen
dieser Notiz in den „Ann, d, Hydro,“ rechtfertigen: Am 10. August 1931 habe ich
von einem Punkt des Strandes von Port-Amdrup aus in der gleichen Richtung
auf Rosenvinge mit einem einfachen Kodak zwei Photographien des mit Eisblöcken
übersäten Meeres hergestellt, Die beiden Aufnahmen geschahen im Abstand
von einer halben Minute, Im Stereoskop wurde sofort die Trift des Wassers
sichtbar, und zwar ganz unerwartet nicht nur durch diejenige der mitgeführten
Eisblöcke, sondern auch durch das unterschiedliche Aussehen einzelner Ober-
fächenstücke, die teils ungleich gefärbt, teils ungleich hell waren. Das Stereo-
skop läßt uns die Strömung vor einem flachen Grund wie in der Luft hängend
sehen, Der Grund wird gebildet aowohl durch den gebirgigen Abschluß der
Landschaft, als auch durch den felsigen Vordergrund samt dem ruhenden Ufer-
wasser, Die Stromrichtung ergibt sich aus der richtigen Anordnung der Bilder
im Stereoskop. In diesem Falle mußte zur Erzielung des gewünschten Eindrucks
das zweite Bild auf die linke Seite gelegt werden. Nur dadurch ergab sich für
die auf den beiden Bildern sich entsprechenden Punkte mit Bewegung eine An-
näherung gegenüber den festen Partien. Die Strömung zog also von links nach
rechts des Bildes,
Dieses Verfahren kann von jedermann leicht angewendet werden, der einen
guten kleinen photographischen Apparat mit Stativ besitzt (das letztere ist sogar
nicht immer nötig; ich selbst habe die Aufnahmen von einem Felsvorsprung
aus gemacht) und über ein paar Minuten Zeit verfügt. Es könnte somit sicher
der Küstenhydrographie von einigem Nutzen sein,
P-.L Mercanton, Zürich, Meteorologische Zentral-Anstalt, Februar 1930,
2. Bemerkung zu dem Aufsatz von K, Kalle: Strahlenkranz an der
Meeresohberfläche, In den „Annalen der Hydrographie“, Jahrgang 1939, Heft I,
erscheint auf den Seiten 22 und 23 ein interessanter Artikel von K, Kalle: „Die
Erscheinung eines leuchtenden Strahlenkranzes an der Meeresoberfläche“,
Diesem ist eine schöne Photographie dieses Phänomens beigefügt, welche von
Bord des „Meteor“ im Sargassomeer aufgenommen wurde.
Es sei mir erlaubt, hier daran zu erinnern, daß die erwähnte Erscheinung
— wenn ich mich nicht täusche zum erstenmal — bereits 1874 von dem
berühmten Begründer der Limnologie, F. A. Forel, beschrieben und erklärt
worden ist, und zwar zunächst vor der „Soci&t& vaudoise des Sciences naturelles“
unter dem Titel: „Une variet& nouvelle ou peu connue de „gloire“ 6tudiöe sur
je lac Löman“*). Später hat er eine ausführliche Beschreibung und Erklärung
in seinem umfassenden Werk „Le Löman“ gegeben, die allein 10 Seiten des
Kapitels „Optique“ umfaßt?), Endlich findet sich eine Zusammenfassung dieser
Ausführungen in seinem „Handbuch der Seenkunde“, S, 149%).
Forel erwähnt für das Sichtbarwerden des Phänomens die gleichen Voraus-
setzungen wie Kalle: Stillstand des Schiffes und damit des Beobachters, leichte
Bewegung in der Wasserfläche (in ganz stillem Wasser ist nichts zu sehen),
Sonne möglichst hochstehend, Wasser sehr klar, Seine Erklärung ist ebenfalls
genau dieselbe, wie sie Kalle gibt:
Die auf die Wasserfläche auffallenden Sonnenstrahlen werden durch die
konvexen und dadurch wie Linsen wirkenden Teile seiner Oberfläche zu einzelnen
Büscheln vereinigt. Diese Strahlenbüschel ordnen sich für den Beobachter per-
spektivisch um die verlängerte Achse Sonne— Auge, bzw. Sonne—photographi-
sches Öbjektir an. Ihre Helligkeit ist sehr verschieden. Sichtbar werden sie
durch Streuung, wenn nicht an den Molekülen des Wassers — was unsicher ist
1) „La Nature“, Paris, 13, Februar 1926, — %) Bulletin S. VS, N. No. 13, 1874, Lausanne,
Rouge, — * F, A. Forel: „Le Leman“, Band 2, Seiten 413-—453, Rouge Lausanne, 1895, — *) Stutt-
gyart, Engelhorn, 1901,